# taz.de -- Gipfel in Évian: G7 will Ukraine-Verhandlungen wieder in Gang bringen
       
       > Nach monatelanger scharfer Kritik des US-Präsidenten setzen die Europäer
       > beim G7-Gipfel auf einen neuen transatlantischen Geist. Doch will Trump
       > den auch?
       
 (IMG) Bild: Los geht’s mit Gastgeber Macron und Donald Trump
       
       dpa | Die G7-Staaten wollen nach der Einigung auf ein Abkommen zur
       Beendigung des Irankriegs auch die stockenden Ukraine-Verhandlungen wieder
       in Gang bringen. An den Beratungen beim Gipfel der führenden demokratischen
       Wirtschaftsmächte (G7) im französischen Évian will auch [1][der ukrainische
       Präsident Wolodymyr Selenskyj] teilnehmen. G7-Mitglieder sind neben
       Deutschland und Frankreich auch Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, die
       USA und die EU. Frankreich hat in diesem Jahr den Vorsitz.
       
       US-Präsident Donald Trump sagte am Abend bei einem Treffen mit dem
       französischen Präsidenten und Gipfel-Gastgeber Emmanuel Macron, er habe am
       Sonntag sehr gute Gespräche mit Selenskyj und auch Kremlchef Wladimir Putin
       geführt. „Ich glaube, da können wir etwas erreichen. Wirklich.“ Er denke,
       dass beide dafür offen seien. Nach der Vereinbarung über Iran „werden wir
       uns darauf konzentrieren und sehen, ob wir das hinbekommen“.
       
       ## Selenskyj spricht von neuer diplomatischer Initiative
       
       Wie das in etwa aussehen könnte, skizzierte Selenskyj [2][bei einem
       Zwischenstopp in der moldauischen Hauptstadt Chisinau] auf dem Weg zum
       G7-Gipfel. Seinen Angaben nach sei zunächst geplant gewesen, Putin an den
       Genfersee einzuladen – Moskau habe dies aber abgelehnt.
       
       Daher habe er – Selenskyj – mit US-Präsident Donald Trump darüber
       gesprochen, ein solches Treffen in den USA zu organisieren. Wenn Trump
       Putin einen solchen Vorschlag machte, dürfte es diesem auch deutlich
       schwerer fallen, ihn zurückzuweisen, meinte Selenskyj. „Wir werden sehen,
       was dabei herauskommt“, sagte er in einem Video. Selenskyj nahm dabei
       offenbar Bezug auf ein Telefonat am Sonntag, als er Trump – ähnlich wie
       Putin – zu dessen 80. Geburtstag gratuliert hatte. Dabei kam auch der
       Ukrainekrieg zur Sprache.
       
       Eine Bestätigung aus den G7-Ländern für die ursprüngliche Einladung nach
       Évian gibt es übrigens bislang nicht. Selenskyjs Äußerungen dürften auch
       dazu gedacht sein, den Kreml unter Druck zu setzen. Putin hat immer betont,
       dass er sich mit Selenskyj nur in Moskau oder bei einer endgültigen
       Regelung des Konflikts treffen werde. Von ihren Forderungen nach weiteren
       Gebieten der Ukraine für einen Frieden ist die russische Führung bislang
       nicht abgerückt. Der Kremlchef hatte zuletzt [3][trotz der sich mehrenden
       Krisenzeichen] mehrfach öffentlich erklärt, dass Russland den Krieg
       gewinne.
       
       ## Was der Kanzler und die EU bei Trump erreichen wollen
       
       Kanzler Friedrich Merz wiederum sagte direkt vor dem Abflug zum Gipfel, die
       Ukraine sei „heute in einer neuen Position der Stärke“. Russland könne
       militärisch nicht gewinnen, zudem sei seine Wirtschaft angeschlagen. Mit
       der gebotenen Zurückhaltung sage er: „Erstmals kann sich hier langsam ein
       Fenster für die Diplomatie öffnen. Auch hier liegt eine Chance.“
       
       Mit Trump wolle man in Évian über jene Vorschläge sprechen, über die
       Deutschland, Frankreich und Großbritannien kürzlich in London mit Selenskyj
       beraten hätten, sagte der Bundeskanzler. Auch aus der EU kamen
       hoffnungsvolle Äußerungen. EU-Ratschef António Costa nannte das Treffen mit
       Trump am Genfersee möglicherweise wegweisend in den Bemühungen um ein Ende
       des Ukrainekrieges. „Die Geschlossenheit und Entschlossenheit der G7 sind
       entscheidend, um dazu beizutragen, diesen Krieg zu beenden und einen
       gerechten und dauerhaften Frieden zu erreichen.“
       
       Mit Spannung wird erwartet, wie sich Trump [4][zu den europäischen
       Forderungen] äußert, stärker in die Verhandlungen mit Moskau einbezogen zu
       werden. Bislang blieben sie bei direkten Gesprächen außen vor.
       
       ## Ziehen die G7 Konsequenzen aus Iran-Abkommen?
       
       Zweites großes Thema der Beratungen Trumps mit den übrigen Mitgliedern der
       hochkarätigen Runde in dem Luxushotel am Genfersee werden mögliche
       Konsequenzen aus dem Iran-Abkommen sein.
       
       Die Europäer bereiten sich schon länger auf eine Militärmission zur
       Sicherung der vom Iran blockierten Straße von Hormus vor. Die
       Bundesregierung hat die Bereitschaft zur Beteiligung etwa an der
       Minenräumung in dem Seeweg erklärt, diese aber unter anderem von einem
       Bundestagsmandat abhängig gemacht.
       
       ## Wer zur Unterzeichnung des Iran-Abkommens kommen könnte
       
       Trump schickt seinen Vize J.D. Vance zur Unterzeichnung des Iran-Abkommens
       in die Schweiz. Vance werde kommen, sagte der US-Präsident beim Treffen mit
       Macron auf eine Journalistenfrage. Trump ließ offen, ob er selbst in
       irgendeiner Weise beteiligt sein werde. Wer für Teheran kommen soll, blieb
       zunächst offen.
       
       Trump und J.D. Vance haben das entsprechende Dokument nach Angaben eines
       hochrangigen US-Regierungsbeamten bereits digital unterzeichnet. Von
       iranischer Seite habe der Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammed
       Bagher Ghalibaf unterschrieben. Aus Teheran gab es zunächst keine
       Bestätigung dafür.
       
       ## Katar und die Emirate bei Nahost-Debatte dabei
       
       Am Rande des Gipfels will sich Trump mit dem Emir von Katar, Tamim bin
       Hamad Al Thani, und dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate
       (VAE), Mohammed bin Sajid, treffen. Neben Israel sind unter anderem diese
       beiden Länder immer wieder von Iran mit Drohnen und Raketen angegriffen
       worden. Zudem sind sie massiv von der Blockade der für die weltweite
       Versorgung mit Öl und Gas wichtigen Straße von Hormus betroffen.
       
       Bei den G7-Beratungen zur Lage in Nahost soll neben dem Emir von Katar und
       dem Präsidenten der VAE auch Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi dabei
       sein. Die USA und Iran hatten sich nach wochenlangen Verhandlungen am
       Sonntag – dem 80. Geburtstag von Trump – auf das Abkommen verständigt. Über
       dessen Inhalt ist bisher nicht viel bekannt. Experten bewerteten den Deal
       als Zwischenschritt in einem diplomatischen Prozess mit noch vielen Hürden.
       
       16 Jun 2026
       
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