# taz.de -- Pride in Seoul: Vorreiter der Popkultur, bei LGBTQ-Rechten ganz hinten
> Zehntausende feiern bei Südkoreas größter Pride-Parade, ebenso viele sind
> bei einer Gegendemo. LGBTQ-Rechte stoßen in dem asiatischen Land
> weiterhin auf erbitterten Widerstand.
(IMG) Bild: Pride in Seoul: Gegendemo genauso groß
dpa | Wo wochentags Angestellte in gläserne Bürotürme eilen, hüllen an
diesem Samstagnachmittag mehr als 10.000 Menschen die Seouler Innenstadt in
ein buntes Farbenmeer. Beim Seoul Queer Culture Festival demonstrieren sie
mit Regenbogen-Flaggen und Protestbannern für die Rechte der
[1][LGBTQ-Community].
Seit dem Jahr 2000 findet der südkoreanische Ableger der Pride-Paraden
bereits in der Hauptstadt Seoul statt. Während des ersten Umzugs im Jahr
2000 kamen nur einige Dutzend Personen. Jetzt sind es Tausende.
Unter der gleißenden Junisonne bei 30 Grad ist die Stimmung sichtlich
ausgelassen: Auf einer Bühne tanzt eine Künstlergruppe in Drag-Kostümen, an
Dutzenden Ständen stellen zivilgesellschaftliche Organisationen ihre Arbeit
vor. Es werden auch kostenlos [2][HIV]-Tests ausgeteilt, Merchandise wird
verkauft.
„Ich bin heute gekommen, weil ich schwul bin und zum ersten Mal eine
Pride-Veranstaltung erleben wollte“, sagt ein 19-jähriger Koreaner, der
sich mit seinem englischen Spitznamen David vorstellt. „Südkorea ist nach
wie vor sehr konservativ“, meint der Universitätsstudent.
Während seiner Schulzeit seien seine Klassenkameraden offen homophob
gewesen, erst auf der Uni habe er ein verständnisvolles Umfeld
kennengelernt.
Auch wenn [3][Südkorea popkulturell als absolutes Vorreiterland] gilt, ist
es gesellschaftlich und in Sachen Schwule, Lesben, Transgender im Diskurs
sehr traditionell und fühlt sich ganz anders an als etwa die meisten
EU-Staaten.
## Homo-Feinde sprechen von Sünde oder Kommunismus-Instrument
Wie polarisiert die südkoreanische Gesellschaft beim Thema sexuelle
Minderheiten ist, zeigt sich auch an diesem Samstag. Nur wenige hundert
Meter von der Pride-Parade entfernt findet – wie jedes Jahr – eine von
christlichen Gruppen organisierte Gegendemo statt.
Über 10.000 Demonstranten haben sich vor dem Rathaus versammelt, wo sie zu
den Klängen von Kirchenliedern für ein „gesundes Korea“ werben.
Homosexualität ist in den Augen der Gegendemonstranten eine Sünde.
Laut einer OECD-Studie von 2020 gehört Südkorea neben Japan und der Türkei
zu den Schlusslichtern bei der rechtlichen Gleichstellung von
LGBTQ-Personen. Und seither dürfte sich wenig geändert haben.
## Seit Jahrzehnten wird ein Antidiskriminierungsgesetz blockiert
Nach wie vor kämpfen gleichgeschlechtlich liebende Koreanerinnen und
Koreaner sowie Transpersonen um ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz,
das sexuelle Minderheiten rechtlich schützt. Seit rund 20 Jahren wird ein
entsprechender Gesetzesentwurf in der südkoreanischen Nationalversammlung
blockiert.
Kein Präsident hat sich bislang an das Vorhaben gewagt – entweder aus
Überzeugung oder aber aus Angst, konservativ-christliche Wählerstimmen zu
verlieren.
Auch Ahn Chang Ho, Leiter von Südkoreas nationaler
Menschenrechtskommission, lehnt ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz
mit dem Verweis ab, es könne die Meinungsfreiheit einschränken.
In der Vergangenheit ist der ehemalige Richter, der 2024 vom konservativen
Ex-Präsidenten Yoon Suk Yeol berufen wurde, immer wieder durch homophobe
Aussagen aufgefallen. So bezeichnete er etwa Homosexualität als „zentrales
Instrument für eine kommunistische Revolution“.
## Deutsche Botschaft solidarisiert sich mit LGBTQ-Community
Unterstützung erhält Südkoreas LGBTQ-Gemeinschaft hingegen von insgesamt 20
vorwiegend europäischen Botschaftsvertretungen, die am Freitag eine
gemeinsame Solidaritätsbekundung veröffentlicht haben.
„Wir sind fest davon überzeugt, dass ein starkes Engagement gegen
Diskriminierung die nationale Stärke festigen und zugleich den
gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie die wirtschaftliche Entwicklung
voranbringen wird“, heißt es in der Erklärung, die auch von der deutschen
Botschaft unterzeichnet wurde.
Auffällig ist, dass die Stellungnahme nicht von der US-Botschaft geteilt
wurde. Im Gegensatz zu früheren Jahren hat die diplomatische Vertretung der
Vereinigten Staaten diesmal nicht an der Veranstaltung teilgenommen.
13 Jun 2026
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(DIR) Fabian Kretschmer
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