# taz.de -- Hass auf Frauen und Queers: In der Hauptstadt vernetzen sich die Antifeminist*innen
       
       > Der Soziologe Andreas Kemper erforscht antifeministische Netzwerke.
       > Berlin sieht er als zentralen Knotenpunkt dieser demokratieschädigenden
       > Bewegung.
       
 (IMG) Bild: Rechte Proteste gegen Pride-Paraden sind ein Zeichen für zunehmenden Antifeminismus – hier beim großen CSD in Berlin im Juli 2025
       
       Eine ganze Reihe von Akteur*innen treibt aus Berlin heraus den
       Antifeminismus voran. Es habe ihn selbst etwas überrascht, auf wie viele
       Vereine und Organisationen er gestoßen sei, die konkret in Berlin ansässig
       seien und hier agierten, sagt der Soziologe Andreas Kemper. Er hat in
       Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin (TU) und im Auftrag
       der Grünenfraktion im Abgeordnetenhaus in einer nun veröffentlichten Studie
       „Antifeminismus in Berlin“ untersucht.
       
       Mit [1][Antifeminismus beschäftigt Andreas Kemper sich schon lange]. „Ich
       hatte das bisher vor allem für ein Internet-Phänomen gehalten, das sich gar
       nicht so stark auf konkrete Orte herunterbrechen lässt“, sagt Kemper bei
       der Präsentation seiner Studie am Freitag im Abgeordnetenhaus. Dabei betont
       sowohl er als auch führende Politiker*innen der Grünen, dass
       Antifeminismus deutlich von Sexismus zu unterscheiden sei.
       
       Es handle sich um „eine Verteidigung patriarchaler Machtverhältnisse“, die
       sich nicht nur gegen Frauen, sondern auch gegen die LGBTIQ-Bewegung in
       Stellung bringe. „Was den Antifeminismus ausmacht, ist, dass er konkret
       versucht, Gesetzgebung zu beeinflussen und emanzipatorische
       Errungenschaften zurückzudrehen“, sagt Kemper. Im Antifeminismus kämen
       verschiedene ideologische Strömungen zusammen, es sei keine Ideologie an
       sich. „Wir beobachten aber, dass Akteur*innen oft über Diskurse oder
       Kampagnen zusammenfinden“, sagt Kemper. Antifeminismus sei daher auch eine
       sogenannte „Brückenideologie“, die verschiedene antidemokratische Tendenzen
       in der Gesellschaft verbinde.
       
       An drei Beispielen zeigt sich für Kemper der wachsende Einfluss
       antifeministischer Netzwerke. „Der Marsch fürs Leben ist in Berlin
       gleichbleibend groß. Dann hatten wir im vergangenen Jahr eine erfolgreiche
       Kampagne gegen die Kandidatur von Frauke Brosius-Gersdorf für das Amt als
       Verfassungsrichterin, die haben die in Berlin ansässigen „Apollo News“
       gestartet“, sagt Kemper. „Und auch die zunehmenden Angriffe auf
       Pride-Paraden und Anti-CSD-Aufmärsche auch in und um Berlin sind neu, noch
       vor ein paar Jahren waren CSDs durchweg friedliche Veranstaltungen“, sagt
       er. In Münster [2][war 2022 sogar ein Transmann am Rande des CSD
       totgeprügelt] worden.
       
       ## „Wokes Berlin“ als Hassobjekt
       
       Berlin gelte in der antifeministischen Bewegung geradezu als „wokes und
       queeres Hassobjekt“, sagt Kemper, der sich auf dabei auf einschlägige
       Einträge in einem indizierten „antifeministischen Hassportal“ beruft.
       Antifeministische Akteur*innen ordnet Kemper der religiösen Rechten, dem
       völkisch-nationalistischen Lager und neoliberal/rechtslibertären
       Initiativen zu. Diese schlössen sich teils zu Kampagnen oder Demos
       zusammen.
       
       Kemper nennt etwa die rechtslibertäre Hayek-Gesellschaft, die in Berlin
       sitzt, und aus der Apollo News hervorgegangen sei. Die Gesellschaft steht
       der AfD nahe und [3][hatte 2024 etwa Argentiniens Staatschef Javier Milei
       für seinen „Marktliberalismus“] ausgezeichnet. „Auch Beatrix von Storch
       kommt immer wieder vor“, sagt Kemper. Auch die AfD-Politikerin sei in der
       Hayek-Gesellschaft aktiv, sowie auch in religiösen, ultrakatholischen
       Gruppierungen.
       
       Auch [4][Falun Dafa/Falun Gong], ein weltweit operierendes rechtes
       religiöses Netzwerk, das Feminismus und Homosexualität ablehnt, ist in
       Berlin verankert. Aufführungen ihrer Tanz-Varieté-Show Shen Yun in der
       Deutschen Oper seien sogar mit öffentlichen Geldern gefördert worden, sagt
       Kemper. „Und zu Falun Dafa gehört Epoch Times, das weltweit größte
       rechtspopulistische Internetmagazin“, erklärt er.
       
       Für weit weniger bedeutsam als solche Akteur*innen schätzt er den
       Einfluss durch Islamismus und Salafismus ein. Auch dort gäbe es
       antifeministische Einstellungen, „aber diese Akteure haben wenig Einfluss
       in Regierungskreise“, sagt Kemper. Es sei trotzdem wichtig, sie zu
       beobachten.
       
       ## Mehr Transparenz und Schutz der Zivilgesellschaft
       
       Ein Monitoring und Transparenz, das sind zwei der zentralen
       Handlungsempfehlungen aus der Studie. „Deutschland ist ein schwarzes Loch,
       was antifeministische Finanzierung angeht“, sat Kemper. Selbst in Russland
       gäbe es im Vergleich mehr Infos über Geldflüsse. Hier müsse die Politik
       dringend Bedingungen schaffen, unter denen die Gelder etwa von Vereinen
       besser nachvollzogen werden könnten. Auch sei [5][die Arbeit von
       Meldestellen] unerlässlich. Es sei außerdem wichtig, die Justiz zu
       sensibilisieren, in der antifeministische Akteur*innen [6][die
       Pseudo-Idee des „Parental Alienation Syndrom“], dt. angebliche
       „Eltern-Kind-Entfremdung“ teils erfolgreich verankerten.
       
       Es sei außerdem wichtig, in der Lehrer*innenausbildung für das Thema
       zu sensibilisieren, Forschung dazu auszubauen, politische Bildung zu
       stärken und die Zivilgesellschaft zu schützen. Die Grünen wollen da direkt
       ansetzen. In einem Antrag an das Abgeordnetenhaus fordern sie Schulungs-
       und Fortbildungsprogramme zu Antifeminismus, etwa auch für Richter*innen,
       sie fordern den Schutz von zivilgesellschaftlichen Institutionen – etwa
       über das Demokratiefördergesetz – und sie fordern Konsequenzen für die
       Sicherheitsbehörden.
       
       Der Verfassungsschutz etwa müsse Antifeminismus als Kriterium verankern, um
       entsprechende Akteur*innen dann auch zu beobachten, sagt Bahar
       Haghanipour, Sprecherin für Frauenpolitik und Gleichstellung der
       Grünenfraktion. Haghanipour hatte die Studie mit in Auftrag gegeben, und
       zeigte sich selbst überrascht von den Ergebnissen. „Ein Großteil der
       Akteure war auch mir nicht geläufig“, sagt sie bei der Präsentation der
       Studienergebnisse. Antifeminismus greife „zentrale Werte der Demokratie“
       an.
       
       Soziologe Andreas Kemper betont auch noch mal, wie lohnenswert die
       Perspektive auf Berlin am Ende war. „Man kann auf lokaler Ebene schauen,
       wie Antifeminismus sich vernetzt und verstärkt“, und solche Erkenntnisse
       seien wichtig für Gegenstrategien. Er könne sich gut vorstellen, ähnliche
       Studien auch mit Blick auf andere Städte oder sogar ländliche Gegenden
       anzufertigen, sagt er.
       
       8 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Getoeteter-trans-Mann-Malte-C/!5876441
 (DIR) [3] /Libertaere-zeichnen-Javier-Milei-aus/!6015445
 (DIR) [4] /Sekte-oder-Meditationsgruppe/!527540/
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