# taz.de -- SpaceX geht an die Börse: Ein Imperium wie zu Kolonialzeiten
       
       > Elon Musks SpaceX steigt zu den wertvollsten Konzernen auf. Das
       > zementiert ein Monopol im All, das selbst Washington kaum noch
       > kontrollieren kann.
       
 (IMG) Bild: SpaceX in der Tradition der East India Company
       
       Der größte Börsengang der Geschichte krönt kein Unternehmen, sondern ein
       Imperium. Ab Freitag wird SpaceX an der Börse gehandelt, und auf einen
       Schlag zählt Elon Musks Raumfahrtkonzern zu den zehn wertvollsten
       US-Unternehmen. Möglich wurde das auch, weil der Index Nasdaq-100 für ihn
       eigens seine Regeln änderte und die Fusion mit seiner KI-Firma xAI die
       Bewertung kräftig aufpumpte.
       
       Dabei wäre SpaceX auch ohne KI-Erzählung ein Gigant. Er beförderte 2025
       rund 75 Prozent der weltweiten Nutzlast ins All, im US-Markt 94 Prozent.
       Die Nachfrage schafft er sich selbst: Fast drei Viertel der Starts gelten
       den eigenen Starlink-Satelliten, die satellitenbasiertes Internet
       bereitstellen. Eine Studie der Universität Cambridge zeigt, dass nicht
       einmal die Britische Ostindien-Kompanie auf dem Höhepunkt des
       Kolonialhandels einen solchen Anteil an ihrer Route hielt.
       
       Wie die Handelskompanien des 17. Jahrhunderts operiert SpaceX dort, wo
       staatliche Autorität kaum hinreicht, großgezogen mit Staatsaufträgen und
       längst mächtiger, als es seinem Souverän lieb sein kann. Als Trump im
       Sommer 2025 drohte, die Aufträge zu entziehen, drohte Musk zurück, die
       Dragon-Kapsel stillzulegen, den einzigen Zugang [1][amerikanischer
       Astronauten zur Raumstation]. Die USA hängen von SpaceX ab wie SpaceX von
       ihnen. Europa ohnehin, das immer wieder mit Musks Falcon-Raketen startet
       und im All nicht autonom agieren kann.
       
       Was tun mit einem Konzern, der kritische Infrastruktur kontrolliert und in
       einem Raum operiert, der laut Weltraumvertrag allen gehört? [2][Dass aus
       Orbits und Frequenzen Kapitalanlagen werden], deren Kurs Aktionäre nun
       handeln, spielt in den Debatten bislang kaum eine Rolle. Ein Ausweg wäre
       die Vergesellschaftung: Infrastruktur, die alle brauchen, gehört in
       Gemeineigentum, nicht ins Depot.
       
       Die Finanz- und [3][Gründerwelt feiert Musk] derweil als Börsenkönig. Als
       wäre derselbe Mann nicht Führungsfigur eines transnationalen,
       rechtsextremen Netzwerks. Die Ostindien-Kompanie wurde erst entmachtet, als
       die Kosten ihrer Macht nicht mehr zu übersehen waren. So weit muss es
       diesmal nicht kommen.
       
       11 Jun 2026
       
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