# taz.de -- Geplante Besiedlung des Monds: US-imperialer Außenposten im Weltraum
> Die Nasa lässt ihre geplante riesige Mondbasis von Privatfirmen bauen.
> Was als Dienst an der Menschheit verkauft wird, ist von amerikanischen
> Machtinteressen geleitet.
(IMG) Bild: Die Rückkehr zum Mond ist keine staatliche Mission mehr, sondern ein Mark
Wenn es nach der Nasa geht, [1][wird der Mond eine Art galaktischer
Außenposten der USA]. Am Dienstag stellte die US-Raumfahrtbehörde die
ersten Aufträge für ihre geplante Basis am lunaren Südpol vor, verteilt auf
private Firmen, in drei Phasen bis über 2032 hinaus.
Blue Origin, die Firma von Amazon-Gründer Jeff Bezos, soll ab Herbst die
ersten Nutzlasten zum Mond bringen. Nasa-Chef Jared Isaacman feiert das als
„erste privat finanzierte Mondlandemission der Geschichte“. Astrobotic und
Intuitive Machines folgen mit weiteren Landern, die Konsortien um Astrolab
und Lunar Outpost bauen für je rund 220 Millionen Dollar die Mondautos,
Firefly liefert hüpfende Erkundungsdrohnen.
Später sollen ein Atomreaktor und bewohnbare Module dazukommen. Und während
die Behörde noch baut, ist der kommerzielle Mond längst gebucht: Prada
entwirft Raumanzüge, Axiom Space plant die private Nachfolgerin der
Internationalen Raumstation ISS samt Hoteltrakt, und das Unternehmen GRU
Space nimmt schon Reservierungen für ein Mondhotel entgegen.
[2][Die Rückkehr zum Mond] ist keine staatliche Mission mehr, sondern ein
Markt. Kommerzialisierung und Privatisierung greifen ineinander, und beides
folgt einer alten, imperialen Logik: erst aneignen, dann aufteilen, dann
verwerten. Der juristische Boden dafür ist längst bereitet. Der
Weltraumvertrag von 1967 verbietet zwar, sich Himmelskörper anzueignen –
aber Washington hat die Auslegung in einem Abkommen und nationalen Gesetzen
längst umgedeutet.
Im Artemis-Abkommen, das inzwischen mehr als sechzig Staaten unterzeichnet
haben, gilt der Abbau von Rohstoffen ausdrücklich nicht als Aneignung.
Nationale Gesetze von den USA bis Luxemburg erlauben Privateigentum an dem,
was im All gefördert wird. Die „Sicherheitszonen“ des Artemis-Abkommens,
die Aktivitäten vor Störung schützen sollen, seien nichts anderes [3][als
die Vorstufe zum Grundeigentum], argumentiert die Völkerrechtlerin Isabel
Feichtner. Auch der Wirtschaftsbericht des US-Präsidenten von 2021 versteht
sie als Mittel zur Sicherung von Eigentumsrechten – und vergleicht sie mit
Stacheldraht, mit dem man Land absteckt und sichert. Sprich: Landnahme, im
Wortsinn.
Die Sprache, mit der die Nasa amerikanische Machtinteressen zum Dienst an
der Menschheit verklärt, ist fast 70 Jahre alt und ebenso lange
durchschaubar. Bemerkenswert ist die Wendung: Einst war die Menschheit der
Grund, warum niemand den Weltraum besitzen durfte. Heute ist sie die
Begründung dafür, dass einige wenige es versuchen.
27 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Enno Schöningh
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