# taz.de -- CDU-Fördergeldaffäre: Der große Showdown
> Ex-Kultursenator Joe Chialo (CDU) soll im Untersuchungsausschuss
> aussagen. Die CDU-Abgeordneten Christian Goiny und Dirk Stettner müssen
> erneut antanzen.
(IMG) Bild: Die Opposition hofft darauf, dass mit seiner Aussage im Untersuchungsausschuss der große Durchbruch gelingt: Ex-Senator Joe Chialo
Wird das der entscheidende Durchbruch? Wenn ab 10 Uhr der
Untersuchungsausschuss „Fördergeld“ des Abgeordnetenhauses tagt, erwartet
zumindest die Opposition aufklärende Worte von Joe Chialo. Im Festsaal in
der dritten Etage des Parlaments soll der im Mai 2025 zurückgetretene frühe
Kultursenator von der CDU seine Sicht auf die umstrittene Fördergeldvergabe
für Projekte gegen Antisemitismus schildern – und möglichst auch, welchen
Einfluss CDU-Abgeordnete darauf nahmen.
Chialo hätte schon in der vorigen Sitzung am 29. Mai erscheinen sollen. Das
aber geschah nicht. Ein parlamentarischer U-Ausschuss hat zwar quasi
staatsanwaltschaftliche Befugnisse, ist aber auch an Fristen gebunden. Die
dafür zuständige Senatskanzlei jedoch hatte die Einladung an Chialo falsch
adressiert, sodass sie ihn zu spät erreichte und der Ex-Senator für den
Sitzungstag Reisepläne hatte.
Kritiker wie Ausschussmitglied Daniel Wesener (Grüne) sahen darin kein
Versehen, sondern [1][warfen der CDU-geführten Regierungszentrale
Verschleppung vor]. Laut Regierungschef Kai Wegner (CDU) war dafür hingegen
ein Fehler in den verwaltungsinternen Abläufen in der Senatskanzlei
verantwortlich, den er „sehr bedauerlich“ nannte.
Kern der Fördergeldaffäre ist ein 3,4 Millionen Euro schwerer Extratopf zur
Förderung von Projekten gegen Antisemitismus. Bei dem drängten vor allem
der Chef der CDU-Fraktion, Dirk Stettner, und ihr haushaltspolitischer
Sprecher, Christian Goiny, die erst von Chialo, dann von seiner
Nachfolgerin Sarah Wedl-Wilson geführte Kulturverwaltung auf bestimmte, von
ihnen ausgesuchte Empfänger. Auch diese beiden werden heute im Ausschuss
erneut befragt. Bei ihrem ersten Auftritt hatten beide den Vorwurf
unzulässiger Einflussnahme auf die Vergabe von Fördermitteln für Projekte
gegen Antisemitismus zurückgewiesen.
Wedl-Wilson trat im Zuge der Affäre zurück. Sie bat am 24. April um
Entlassung. Tags zuvor war ein Bericht des Landesrechnungshofs bekannt
geworden, der [2][die Vergabepraxis bei den Fördermitteln „evident
rechtswidrig“] nannte.
## Exsenatorin Wedl-Wilson hat Aussage verweigert
In der jüngsten Sitzung des U-Ausschusses Ende Mai mochte Wedl-Wilson keine
Fragen der Abgeordneten beantworten. Nach einem Eingangsstatement verwies
die Ex-Senatorin, die zuvor unter Chialos Führung Staatssekretärin war, auf
eine Strafanzeige im Zusammenhang mit der Mittelvergabe und verwies auf ihr
Auskunftsverweigerungsrecht.
Regierungschef Wegner selbst will von der CDU-Liste für ausgesuchte
Förderprojekte erst aus den Medien erfahren haben. Das war von ihm gleich
[3][in zwei Fragestunden des Parlaments zu hören], zuletzt am 21. Mai. Die
Grünen-Fraktion legte anschließend nahe, dass das nicht stimmen könnte.
Dazu hofften sie auch auf die Aussage von Chialo.
11 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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