# taz.de -- U-Ausschuss CDU-Fördergeldaffäre: Wedl-Wilson will nicht reden
> Die Ex-Kultursenatorin verweigert nach einem Statement weitere Aussagen.
> Der geschasste Staatssekretär Friederici betont das rechtsstaatliche
> Handeln der Verwaltung.
(IMG) Bild: Sarah Wedl-Wilson und ihr Anwalt im Untersuchungsausschuss
Die im April [1][zurückgetretene ehemalige Kultursenatorin Sarah
Wedl-Wilson] hat bei ihrer Zeugenvernehmung im Untersuchungsausschuss zur
[2][CDU-Fördergeldaffäre] die Beantwortung von Fragen verweigert. Nach
einem Eingangsstatement verwies Wedl-Wilson auf eine Strafanzeige gegen sie
im Zusammenhang mit der [3][rechtswidrigen Vergabe] der 3,4 Millionen Euro
für Projekte gegen Antisemitismus und pochte auf ihr
„Auskunftsverweigerungsrecht“.
Der Ausschuss um die Vorsitzende Manuela Schmidt (Linke), aber auch
Abgeordnete von CDU, Grünen und SPD teilten dagegen die Auffassung nicht,
dass Wedl-Wilson dieses Recht unbeschränkt zusteht. Wiederholt drangen sie
darauf, dass die Ex-Senatorin zumindest Nachfragen zu ihren einleitenden
Worten beantwortet. „Ich wiederhole mich“, sagte Wedl-Wilson dann und
lehnte jedwede Antwort ab – ohne Gründe dafür zu nennen. Nicht nur Schmidt
zeigte sich davon „enttäuscht“.
Zu Beginn der Sitzung hatte Wedl-Wilson die von ihr bewilligte
Mittelvergabe an ein Dutzend Projekte gegen den Widerstand der
Kulturverwaltung verteidigt. „Die politische Entscheidung, diese Mittel
einzusetzen, war wichtig und notwendig“. Es stünde „außer Frage“, dass
jedes einzelne geförderte Projekt dem Ziel der Bekämpfung des
Antisemitismus „gerecht geworden ist“, so Wedl-Wilson. Tatsächlich liegen
die Verwendungsnachweise, die dies bestätigen könnten, bislang nicht vor.
Die damalige Einschätzung der Verwaltung, die große Zweifel an der
Förderfähigkeit der von den CDU-Abgeordneten Christian Goiny und Dirk
Stettner ausgewählten Projekte hatte, habe ihr „vorgelegen“, sie aber
„gewundert“. Sie begründete ihre Entscheidung zudem mit den Förderzusagen,
die ihr Amtsvorgänger Joe Chialo (CDU) bereits gegeben hatte, sowie mit dem
„politischen Willen des Abgeordnetenhauses“, den sie umsetzen wollte. Der
Grünen-Abgeordnete Daniel Wesener verwies jedoch darauf, dass die
Abgeordneten keine Kenntnis von der Projekteliste hatten.
## Kaum Selbstkritik
Richtig sei, laut Wedl-Wilson, „dass die Umsetzung der Entscheidung
retrospektiv betrachtet sehr kritisch gesehen wird“. Auch habe sie selbst
den Rechnungshof um Prüfung der Vorgänge gebeten und nach dessen Bericht,
der die ganze Vergabe als rechtswidrig einstufte, schließlich die
Verantwortung übernommen, auch „für Vorkommnisse, die nicht in meiner
Verantwortung lagen“.
Wenige Tage vor ihrem Rücktritt hatte sie noch den zuständigen
[4][Kultur-Staatssekretär Oliver Friederici] entlassen, ohne dass diesem
konkretes Fehlverhalten vorgeworfen wurde. Wedl-Wilson verteidigte die
Maßnahme als konsequentes Vorgehen, um Handlungsempfehlungen des
Rechnungshofes umzusetzen. Dafür hätte es „den besten und erfahrensten
Verwaltungsmann“ gebraucht – gemeint ist Friedericis Nachfolger Alexander
Straßmeir.
## Friedrici verteidigt Verwaltung
Friederici selbst trat im Anschluss an Wedl-Wilson vor den Ausschuss und
wies Anschuldigungen, die insbesondere die [5][CDU-Abgeordneten Goiny und
Stettner gegen die Kulturverwaltung erhoben hatten], zurück. Es habe dort
„weder Saboteure noch Antisemiten“ gegeben, der Vorwurf, die Verwaltung
habe die Bekämpfung von Antisemitismus verhindern wollen, sei
„unzutreffend“. Insbesondere Goiny hatte mit dieser Begründung sowohl die
Zusammenstellung der Projektliste gerechtfertigt als auch seinen Druck auf
die Senatorin, diese auch gegen fachliche Bedenken zu genehmigen.
Friederici zufolge haben die Verwaltungsmitarbeiter:innen und er
selbst auf „rechtsstaatliche Prinzipien“ bestanden. Auch bei dem wichtigen
politischen Ziel der Antisemitismusbekämpfung „heiligt der Zweck nicht die
Mittel“. Er habe die Projekte „bewusst nicht gezeichnet“ und dabei die
Position der Verwaltung vertreten. Gegenüber Chialo habe er auf der
Notwendigkeit der inhaltlichen Prüfung der Projekte bestanden – daraufhin
war ihm im April vergangenen Jahres die Zuständigkeit für den Vorgang
entzogen worden.
Friederici betonte, dass der Senat der Kulturverwaltung mit der Übertragung
der Zuständigkeit für Antisemitismus zu wenig Stellen zur Verfügung
gestellt hatte. Deshalb habe er sich stets dafür eingesetzt, die Vergabe
der Fördergelder – jeweils 10 Millionen in den Jahren 2024 und 2025 – durch
ein Jury-Verfahren auszuweiten. Gegenüber Chialo und Wedl-Wilson konnte er
sich damit aber nicht durchsetzen. Erst in diesem Jahr wird ein Großteil
der Fördergelder durch eine Fachjury vergeben, die Mittel gab der
Hauptausschuss vor zwei Wochen frei.
Der ehemalige Senator Joe Chialo soll am 11. Juni vor dem
Untersuchungsausschuss aussagen. Ursprünglich war sein Erscheinen für
diesen Freitag anberaumt worden. [6][Doch eine verspätete Ladung und
Chialos Unwillen, sich für einen öffentlich kursierenden Termin
bereitzuhalten, hatten dies verhindert]. Auch die beiden Abgeordneten
Stettner und Goiny, die bereits aussagten, sollen aufgrund von
Widersprüchen und dem danach vorgelegten Bericht des Rechnungshofes [7][ein
weiteres Mal einbestellt werden].
29 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Berliner-CDU-Foerdergeldaffaere/!6173621
(DIR) [2] /CDU-Foerdergeldaffaere/!t6127447
(DIR) [3] /CDU-Foerdergeldaffaere-in-Berlin/!6173274
(DIR) [4] /CDU-Foerdergeldaffaere-in-Berlin/!6172665
(DIR) [5] /CDU-Foerdergeldaffaere-in-Berlin/!6171200
(DIR) [6] /CDU-Foerderaffaere/!6180453
(DIR) [7] /CDU-Foerdergeldaffaere/!6181574
## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
## TAGS
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
(DIR) Untersuchungsausschuss
(DIR) Sarah Wedl-Wilson
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
(DIR) Kulturpolitik
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kulturförderung in Berlin: Die Kunst des fairen Verfahrens
Mit einem Gutachten zum Kulturfördergesetz wollen die Grünen die Freiheit
der Kunst stärken. Es geht um transparente Verfahren und gleiche Chancen.
(DIR) CDU-Förderaffäre: Versehen oder Verschleppung?
Ex-Kultursenator Joe Chialo (CDU) sollte Ende Mai im Untersuchungsausschuss
aussagen. Doch die Senatskanzlei verschickte die Einladung zu spät.
(DIR) Berliner Kulturpolitik: Kultur könn'se nich
Die CDU pflegt ein Kulturverständnis, das nicht zur Stadt passt, wie der
Rücktritt von Sarah Wedl-Wilson beweist. Die Berliner Szene ist entsetzt.
(DIR) Berliner CDU-Fördergeldaffäre: Kultursenatorin Wedl-Wilson tritt zurück
Die Kritik des Rechnungshofs an ihr fiel vernichtend aus: Fünf Monate vor
der Wahl zum Abgeordnetenhaus zieht Wedl-Wilson die Konsequenzen.