# taz.de -- CDU-Förderaffäre: Versehen oder Verschleppung?
> Ex-Kultursenator Joe Chialo (CDU) sollte Ende Mai im
> Untersuchungsausschuss aussagen. Doch die Senatskanzlei verschickte die
> Einladung zu spät.
(IMG) Bild: Ex-Senator und CDU-Bundesvorstandsmitglied Joe Chialo wird nicht zur Sitzung des Untersuchungsausschusses zur Fördergeldaffäre kommen
Die Aufarbeitung der Fördergeldaffäre in der Senatsverwaltung für Kultur
droht sich zu verzögern. Grund ist, dass Ex-Kultursenator Joe Chialo wegen
einer offenbar fehlerhaften Einladung nicht wie geplant Ende Mai [1][im
Untersuchungsausschuss zu der Affäre] aussagen wird. Nach Medienberichten
ist Chialo an jenem Tag zu fest vereinbarten Terminen in Lagos in Nigeria.
Oppositionspolitiker hielten der von der CDU geführten Senatskanzlei vor,
die Arbeit des Ausschusses zu boykottieren.
Der Untersuchungsuasschuss hat zwar quasi staatsanwaltschaftliche
Befugnisse, und geladene Zeugen müssen zu seinen Sitzungen erscheinen. Das
ist jedoch an eine fristgerechte Einladung 14 Tage zuvor gebunden. Die aber
erreichte Chialo offenbar erst am 18. Mai – erscheinen sollte er am 29.,
nächste Woche Freitag. Die Senatskanzlei ist den Berichten zufolge deshalb
beteiligt, weil das zuständige Ausschussbüro im Abgeordnetenhaus sie mit
der Einladung beauftragte. Laut Spiegel ist Chialo seit Dienstag unterwegs
und will am 31. Mai zurückreisen.
Grünen-Ausschussmitglied Daniel Wesener sieht eine Verschleppung, für die
der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) die Verantwortung trage. Eine
Senatssprecherin hingegen stellte es gegenüber dem RBB so dar, dass es ein
Versehen gewesen sei. „Es ist leider ein Fehler in den verwaltungsinternen
Abläufen in der Senatskanzlei passiert, der zu einer verzögerten
Zeugenladung führte“, wird die Sprecherin zitiert. Der Fehler sei „sehr
bedauerlich“ und werde nun intern aufgearbeitet.
Unabhängig von der Fristenfrage zeigte sich die Ausschussvorsitzende
Manuela Schmidt (Linke) enttäuscht von Chialo. Dem hätte aus ihrer Sicht
klar sein müssen, dass der Ausschuss Ende Mai tagt, er mutmaßlich geladen
werden würde und es darum nahe gelegen hätte, sich diesen Tag frei zu
halten. „Ich bedaure, dass der Senator a. D. und Mitglied des
Bundesvorstands der CDU den Ausschuss und dessen Untersuchungsgegenstand
nicht ernst zu nehmen scheint“, wird Schmidt vom RBB zitiert. Chialos
Anwalt stellt das laut Spiegel anders dar: Demnach wäre der Ex-Senator
„gern zu diesem Termin gekommen“.
## Abschlussbericht könnte später kommen
Ausschusschefin Schmidt befürchtet nun Verzögerungen. Dadurch könnte der
Abschlussbericht des Ausschusses erst nach der Sommerpause vorliegen. Die
letzte Plenarsitzung des Parlaments davor ist am 2. Juli, die erste danach
am 27. August.
Kern der Fördergeldaffäre ist ein über 3 Millionen Euro schwerer Extratopf
zur Förderung von Projekten gegen Antisemitismus. Bei dem drängten
CDU-Abgeordnete die erst von Chialo, dann von der parteilosen, aber von der
CDU benannten vormaligen Staatssekretärin Sarah Wedl-Wilson geführten
Kulturverwaltung auf bestimmte, von ihnen ausgesuchte Empfänger.
Chiallo [2][war im Mai 2025 von seinem Amt zurückgetreten]. Wedl-Wilson
[3][bat vor knapp vier Wochen um ihre Entlassung] – der Landesrechnungshof
hatte zuvor die Vergabe der Mittel als „evident rechtswidrig“ bezeichnet.
Für Kultur ist seither im Senat [4][in einer Doppelrolle Finanzsenator
Stefan Evers (CDU) zuständig].
20 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /CDU-Foerdergeldaffaere/!6158509
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(DIR) [3] /Berliner-CDU-Foerdergeldaffaere/!6173621
(DIR) [4] /Finanzsenator-wird-auch-Kultursenator/!6175078
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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