# taz.de -- Debatte im Abgeordnetenhaus: Wiedersehen im Streit
> Bei der ersten Parlamentssitzung nach der Sommerpause gehen die Deutungen
> über die CDU-Förderaffäre genauso weit auseinander wie davor.
(IMG) Bild: Für Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf war Kai Wegner bei der Parlamentssitzung auch nach dessen Absturz nicht persona non grata
Es hat sich binnen acht Wochen viel verändert in der Berliner
Landespolitik, als Parlamentspräsidentin Cornelia Seibeld (CDU) am
Donnerstagmorgen die erste Sitzung [1][nach der Sommerpause] eröffnet. Der
Regierungschef ist nun nicht mehr CDU-Spitzenkandidat und die Linkspartei
führt die Umfragen für die Wahl am 20. September an. Gleich geblieben aber
sind die Haltungen zur CDU-Fördergeldaffäre: In der Debatte um den
Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses dazu liegen Opposition und
die schwarz-rote Koalition weit auseinander.
„Untersuchung der Vergabe von öffentlichen Projektfördermitteln aus dem
Haushaltsplan 2024/25“ war offiziell das überschrieben, was der Ausschuss
seit Jahresbeginn untersuchte und was den Abgeordneten an diesem Morgen
[2][als Drucksache 19/3450] vorliegt. 82 Stunden sollen es genau gewesen
sein, hören sie von der Ausschussvorsitzenden Manuela Schmidt (Linke).
Die bringt den schier einzigen Konsens auf den Punkt: dass man sich einig
gewesen sei, dass das millionenschwere Vergabeverfahren für Gelder zur
Bekämpfung von Antisemitismus rechtswidrig war. Der [3][Landesrechnungshof
hatte im April] nach einer Prüfung von „evident rechtswidrig“ gesprochen.
Förderanträge seien ohne inhaltliche Prüfung bewilligt worden.
Uneinig war man sich jedoch laut Schmidt darüber, ob und wie Einfluss auf
die Mittelvergabe genommen wurde. Auch in der Rederunde hieß
CDU-Ausschussmitglied Stephan Lenz das viel kritisierte Drängen vor allem
seines Fraktionskollegen Christian Goiny zur Bewilligung von Geldern durch
die Kulturverwaltung inhaltlich gut. Er räumte bloß ein, Nachrichten Goinys
[4][an die damalige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson] seien „sicher nicht
respektvoll“ gewesen. Auf die Umsetzung parlamentarischer Beschlüsse zu
drängen, hielt er aber für eine wichtige Aufgabe eines Abgeordneten.
## Drei namhafte Abschiede
Das sah sogar Mathias Kollatz vom Koalitionspartner SPD anders, der sehr
verwaltungserfahrene Ex-Finanzsenator und frühere Vizepräsident der
Europäischen Investitionsbank. Die Grenzen des Zulässigen hielt er für
überschritten, „wenn Abgeordnete sich an die Stelle der Verwaltung setzen“.
Man solle auch nicht den Fehler begehen, zu meinen, „dass alles, was nicht
strafbar ist, gut ist“.
Diese Worte klangen nicht bloß nach Abschiedsworten, sie sind es auch:
Kollatz kandidiert nicht erneut fürs Abgeordnetenhaus. Auch
Grünen-Ausschussmitglied Daniel Wesener, der das Drängen Goinys und
Stettners erneut hart kritisiert, scheidet aus, genauso wie nach 15 Jahren
die Linkspartei-Politikerin Schmidt. Die verabschiedete sich mit einem
Wunsch: „Machen Sie's gut, und machen Sie's besser.“
28 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Plenarsitzung-des-Abgeordnetenhauses/!6192807
(DIR) [2] https://www.parlament-berlin.de/adosservice/19/IIIPlen/vorgang/d19-3450.pdf
(DIR) [3] https://www.berlin.de/rechnungshof/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung.1663943.php
(DIR) [4] /Interne-Chats-in-CDU-Foerdergeldaffaere/!6169442
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
## TAGS
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
(DIR) Abgeordnetenhaus
(DIR) Antisemitismus
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre: Hartes Urteil von Linken und Grünen
Die Opposition fügt dem Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses ein
Sondervotum hinzu. Darin werden die verantwortlichen CDU-Politiker nicht
geschont.
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre in Berlin: Mildes Urteil von CDU und SPD
Die Regierungsfraktionen kritisieren im Abschlussbericht des
Untersuchungsausschusses vor allem die Verwaltung – und nehmen die
Verantwortlichen der CDU in Schutz.
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre: Der große Showdown
Ex-Kultursenator Joe Chialo (CDU) soll im Untersuchungsausschuss aussagen.
Die CDU-Abgeordneten Christian Goiny und Dirk Stettner müssen erneut
antanzen.