# taz.de -- Kreuzverhör im Abgeordnetenhaus: Wegner weist Vorwürfe zurück
> Von der viel kritisierten CDU-Fördergeldliste für Projekte gegen
> Antisemitismus will der Regierungschef weiterhin erst aus den Medien
> erfahren haben.
(IMG) Bild: Fragen zur CDU-Fördergeldaffäre: Kai Wegner (CDU) bestreitet, von einer Liste gewusst oder auf Fristversäumnis gedrängt zu haben
Regierungschef Kai Wegner (CDU) bleibt dabei, von einer CDU-Liste zu
fördernder Projekte gegen Antisemitismus erst aus den Medien erfahren zu
haben. „Ja“, antwortete Wegner knapp auf eine Frage der AfD-Fraktion dazu
in der Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. Ebenso kurz fiel mit „Nein“
die Antwort auf die Nachfrage aus, ob der Regierungschef sich dazu die
entsprechenden Akten angeschaut habe.
Grundlage für die Frage war eine Aussage Wegners im Parlament vor zwei
Wochen. Da hatten die Grünen in der Fragestunde vor zwei Wochen von Wegner
wissen wollen, wann er von der CDU-Liste erfahren habe, die auch Gegenstand
eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses ist. [1][Damals antwortete
Wegner]: „Ich kenne keine Liste, die mir vorgelegt wurde. Die hatte ich
nicht, und ich kenne sie nicht.“ Nur über die Medien wollte er davon
erfahren haben.
„Schauen Sie mal in die Akten, da steht anderes“, schallte es da sofort aus
der Grünen-Fraktion von Daniel Wesener zurück, dem Obmann der Fraktion im
Untersuchungsausschuss. Wesener hakte auch an diesem Donnerstag bei der
Frage der AfD-Fraktion nach und wollte von Wegner wissen: „Haben Sie eine
Erinnerung daran, wann Sie mit einem Projekt [2][der Stettner-Goiny-Liste]
(gemeint sind die in der Affäre zentralen CDU-Abgeordneten; Anm. d. taz)
befasst waren?“ Auch hier verneinte Wegner – weil er ja die Liste gar nicht
gekannt habe.
Wesener und andere hoffen auf mehr Aufklärung in der nächsten Sitzung des
Untersuchungsausschusses, die am 29. Mai angesetzt ist. Befragt werden
sollte dort auch Ex-Kultursenator Joes Chialo, der Vorgänger [3][der Mitte
April gleichfalls zurückgetretenen Ressortchefin Sarah Wedl-Wilson]. Wegen
einer nicht eingehaltenen Ladungsfrist ist das jedoch nicht möglich, weil
Chialo, von Hause aus Musikmanager, sich zu jenem Zeitpunkt beruflich in
Afrika aufhalten soll. Die Ladung war nicht an ihn direkt, sondern an die
früher von ihm geleitete Senatsverwaltung gegangen.
## Grüne sehen bei Wegner kein Bedauern
In einer Antwort auf eine andere Frage der Fragestunde wies der
Regierungschef Vorwürfe zurück, seine für die nicht fristgerechte Einladung
Chialos verantwortliche Senatskanzlei hätte bewusst zu spät eingeladen.
Wesener hatte nahe gelegt, es sei darum gegangen, die Arbeit des
Untersuchungsausschusses zu boykottieren und die Aufklärung zu
verschleppen. Die Frage der Grünen legte nahe, die Senatskanzlei habe ein
Aufeinandertreffen von Chialo und Wedl-Wilson im Ausschuss verhindern
wollen.
Die Vorwürfe seien „absolut konstruiert“, sagte Wegner im Plenarsaal in
Richtung des Grünen-Abgeordneten Wesener. Als Argument führte der
Regierungschef an, Vorgänge wie eine Einladung würden die Leitungsebene gar
nicht erreichen, wodurch er eine Einflussnahme ausgeschlossen sah. Laut
Wegner, „kam es zu einem Fehler in den internen Verwaltungsabläufen“. Das
sei nicht nur bedauerlich, „das ist auch ärgerlich“, sagte er.
Nach Konsequenzen befragt, antwortete Wegner: „Jeder Mitarbeiter, jede
Mitarbeiterin darf einen Fehler machen, auch wenn er ärgerlich ist.“
Grünen-Politiker Wesener vermochte in einem Zwischenruf in den Worten des
Regierungschefs kein Bedauern über die nicht fristgerechte Einladung
erkennen.
21 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/protokoll/plen19-085-pp.pdf
(DIR) [2] /Gefoerderte-Antisemitismusprojekte/!6127489
(DIR) [3] /Berliner-CDU-Foerdergeldaffaere/!6173621
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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