# taz.de -- Kabinett beschließt Bafög-Reform: Besser spät als nie
> Nach monatelangem Hin und Her beschließt die Koalition eine Bafög-Reform.
> Die SPD sieht noch Verbesserungsbedarf – und setzt auf den Bundestag.
(IMG) Bild: Studierende an der Freien Universität in Berlin
Die gute Nachricht zuerst: Die Bafög-Reform hat die nächste Hürde genommen.
Am Mittwoch einigte sich das Bundeskabinett auf eine Novellierung, die
einige Verbesserungen für Studierende vorsieht. Allen voran die
schrittweise Erhöhung der Bafög-Sätze von derzeit 475 Euro auf
Grundsicherungsniveau (aktuell 563 Euro) sowie die künftig automatisch
steigenden Freibeiträge. Zudem soll die Wohnkostenpauschale für
Studierende, die nicht bei ihren Eltern wohnen, von derzeit 380 auf 440
Euro angehoben werden. Analog dazu sollen auch die Sätze für
Schüler:innen steigen.
Außerdem sieht die Reform Maßnahmen zur Entbürokratisierung vor: So sollen
Bafög-Empfänger:innen nach dem 4. Fachsemester künftig keine
Leistungsnachweise mehr erbringen müssen und Bafög-Anträge nur noch digital
gestellt werden können. „Mit dem Kabinettsbeschluss sind wir einen
entscheidenden Schritt gegangen, damit das Bafög sein Aufstiegsversprechen
erfüllen kann“, sagte Bundeswissenschaftsministerin Dorothee Bär (CSU). Das
Bafög werde künftig digitaler und die Verwaltung vereinfacht.
Auch für Matthias Anbuhl, den Vorstandsvorsitzenden des Deutschen
Studierendenwerks, gehen die Beschlüsse „in die richtige Richtung“.
Bundestag und Bundesrat seien nun gefordert, die vorgesehenen
Verbesserungen konsequent umzusetzen, forderte Anbuhl am Mittwoch.
Beschließt das Parlament die Reform in der jetzigen Fassung, würden die
Bafög-Sätze erstmals – wie andere Sozialleistungen – regelmäßig überprüft
und an die Entwicklung der Lebenskosten angepasst. „Damit würde endlich ein
Mechanismus geschaffen, der verhindert, dass das Bafög immer wieder über
Jahre hinter der Preisentwicklung zurückbleibt“.
## Breite Kritik
Anbuhl kritisierte aber, dass viele Verbesserungen erst sehr spät kommen.
So war die Erhöhung der Wohnkostenpauschale zum 1. April 2027 eigentlich
schon für den 1. Oktober 2026 vorgesehen. Die Erhöhung der Bafög-Sätze auf
Grundsicherungsniveau soll sogar erst zum Sommersemester 2029 erfolgen –
auch hier sollte die Verbesserung ursprünglich ein halbes Jahr früher
kommen. Und auch die automatische jährliche Erhöhung der Freibeiträge um
1,5 Prozent soll nicht sofort, sondern erst zum Wintersemester 2028/29
greifen.
Auch Opposition, Gewerkschaften und Studierenvertretungen hatten den
Zeitplan für die Reform sowie [1][den jüngst bekannt gewordenen weiteren
Aufschub] stark kritisiert. Andreas Keller, Vorstandsmitglied der
Bildungsgewerkschaft GEW, warf der Koalition am Mittwoch deshalb
„Wortbruch“ vor. Die hochschulpolitische Sprecherin der Grünen im
Bundestag, Ayşe Asar, kommentiert: „Was die Bundesregierung heute
beschließt, kommt zu spät und greift zu kurz.“
Kritik, die die SPD-Bundestagsabgeordnete und für Bafög zuständige
Berichterstatterin Lina Seitzl annimmt: „Ich bedaure sehr, dass es in der
Koalition zuletzt noch größeren Absprachebedarf gegeben hat“, sagte Seitzl
der taz. Wenn es nach ihrer Partei gegangen wäre, hätte die Bafög-Reform
schon zum 1. Oktober in Kraft treten können. Seitzl äußerte sich jedoch
zufrieden mit der Einigung – auch deshalb, weil der [2][Spardruck für die
Bundesregierung gerade bei den Sozialausgaben] derzeit sehr groß ist. Dass
die Bafög-Reform nun ins parlamentarische Verfahren geht und
Errungenschaften wie die automatische Erhöhung der Freibeträge beinhaltet,
wertet Seitzl als „starkes Signal an Studierende“.
Seitzl kündigte an, dass ihre Fraktion im parlamentarischen Verfahren auch
weitere Verbesserungen prüfen werde. „Wir wissen, dass die langen
Wartezeiten bei den Bafög-Anträgen eine große Hürde darstellen.“
Überlegungen, dass Studierende den Bafög-Antrag nur mehr einmal pro Studium
einreichen müssen, oder dass Finanzämter die Einkommensnachweise der Eltern
direkt an die Bafög-Ämter schickten, würde Seitzl sehr begrüßen: „Mit
solchen Maßnahmen können wir mehr junge Menschen dazu bringen, Bafög zu
beantragen.“
## Bafög-Zahlen sprechen für sich
Erst vergangene Woche hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass die
Zahl der Bafög-Beziehenden auf den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2000
gesunken ist: 2025 bekamen demnach nur noch 570.000 Menschen Bafög – 7
Prozent weniger als im Vorjahr.
Ein Grund dafür ist, dass viele Studierende kein Bafög beantragen, obwohl
sie dazu berechtigt wären. Laut einer gemeinsamen Studie des
Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik und des
Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern verzichten
sogar 70 Prozent der Förderberechtigten – im Schnitt lassen sie sich dabei
500 Euro pro Monat entgehen.
Ursprünglich wollte das Kabinett [3][die Bafög-Reform schon vor Monaten
beschließen], doch CDU, CSU und SPD konnten sich lange nicht darauf
einigen, welches Ministerium die Mehrkosten der Reform – etwas mehr als 1
Milliarde Euro bis 2030 – übernimmt. Zuletzt stand die Reform [4][sogar
ganz auf der Kippe], weil die Union in der angespannten Haushaltslage keine
Sozialleistungen mehr erhöhen wollte. Der Bafög-Entwurf soll nun im
September in den Bundestag gehen.
12 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bafoeg-Zahlen-auf-tiefstem-Stand-seit-25-Jahren-Daten-zeigen-wie-dringend-eine-Reform-ist/!6201894
(DIR) [2] /Bundeshaushalt-2027/!6193930
(DIR) [3] /Studierende-in-Not-Koalition-streitet-ueber-versprochene-Bafoeg-Erhoehungen/!6169898
(DIR) [4] /Geschacher-um-Bafoeg-Reform/!6183208
## AUTOREN
(DIR) Ralf Pauli
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