# taz.de -- Bafög: Zahlen auf neuem Tiefststand
> Neue Daten zeigen, wie dringend eine Bafög-Reform hermuss.
> Wissenschaftsministerin Dorothea Bär (CSU) plant derweil erst mal weitere
> Verschlechterungen.
(IMG) Bild: Im vergangenen Jahr haben nur noch 440.000 Studierende Bafög erhalten
Die Bafög-Zahlen sind weiter im Sinkflug. Das zeigen Daten, die das
Statistische Bundesamt am Mittwoch veröffentlicht hat. Demnach haben im
vergangenen Jahr nur mehr 570.000 Personen (gut 440.000 Studierende und
knapp 130.000 Schüler:innen) die staatliche Ausbildungsförderung erhalten.
Das ist der niedrigste Wert seit 25 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr ist
die Zahl der Geförderten um 7 Prozent eingebrochen. Im Durchschnitt
erhielten im Jahr 2025 Studierende 682 Euro an Bafög, bei Schüler:innen
waren es 552 Euro.
Für das Deutsche Studierendenwerk belegen die neuen Zahlen, wie hoch der
Handlungsdruck ist. „Das Bafög ist nicht auskömmlich, und es erreicht zu
wenige Studierende“, kritisierte am Mittwoch der Vorstandsvorsitzende
Matthias Anbuhl.
Zwei von der schwarz-roten Koalition versprochene Verbesserungen täten
jetzt besonders Not, so Anbuhl: „Erstens die im Koalitionsvertrag
versprochene automatische Erhöhung der Freibeträge sowie zweitens die
Angleichung des Bafög-Grundbedarfs an die Grundsicherung.“ Anbuhl betonte,
wie wichtig es sei, dass die Bundesregierung ihre Bafög-Novelle wie geplant
in diesem Monat auf den Weg ins parlamentarische Verfahren bringe.
## Lange Hängepartie im Kabinett
Tatsächlich wollte das Kabinett [1][die Bafög-Reform schon vor Monaten
beschließen], doch CDU, CSU und SPD konnten sich lange nicht darauf
einigen, welches Ministerium die Mehrkosten der Reform – etwas mehr als
eine Milliarde Euro bis 2030 – übernimmt. Zuletzt stand die Reform
[2][sogar ganz auf der Kippe], weil die Union in der angespannten
Haushaltslage keine Sozialleistungen mehr erhöhen wollte.
Anfang Juli hat sich die Koalition dann aber doch auf die Reform
verständigt. Ärgerlich für Studierende: Durch das Hin und Her verschiebt
sich die Reform um ein halbes Jahr, die geplante Erhöhung der
Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 Euro kommt nun erst zum nächsten
Sommersemester.
Wie das Bundeswissenschaftsministerium auf Anfrage der taz mitteilte, will
das Kabinett kommenden Mittwoch abschließend über die Bafög-Reform beraten.
Und damit über einen Referentenentwurf, den Wissenschaftsministerin
Dorothee Bär (CSU) vor wenigen Tagen vorgelegt hat. Pikanterweise erhält er
mehrere Verschlechterungen für Studierende, von denen bislang nirgends die
Rede war.
## Erhöhungen kommen noch später
So soll die schrittweise Erhöhung der Bafögsätze auf Grundsicherungsniveau
(aktuell 563 Euro) erst zum Sommersemester 2029 – statt wie versprochen zum
Wintersemester 2028/29 – erfolgen. Auch soll plötzlich die
Wohnkostenpauschale für Studierende, die bei ihren Eltern wohnen, zunächst
von derzeit 59 auf 41 Euro gekürzt und dann ganz gestrichen werden. Zudem
soll eine Ausnahmeregelung, die es auch Studierenden über 45 Jahre
ermöglicht, Bafög zu erhalten, abgeschafft werden.
Die SPD-Bundestagsabgeordnete und für Bafög zuständige Berichterstatterin
Lina Seitzl bestätigt auf taz-Anfrage, dass die Änderungen mit der SPD
abgesprochen waren: „Natürlich haben wir in der Koalition auch Kompromisse
suchen müssen, um in der schwierigen Haushaltslage die Bafög-Reform
umsetzen zu können.“ Insgesamt werde die Bafög-Novelle jedoch substanzielle
Verbesserungen bei den Bedarfssätzen, bei den Wohnkosten und bei der
Vereinfachung bringen, so Seitzl.
Aus Sicht des Studierendendachverbands fzs sind die Neuerungen jedoch ein
Skandal: „Ministerin Bär will uns hier unbemerkt einige Verschlechterungen
unterjubeln“, sagt fzs-Vorstand Katharina Rummenhöller der taz. Dafür
spreche auch, dass das Ministerium den Verbänden nicht einmal drei Tage
Zeit für eine schriftliche Stellungnahme gelassen habe. „Das ist ein
bewusst undemokratisches Verfahren“, kritisiert Rummenhöller.
Ob diese Bafög-Reform eine wirkliche Trendumkehr einleitet, die angesichts
der sinkenden Bafög-Zahlen nötig wäre, bezweifelt nicht nur der fzs. Auch
den Gewerkschaften, dem Studierendenwerk und der Hochschulrektorenkonferenz
(HRK) geht die Reform nicht weit genug. Ein Kritikpunkt ist, dass die
finanziellen Erhöhungen angesichts der steigenden Lebenskosten viel zu spät
kommen.
Einigt sich das Kabinett kommende Woche auf einen Entwurf, könnte sich im
September dann der Bundestag mit der geplanten Bafög-Reform befassen.
5 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ralf Pauli
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