# taz.de -- EU-Erweiterung: Westbalkan im Warteraum
       
       > Auf dem Westbalkangipfel inszenierten sich Deutschland und Frankreich als
       > Verfechter einer EU-Erweiterung. Das ist wenig glaubwürdig.
       
 (IMG) Bild: Friedrich Merz gab sich beim Westbalkangipfel als Erweiterungsfreund
       
       Drei Dinge im Leben lassen sich nicht vorhersagen: Gott, Sex und die EU.
       Mit dieser verstörenden Aussage sorgte der exzentrische albanische
       Ministerpräsident Edi Rama nach dem [1][Westbalkangipfel am Freitag] für
       die größte Aufmerksamkeit.
       
       Bereits 2003 versprach die EU den Westbalkanstaaten bei einem Gipfel eine
       Zukunft in der Union. 23 Jahre später sitzen Montenegro, Albanien,
       Nordmazedonien, Serbien und Bosnien-Herzegowina [2][immer noch im
       Warteraum], während Kosovo nicht einmal Kandidatenstatus hat.
       
       Erst das Versprechen einer [3][EU-Perspektive für die Ukraine] zwang die EU
       dazu, die Verhandlungen mit den Westbalkanstaaten wieder ernsthaft
       voranzutreiben. Eine realistische Chance auf einen EU-Beitritt in den
       kommenden fünf Jahren hat nur Montenegro. Nicht, weil das Land alle
       strengen Kriterien erfüllt – das tun viele EU-Staaten auch nicht –, sondern
       weil sich mit dem kleinen Staat, der weniger Einwohner als Stuttgart hat,
       zeigen ließe, dass der Erweiterungsprozess nicht tot ist.
       
       Es hat dabei eine gewisse Ironie, dass sich ausgerechnet Frankreichs
       Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz auf der
       Westbalkankonferenz in Tivat als Verfechter einer EU-Erweiterung
       inszenierten. 2019 [4][blockierte Macron als einziger im Europäischen Rat]
       den Start der Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien – obwohl das Land
       Reformen umgesetzt, einen Autokraten besiegt und sogar seinen Namen
       geändert hatte, um einen absurden Namensstreit mit Griechenland zu beenden.
       Die Botschaft Macrons: Selbst wer alle EU-Forderungen erfüllt, kommt nicht
       zwangsläufig weiter.
       
       Die EU verliert auch an Glaubwürdigkeit, weil die Europäische Volkspartei –
       zu der auch CDU und CSU gehören – den [5][serbischen Autokraten Aleksandar
       Vučić und seine Partei] weiter in ihren Reihen duldet. Auch die CDU-nahe
       Konrad-Adenauer-Stiftung distanziert sich nicht von den autokratischen
       Kräften in Serbien, die sie jahrelang mit Steuergeldern gefördert hat.
       Solange das so bleibt, wirkt das Werben von Merz für eine EU-Erweiterung
       wenig glaubwürdig.
       
       7 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Erweiterung-der-Europaeischen-Union/!6184478
 (DIR) [2] https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/571370/der-westbalkan/
 (DIR) [3] /EU-Perspektive-fuer-Balkan-und-Ukraine/!5857790
 (DIR) [4] /Albanien-Nordmazedonien-und-die-EU/!5634669
 (DIR) [5] /Massenprotest-in-Serbiens-Hauptstadt/!6181610
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Krsto Lazarević
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Westbalkan-Staaten
 (DIR) Europäische Union
 (DIR) EU-Erweiterung
 (DIR) Montenegro
 (DIR) Albanien
 (DIR) Nordmazedonien
 (DIR) Serbien
 (DIR) Bosnien-Herzegowina
 (DIR) Kosovo
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Kosovo
 (DIR) Montenegro
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Aleksandar Vucic
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wahlen in Kosovo: Regierung bleibt, die Regierungskrise auch
       
       Die Partei von Ministerpräsident Albin Kurti bleibt bei Kosovos
       vorgezogenen Wahlen erneut stärkste Kraft. Stabile Verhältnisse bringt das
       trotzdem nicht.
       
 (DIR) Erweiterung der Europäischen Union: Montenegro ist auf dem Sprung
       
       2026 will Montenegro die Verhandlungen abschließen und 2028 der EU
       beitreten. Die Signale aus Brüssel sind positiv, doch einfach dürfte es
       nicht werden.
       
 (DIR) US-Streit mit der EU: Trumps Freunde kaufen den Balkan auf
       
       Der US-Präsident macht Geschäfte mit seiner Familie und mit Bekannten.
       Damit kommt er Plänen der EU und europäischen Energiegesetzen in die Quere.
       
 (DIR) Beziehungen zwischen EU und Serbien: Bitte mehr Druck auf Serbien
       
       Endlich lässt von der Leyen kritischere Töne gegenüber Serbien anklingen.
       Dem sollten aber auch Taten folgen - etwa in der Russland-Politik.