# taz.de -- Bald Neuwahlen in Serbien?: Präsident Vučić kündigt taktischen Rücktritt an
       
       > Mit dem vorgezogenen Abgang verkürzt Vučić seine Amtszeit. Bei einer
       > vorgezogenen Parlamentswahl könnte er dadurch als Spitzenkandidat
       > antreten.
       
 (IMG) Bild: Taktieren für eine erneute Amtszeit: Vučić am 27. Juni in Belgrad
       
       dpa | Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat sein vorzeitiges
       Ausscheiden aus dem höchsten Staatsamt angekündigt. „Ich werde nur noch
       wenige Wochen Präsident sein, dann trete ich zurück“, sagte er auf einer
       Großkundgebung seiner Anhänger im Zentrum von Belgrad. Der Führung der
       Regierungspartei SNS habe er angeboten, ihr bei den nächsten Wahlen zu
       „helfen“, fügte er hinzu.
       
       Die zweite Amtszeit von Vučić als Präsident endet regulär Ende Mai nächsten
       Jahres. Ein drittes Mal kann er nicht antreten. Das Mandat des
       gegenwärtigen Parlaments endet regulär im Februar 2028. Die Erwartung ist,
       [1][dass Vučić eine vorgezogene Parlamentswahl ausschreiben wird] und als
       Spitzenkandidat der SNS ins Rennen geht, um im Falle eines Wahlsieges
       Ministerpräsident zu werden.
       
       Er selbst deutete mehrfach an, dass eine vorgezogene Parlamentswahl noch in
       diesem Jahr stattfinden könnte. Einen konkreten Termin nannte er bislang
       nicht. Als Präsident hat Vučić eher nur protokollarische Befugnisse.
       Faktisch entscheidet er aber seit 2012 über alle wichtigen Angelegenheiten
       in Serbien allein, unabhängig von der Funktion, die er ausübt.
       Ministerpräsident war er bereits von 2014 bis 2017.
       
       ## Protestbewegung setzt Vučić unter Druck
       
       [2][Seit dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in der nordserbischen Stadt Novi
       Sad im November 2024] stehen Vučić und die serbische Regierung unter dem
       Druck einer massiven Protestbewegung. Die Tragödie mit 16 Toten wird auf
       die Korruption und Inkompetenz der Regierenden zurückgeführt. Die von Vučić
       kontrollierte Justiz verhinderte bislang, dass die Verantwortlichen
       strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurden.
       
       Die Protestbewegung entstand aus spontanen Universitätsbesetzungen durch
       Studenten und Lehrkräfte, die fast ein Jahr dauerten. Inzwischen schlossen
       sich ihr Bürger im ganzen Land an. [3][Seit etwa einem Jahr verlangt die
       Bewegung eine vorgezogene Neuwahl.]
       
       ## Wahlsieg ist der Regierung nicht sicher
       
       Meinungsumfragen zufolge könnte eine von den Studenten erstellte oder
       unterstützte Liste die nächste Parlamentswahl gewinnen. Allerdings
       existiert eine derartige Liste bislang nicht.
       
       Die Protestbewegung bringt immer wieder große Menschenmassen auf die
       Straße. Im Vormonat demonstrierten nach Angaben des Archivs für öffentliche
       Versammlungen, einer unabhängigen Expertengruppe, 180.000 Menschen im
       Zentrum von Belgrad.
       
       Zur Kundgebung von Vučić stellte sich am Samstag nach Beobachtung eines
       Reporters der Nachrichtenagentur dpa eine große Menschenmenge ein. Die
       meisten Teilnehmer reisten in organisierter Form aus verschiedenen
       Landesteilen an. Sie fuhren mit Bussen, die die Regierungspartei SNS und
       von ihr abhängige Unternehmer zur Verfügung stellten.
       
       28 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Massenprotest-in-Serbiens-Hauptstadt/!6181610
 (DIR) [2] /Novi-Sad/!6122814
 (DIR) [3] /Pressefreiheit-in-Serbien/!6116213
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Serbien
 (DIR) Aleksandar Vucic
 (DIR) Rücktritt
 (DIR) Wahlen
 (DIR) EU-Erweiterung
 (DIR) Kolumne Geraschel
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Serbien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Machtkampf in Serbien: Vučić kündigt vorgezogene Parlamentswahl für Oktober an
       
       Nach rund anderthalb Jahren Protesten steht der serbische Präsident so
       unter Druck, dass er neu wählen lässt. Er könnte dennoch an der Macht
       bleiben.
       
 (DIR) Kampf um Demokratie: In Osteuropa ist gerade Frühling, liebe Linke
       
       Osteuropäische Gesellschaften gehen in Massen auf die Straße gegen
       Korruption und Naturzerstörung. Sie haben mehr von uns verdient als
       Lobbyisten.
       
 (DIR) EU-Erweiterung: Westbalkan im Warteraum
       
       Auf dem Westbalkangipfel inszenierten sich Deutschland und Frankreich als
       Verfechter einer EU-Erweiterung. Das ist wenig glaubwürdig.
       
 (DIR) Massenprotest in Serbiens Hauptstadt: Zehntausende demonstrieren für vorgezogene Neuwahlen
       
       Student:innen und Bürger:innen gingen am Samstag in Belgrad gegen die
       Regierung von Aleksandar Vučić auf die Straße. Die hatte zuvor den
       Eisenbahnverkehr eingestellt. Am Rande kam es zu Scharmützeln mit der
       Polizei.