# taz.de -- US-Streit mit der EU: Trumps Freunde kaufen den Balkan auf
       
       > Der US-Präsident macht Geschäfte mit seiner Familie und mit Bekannten.
       > Damit kommt er Plänen der EU und europäischen Energiegesetzen in die
       > Quere.
       
 (IMG) Bild: LNG in Krk, powered by the Trump clan
       
       „Präsident Trump eröffnet eine neue Ära der Kooperation mit Südost- und
       Osteuropa“, lobte US-Energieminister Chris Wright am Rande eines Treffens
       [1][der Drei-Meere-Initiative] in Dubrovnik Ende April seinen Chef. Die
       Anti-Korruptions-NGO Transparency International warnt indes vor „einem
       gefährlichen Präzedenzfall“ und „einer Beeinträchtigung des öffentlichen
       Interesses durch die Begünstigung bestimmter Interessen“. Die EU-Kommission
       droht dem [2][Kandidatenland Bosnien-Herzegowina], dass seine
       Beitrittschancen kleiner werden könnten.
       
       Was war geschehen? Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic und
       die Regierungschefin von Bosnien-Herzegowina, Borjana Krišto, hatten den
       Anschluss Bosnien-Herzegowinas an das Flüssiggasterminal auf der
       kroatischen Insel Krk verkündet. Dort wird [3][zumeist verflüssigtes Erdgas
       (LNG) aus den USA] angelandet. Und aus den USA stammen auch die Investoren:
       AAFS Infrastructure and Energy will die Milliardeninvestition für die
       Pipeline stemmen.
       
       Hinter AAFS stehen der Anwalt Jesse Binall, der [4][Trumps Behauptung des
       Wahlbetrugs vor Gericht gebracht] hatte, und Joe Flynn. Dieser ist
       ebenfalls Trump-Anwalt und Bruder von dessen früheren Nationalen
       Sicherheitsberater Michael Flynn. Die LNG-Röhre soll anstatt des bisher
       über Serbien gelieferten russischen Erdgases US-LNG nach Bosnien bringen.
       
       „AAFS ohne Ausschreibungsverfahren direkt zu beauftragen, umgeht nicht nur
       EU-Vorschriften“, sagte Pippa Gallop, Energieexpertin der NGO Bankwatch,
       der taz. Die Vereinbarung sei „ein großer Fehler, nicht nur im Hinblick auf
       die Beziehungen zur EU, sondern auch in Bezug auf die Kosten für die
       Steuerzahler“. Bosniens Gaskonzern BH Gas war durch den Deal ausgebootet
       worden.
       
       ## Widerstand kann funktionieren
       
       Für die Vergabe des Pipelineprojekts an die Trump-Freunde wurde extra das
       betreffende Gesetz geändert. Die EU fordert zwar, dass Beitrittskandidaten
       russische Energielieferungen beenden. Aber bei Infrastrukturprojekten muss
       zugleich sichergestellt sein, dass es nicht nur Zugang für einen einzigen
       Lieferanten gibt.
       
       Die LNG-Röhre ist nicht das einzige AAFS-Vorhaben in der Region, Projekte
       für 1,5 Milliarden US-Dollar sind in Planung. Auch die Immobilienfirma von
       Trumps Schwiegersohn Jared Kushner ist in der Region aktiv. Umweltschutz-
       und Menschenrechtsgruppen haben aber vorerst ein Adria-Luxusresort in
       Albanien und den ersten Trump-Tower in der serbischen Hauptstadt Belgrad
       gestoppt.
       
       Albanien hat einen 20 Jahre lang laufenden Flüssiggas-Deal mit Aktor LNG
       USA abgeschlossen und plant mit US-Unternehmen Groß-Investitionen in den
       Bau von [5][Rechenzentren für künstliche Intelligenz]. EU-Mitglied Kroatien
       will sogar 50 Milliarden Euro umfassende KI-Investitionen aus den USA
       anlocken. Trumps Sohn Donald Jr. War zudem kürzlich auf Einladung von Igor
       Dodik in Banja Luka, der Hauptstadt der Republika Srpska.
       
       Der dortige Langzeitherrscher Milorad Dodik, der diese serbische
       Teilrepublik aus der Föderation Bosnien-Herzegowina herauslösen will,
       musste sein Amt an einen Vertrauten abgeben. Danach hat Vater Trump die von
       der Vorgängerregierung unter Joe Biden verhängten Sanktionen gegen ihn
       aufgehoben. Nun sollen US-Firmen – wie der Baukonzern Bechtel – umstrittene
       Bauvorhaben im Separatistengebiet umsetzen.
       
       Der Hohe Repräsentant in Bosnien-Herzegowina, Christian Schmidt (CSU),
       hatte am Montag im Streit mit den USA seinen Abgang angekündigt. Die [6][EU
       lässt die Staaten des Westbalkans bereits seit Jahrzehnten auf einen
       Beitritt warten]. Derweil haben sich dort vor allem Unternehmen aus
       Russland, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten breit gemacht. Nun
       hat die US-Regierung den „weißen Fleck“ mitten in Europa entdeckt. Und
       Gallop mahnt die EU, „schneller zu handeln und klare, öffentliche
       Erklärungen“ zu Rechtsstaatlichkeit abzugeben. „Sonst werden US-Unternehmen
       nicht zögern, dies auszunutzen“, so die Aktivistin.
       
       13 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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