# taz.de -- Kooperation trotz Moskau-Nähe Belgrads: Warum Selenskyj bei Vučić war
> Premiere in Belgrad: Erstmals besucht der ukrainische Präsident Wolodymyr
> Selenskyj seinen serbischen Amtskollegen Aleksandar Vučić. Der gilt als
> Freund Russlands. Was verbindet die beiden Länder dennoch?
(IMG) Bild: Selenskyj bei Vučić in Belgrad: Ein Freihandelsabkommen soll bis Ende des Jahres ausgearbeitet werden
dpa | [1][Serbiens Regierung] gilt als moskautreu, die Ukraine wird von
Russland mit Krieg überzogen – trotzdem möchten beide Länder enger
zusammenarbeiten. Darüber sprach der serbische Präsident Aleksandar Vučić
mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj, der erstmals Belgrad
besuchte. Es ging auch um den künftigen [2][Weg beider Länder in die EU].
Eine militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine war kein Thema, wie Vučić
bei einer Pressekonferenz betonte. Er verneinte, dass Serbien zusammen mit
der Ukraine [3][Drohnen] bauen wolle. Eine derartige Kooperation sei
allerdings mit Israel geplant, sagte Vučić. Vertreter der beider Länder
unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Kooperation in Landwirtschaft
und Lebensmittelsicherheit. Ein Freihandelsabkommen solle bis Ende des
Jahres ausgearbeitet werden, sagte Selenskyj. Er bedankte sich auch für die
humanitäre Hilfe Serbiens für den Medizin- und Energiebereich in der
Ukraine.
## Die Ukraine erkennt Kosovo nicht als unabhängig an
Vučić erklärte, dass sein Land die territoriale Integrität der Ukraine
unterstütze. Er dankte Kyjiw dafür, im Fall Serbien dasselbe zu tun: „Wir
sind der Ukraine dankbar für die Unterstützung der territorialen Integrität
Serbiens“, sagte er. Dabei erwähnte Vučić die frühere serbische Provinz
[4][Kosovo] nicht, die 2008 nach einem blutigen Krieg ihre Unabhängigkeit
erklärte – zielte aber offensichtlich darauf ab. Die meisten EU-Staaten
erkennen diese Abspaltung Kosovos an, nicht aber Serbien – und auch nicht
die Ukraine. Kyjiw will keinen Präzedenzfall schaffen, mit dem sich die
Abspaltung des von Russland reklamierten Donbass und der Halbinsel Krim
rechtfertigen ließe.
## Noch vor drei Wochen zögerte Vučić mit Hilfe für Ukraine
Davor hatten sich Vučić und Selenskyj mehrfach auf Gipfeltreffen in anderen
europäischen Ländern getroffen. Erst Mitte Juli kamen sie beim
Ukraine-Südosteuropa-Gipfel in Kyjiw zusammen – auch mit
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Dabei weigerte sich Vučić
als einziger Teilnehmer, eine gemeinsame Erklärung über fortgesetzte
Unterstützung für die Ukraine und höheren Druck auf Russland zu
unterzeichnen.
Serbien unterhält gute Beziehungen zu Russland und hat sich als eines von
wenigen europäischen Ländern nicht den EU-Sanktionen gegen Moskau
angeschlossen. Zugleich liefert das Balkanland Waffen an die Ukraine, ohne
dies offiziell zuzugeben.
9 Aug 2026
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