# taz.de -- Wahlen in Kosovo: Regierung bleibt, die Regierungskrise auch
> Die Partei von Ministerpräsident Albin Kurti bleibt bei Kosovos
> vorgezogenen Wahlen erneut stärkste Kraft. Stabile Verhältnisse bringt
> das trotzdem nicht.
(IMG) Bild: Albin Kurti bleibt, statt übergangsmäßig nun gewählt
Kosovos politische Hängepartie geht weiter, trotz der vorgezogenen
Parlamentswahl am Sonntag. Zwar hat [1][Ministerpräsident Albin Kurti] mit
seiner linksorientierten Reformpartei [2][Vetëvendosje (VV)] erneut klar
gewonnen, doch für eine stabile Regierungsbildung reicht das Ergebnis nicht
aus. Nach Auszählung der meisten Stimmen kommt VV auf rund 43 Prozent.
Dahinter folgen die [3][PDK (Demokratische Partei Kosovos]) mit etwa 22
Prozent und die [4][LDK (Demokratische Liga Kosovos)] mit rund 18 Prozent.
Die Wahlbeteiligung lag bei lediglich gut 36 Prozent, deutlich unter
früheren Urnengängen.
Für Regierungschef Kurti ist das Ergebnis dennoch ein persönlicher Erfolg.
Trotz wirtschaftlicher Probleme, Spannungen mit Serbien und wiederholter
Kritik aus Brüssel und Washington ist er der Wahlsieger und bleibt der mit
Abstand populärste Politiker des Landes. Gleichzeitig zeigt das Resultat
die Grenzen seiner Macht. Erneut verfehlte sein Lager die
Zweidrittelmehrheit im Parlament, die notwendig wäre, um einen neuen
Präsidenten wählen zu können und damit die institutionelle Blockade des
Landes zu überwinden.
Kosovos politische Landschaft ist inzwischen in drei Lager geteilt. Die
Regierungspartei VV steht für einen linken Reformkurs, eine harte Linie
gegenüber Serbien und den Kampf gegen Korruption. Die PDK repräsentiert
stärker das traditionelle politische Establishment und beruft sich auf ihre
Wurzeln im Unabhängigkeitskampf der kosovarischen UÇK-Guerilla. Die LDK
wiederum sieht sich mit ihren zivilen Wurzeln als liberalkonservative
Staatspartei in der Tradition des früheren Präsidenten Ibrahim Rugova. Auch
VV-Ministerpräsident Kurti kommt aus der Tradition des zivilen Widerstandes
gegen die serbische Herrschaft.
Entscheidend könnten nun erneut die kleineren Parteien und
Minderheitenvertreter werden. Im kosovarischen Parlament sind Sitze für
Bosniaken, Türken, Roma, Ashkali, Gorani und andere Gemeinschaften
reserviert. Viele dieser Parteien arbeiteten bereits in der Vergangenheit
mit Kurti zusammen. Der Grund liegt weniger in ideologischer Nähe als in
politischem Pragmatismus: Als stärkste Kraft konnte Vetëvendosje den
Minderheiten auch in den letzten Jahren schon Projekte anbieten. Zudem gilt
Kurti bei vielen Minderheitenvertretern trotz aller Kontroversen als
weniger eng mit den alten Machtstrukturen verbunden als seine Konkurrenten.
## Verhältnis zu Trump als politischer Streitpunkt
Besonders interessant bleibt das Verhältnis zwischen Kurti und
Ex-Staatspräsidentin [5][Vjosa Osmani], seine frühere Verbündete, deren
[6][Rücktritt im April] die vorgezogenen Parlamentswahlen erzwang. Beide
standen gemeinsam, als sie noch im Amt war, für einen politischen Aufbruch.
In den vergangenen Jahren entfernten sie sich jedoch zunehmend voneinander.
Beobachter verweisen auf unterschiedliche Vorstellungen in der
Außenpolitik, persönliche Rivalitäten und die Frage, wie eng sich Kosovo an
die Positionen der EU und der USA anlehnen sollte. Osmani sucht einen engen
Kontakt zu Donald Trump und sieht nur in den USA einen Garanten für Kosovos
Existenz. Kurti dagegen will die Unabhängigkeit des Landes auch gegen den
wankelmütigen Trump und den proserbischen russischen Autokraten Putin
behaupten. Die Spannungen verschärften sich zuletzt im Streit um die
Besetzung zentraler Staatsämter und die Nachfolge im Präsidentenamt.
Die größte Hürde für eine Regierungsbildung bleibt die LDK. Rechnerisch
wäre eine Koalition zwischen VV und der traditionsreichen Partei Rugovas
die stabilste Lösung. Politisch ist sie heute jedoch schwer vorstellbar.
Das gegenseitige Misstrauen reicht bis zum Bruch ihrer ersten gemeinsamen
Regierung im Jahr 2020 zurück. Die LDK wirft Kurti einen konfrontativen
Führungsstil vor, während VV die LDK als Teil des alten Systems betrachtet.
Nun stehen mehrere Szenarien offen: eine Minderheitsregierung unter Kurti
mit Unterstützung kleinerer Parteien, eine schwierige Verständigung mit der
LDK oder eine erneute politische Blockade. Nach drei Wahlen innerhalb von
nur 18 Monaten wächst der Druck aus der Bevölkerung und von europäischen
Partnern, Letzteres zu vermeiden. Denn ohne handlungsfähige Regierung
drohen internationale Finanzhilfen und weitere Fortschritte auf dem Weg
Richtung EU erneut ins Stocken zu geraten.
8 Jun 2026
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(DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Democratic_Party_of_Kosovo
(DIR) [4] https://en.wikipedia.org/wiki/Democratic_League_of_Kosovo
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## AUTOREN
(DIR) Erich Rathfelder
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