# taz.de -- EU-Vorgaben bei Lohngleichheit: Gleichstellung ist der Bundesregierung zu bürokratisch
       
       > Deutschland setzt ein EU-Gesetz zur Gehaltstransparenz nicht um.
       > Frauenministerin Prien redet sich mit Bürokratie und wirtschaftlicher
       > Lage heraus.
       
 (IMG) Bild: Gesetz für Entgelttransparenz? Tja, leider nicht geschafft …
       
       Deutschland könnte ein EU-Strafverfahren drohen – ausgerechnet wegen eines
       Problems, das hierzulande seit Jahrzehnten debattiert wird: die gleiche
       Bezahlung von Frauen und Männern für gleichwertige Arbeit. Bis zum 7. Juni
       mussten EU-Länder das europäische Entgelttransparenzgesetz in nationales
       Recht umsetzen. Das aber hat [1][die Bundesregierung versäumt] – komplett
       ohne Not. Denn es gibt seit [2][in Deutschland bereits seit neun Jahren ein
       solches Gesetz], das schlicht angepasst werden muss. Auch ist seit Frühjahr
       2023 bekannt, dass Unternehmen in Europa ab jetzt Gehaltsunterschiede
       transparent machen müssen. Warum also der Verzug?
       
       Schließlich ist der Handlungsbedarf groß: Noch immer beträgt der
       Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern 16 Prozent. Zieht man Faktoren
       wie Teilzeit, Führungspositionen, Elternzeiten ab, erhalten Frauen noch
       immer 6 Prozent weniger Gehalt als Männer. Das kann einer Frauenministerin
       nicht egal sein. Wie aber soll man die Aussagen von Karin Prien verstehen,
       dass jetzt an einer „bürokratiearmen Umsetzung“ gearbeitet werde? Dass
       diese vermutlich erst 2027 oder 2028 vorliege und die wirtschaftliche Lage
       Grund für die Verzögerung sei?
       
       Eher scheint Prien der Wirtschaftslobby zu folgen, die die EU-Richtlinie
       vorgeblich wegen „zu viel Bürokratie“ stoppen will. Ohnehin spielt
       Frauenpolitik beim breiten Themenspektrum der Ministerin – sie ist zudem
       für Familien, Senioren, Jugend und Bildung zuständig – eine untergeordnete
       Rolle. Mit genderpolitischen Maßnahmen ist sie bislang jedenfalls nicht
       aufgefallen. Dafür hat sie großzügig [3][Fördergelder für
       gleichstellungspolitische Organisationen gekürzt].
       
       Apropos Bürokratie. In Skandinavien hätte sich die CDU-Politikerin längst
       informieren können, wie Transparenz bei Gehältern und Löhnen leicht möglich
       ist. Norwegen und Schweden veröffentlichen seit Jahren die Steuerdaten
       ihrer Bürger:innen im Netz. Soweit muss man hierzulande ja nicht gehen –
       und der Bürokratie ist der typisch deutsche Neidfaktor sowieso egal.
       
       7 Jun 2026
       
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