# taz.de -- Entgelttransparenz: Bundesregierung verzögert bei Equal Pay
> Eine EU-Richtlinie zur Lohntransparenz wird in Deutschland
> hinausgezögert. Sie würde Unternehmen zu sehr belasten. Die Empörung ist
> groß.
(IMG) Bild: Demonstration am Equal-Pay-Day für gleichen Lohn
Noch bis zum 7. Juni hat die Bundesfrauenministerin Karin Prien Zeit. Dann
muss eine von der EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz auch in Deutschland
umgesetzt sein. Nun ist aber klar: Ein nationales Gesetz kommt nicht
rechtzeitig. Das CDU-geführte Ministerium räumt mittlerweile ein, dass
Angestellte auf Lohntransparenz noch länger warten müssen, und begründet
das mit Rücksichtnahme auf Unternehmen. Dafür hagelt es lautstark Kritik –
auch von der SPD.
Es war der 6. Juni 2023, als die EU-Kommission gegen geschlechtsspezifische
Lohnungleichheit einen weitreichenden Beschluss gefasst hat. Mit der
Richtlinie 2023/970 wurde damals festgelegt: Bereits vor Einstellung
sollten Unternehmen ihre Entgeltstruktur offenlegen, auch sollten sie
Bewerber:innen nicht mehr nach vorherigen Gehältern fragen dürfen.
Beschäftigte selbst sollten einen Auskunftsanspruch haben. Und Unternehmen
ab 250 Mitarbeitenden sollten alle drei Jahre Berichte über den
Gender-Pay-Gap anfertigen.
Als Gender-Pay-Gap (GPG) werden die Gehaltsunterschiede zwischen Männern
und Frauen bezeichnet. Über die gesamte EU hinweg betrug dieser 2025
zwischen 12 und 16 Prozent. In Deutschland lag er [1][laut Statistischem
Bundesamt] bei 16 Prozent. Die unerklärte Lücke, also jener Teil, der sich
nicht durch unterschiedliche Berufsfelder oder Positionen im Unternehmen
erklären lässt, lag bei 6 Prozent. In Deutschland gilt seit 2017 zwar ein
[2][Entgelttransparenzgesetz], dieses gilt jedoch aufgrund kaum wirksamer
Durchsetzungsmechanismen als zahnlos.
## Bundesregierung verzögert gezielt
Drei Jahre hatten europäische Mitgliedstaaten also nun Zeit, die Richtlinie
in nationales Recht umzusetzen. Nachdem der Termin für einen Gesetzentwurf
immer wieder verschoben wurde, ist nun klar, dass die Bundesregierung
bewusst verzögert. Man wolle auf die wirtschaftliche Lage der Unternehmen
Rücksicht nehmen, sagte eine Sprecherin des [3][Frauenministeriums]
[4][gegenüber der Zeit] am Freitag, und „unverhältnismäßige Belastungen für
die Wirtschaft“ vermeiden. Demnach soll das Gesetz laut Plänen des
Ministeriums erst 2027 in Kraft treten, die Berichtspflichten für
Unternehmen sogar erst im Juni 2028.
Die Kritik folgte prompt. „Die Union muss ihre Blockade aufgeben und den
Gesetzentwurf endlich ins Verfahren geben“, fordert die
Bundestagsabgeordnete Carmen Wegge, Vorsitzende der SPD-Frauen. „Die
wirtschaftliche Lage vorzuschieben ist eine Milchmädchenrechnung“, sagt
Wegge. Wer Frauen schlechter bezahle, bekomme später die Quittung in Form
von Altersarmut, schwacher Binnennachfrage und einem Sozialsystem, das die
Folgen tragen müsse.
„Lohngleichheit ist kein Nice-to-have, sondern existenziell für
wirtschaftliche Unabhängigkeit und die eigenständige Absicherung einer
jeden Frau“, sagt die Grünen-Abgeordnete Ulle Schauws. Gleicher Lohn für
gleiche und gleichwertige Arbeit dürfe nicht daran scheitern, dass die
Union Unternehmen vor Transparenz schützen will, forderte auch Kathi Gebel
von der Linken.
## Unliebsame Konsequenzen?
Die derzeitige Situation könnte ein Nachspiel haben, warnt Heide Pfarr vom
Deutschen Juristinnenbund. „Laut europäischer Rechtslage tritt eine
EU-Richtlinie mit unmittelbarer Wirkung in Kraft, soweit bestimmte
Vorschriften hinreichend genau sind und sofort umgesetzt werden können“,
sagt Pfarr. Für alle, die bei Bundes- oder Landesbehörden oder
privatwirtschaftlich geführten Unternehmen des Staates arbeiten, so die
Professorin für Arbeitsrecht, könnten Teile der Richtlinie unmittelbar
gelten. Könnte womöglich eine Klagewelle drohen? Bis diese jedoch den
Europäischen Gerichtshof erreicht, dauert es Jahre, so Pfarr. Für sie eine
klare Verzögerungstaktik der Unternehmerseite.
Aus Sicht der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden, Elke Hannack, ist die
derzeitige Situation fahrlässig: „Arbeitgeber, die sich bisher nicht mit
den Anforderungen der Entgelttransparenzrichtlinie beschäftigt haben,
werden unter Druck geraten, je länger die Bundesregierung die Gesetzgebung
hinauszögert.“
1 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_453_621.html
(DIR) [2] /Anwaeltin-zu-Equalpay-Klage-gegen-Daimler/!6040472
(DIR) [3] /Familienministerin-Karin-Prien-Vielfalt-sehe-ich-nicht-als-staatliches-Foerderziel/!6165687
(DIR) [4] https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-05/entgelttransparenz-gesetz-eu-richtlinie-deutschland-beschaeftigte/komplettansicht
## AUTOREN
(DIR) Amelie Sittenauer
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