# taz.de -- Demo gegen Sozialabbau: Ärger über Kanzler und Kürzungen
       
       > Die Linken haben bundesweit zu Protesten gegen die geplanten
       > Sozialstaatsreformen aufgerufen. Zum Auftakt hält sich die Resonanz in
       > Grenzen.
       
 (IMG) Bild: Gute Stimmung beim Sozialprotest in Berlin. Die Teilnehmerzahl ist noch ausbaufähig
       
       „Es reicht!“, finden die Menschen, die am Montagabend vor der Volksbühne in
       Berlin stehen. Sie demonstrieren gegen die geplanten Sozialstaatsreformen
       der Bundesregierung, die unter anderem Kürzungen im Gesundheitssektor oder
       ein Ende des Achtstundentages vorsehen.
       
       Die Linke hat für den 1. Juni gemeinsam mit den DGB-Gewerkschaften zu
       bundesweiten Protesten in 15 Städten aufgerufen. Die Demos sollen ein
       Auftakt für [1][weitere Proteste] im Juni und Juli gegen die „massivsten
       Angriffe auf unseren Sozialstaat seit der Agenda 2010“ sein, so die Linke
       auf ihrer Website. In Berlin sind nach Angaben der Veranstalter rund 1.000
       Menschen dem Aufruf gefolgt.
       
       Auf der Kundgebung vor der Berliner Volksbühne werden Verdi- und
       Linken-Flaggen geschwenkt, Schilder mit „Tax the Rich“ und „Merz tritt
       zurück und nicht nach unten“ hochgehalten. Menschen aus allen Altersgruppen
       sind gekommen, Jugendliche und Rentner:innen.
       
       Yvonne Kunath sagt, es sei ihr wichtig, zu zeigen, dass sie mit der
       aktuellen Politik nicht zufrieden sei. Die Diskussion über die [2][Kürzung
       des Unterhaltsvorschusses] für Alleinerziehende mache sie besonders wütend.
       Den staatlichen Vorschuss können Alleinerziehende bekommen, wenn die
       Partner:in keinen Unterhalt zahlt.
       
       ## Ärger über Kanzler Merz
       
       Manuela Flore, eine Frau mit kurzen, dunklen Haaren, hält ein Schild mit
       der Aufschrift „gegen den Sozialabbau“ hoch. Sie stehe sieben Jahre vor der
       Rente und ärgere sich über Kanzler Merz, der die Rente nur noch als
       [3][„Basisabsicherung“] sieht. Bei den Montagsdemonstrationen gegen die
       Agenda-Reformen unter Rot-Grün 2004 war Manuela Flore nicht dabei: „Aber
       ich hoffe, es wird wieder so!“
       
       Auf dem [4][Höhepunkt der Proteste] waren damals bundesweit über 200.000
       Menschen auf den Straßen. Keshia Burger, eine der Moderatorinnen der
       Kundgebung am Montag vor der Volksbühne, gibt die geschätzten
       Teilnehmenden-Zahlen durch: In Hannover seien 400, in Rosenheim 100 und
       hier in Berlin über 1.000 Demonstrierende gekommen. Die Polizei schätzt die
       Teilnehmendenzahl in Berlin nur auf überschaubare 500.
       
       Die Co-Vorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, ist mit dem Protestauftakt
       trotzdem zufrieden. Gegenüber der taz sagt sie: Die Montagsdemonstrationen
       gegen die Agenda 2010 seien zu Beginn auch erst lokal gewesen und mit der
       Zeit zu Großdemos geworden. So eine Entwicklung wie 2004 stelle sie sich
       auch vor. Fügt aber hinzu: „Meine Befürchtung ist bloß, dass wir hier ein
       kleineres historisches Zeitfenster haben, um die Angriffe auf den
       Sozialstaat zu stoppen.“
       
       ## „Merz leck Eier“
       
       Der inzwischen zur Parole und zum Internet-Meme gewordene Spruch „Merz leck
       Eier“ ist auch auf der Kundgebung an der Berliner Volksbühne
       allgegenwärtig. Bekannt wurde der Spruch, nachdem ein junger Mann ihn
       während einer Anti-Wehrpflicht-Demo Anfang März hochgehalten hatte und
       daraufhin [5][Ermittlungen gegen den Schüler] eingeleitet wurden. Ein Mann
       hat die Merz-Parole als Schild hinten an seinem Rollstuhl hängen, eine Frau
       ruft sie laut und dann wird sie sogar skandiert.
       
       Die Berliner Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, kritisiert durchs
       Mikrofon die geplante Aufweichung des Achtstundentages scharf. Dass die
       sozialdemokratische Arbeitsministerin Bärbel Bas von Flexibilisierung der
       Arbeitszeit spreche, sei ein Skandal.
       
       Auch Svenja Diedrich, Landesvorsitzende der Jusos Berlin, spricht auf der
       Kundgebung der Linken. Sie geht zu ihrer Mutterpartei in der Regierung, der
       SPD, auf Distanz: Die Kürzungsdebatten in Berlin und auf Bundesebene seien
       vor allem eins: „Das ist Klassenkampf, aber für die falsche Seite!“
       
       2 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.die-linke.de/mitmachen/kampagnen/es-reicht-das-leben-bezahlbar-machen/
 (DIR) [2] https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/unterhaltsvorschuss-kuerzungsplaene-wen-und-wie-viele-betrifft-es-100.html
 (DIR) [3] /Allenfalls-noch-Basisabsicherung/!6172741
 (DIR) [4] /Proteste-gegen-Hartz-IV-im-Sommer-2004/!6027790
 (DIR) [5] /Merz-leck-Eier-Banner-an-der-TU-Berlin/!6167434
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Maier
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Demonstrationen
 (DIR) Sozialpolitik
 (DIR) Gewerkschaft
 (DIR) Ines Schwerdtner
 (DIR) Elif Eralp
 (DIR) Wirtschaftsweisen
 (DIR) Friedrich Merz
 (DIR) Awo
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Die Wirtschaftsweisen und Sozialpolitik: Wählerfrust ist unvermeidbar
       
       Die Wirtschaftsweisen schlagen Sparmaßnahmen für die Sozialkassen vor, die
       für Ärger sorgen würden. Das allein sollte aber nicht ausschlaggebend sein.
       
 (DIR) Kanzlerbesuch beim DGB: Mit Pfiffen gegen erzieherische Ratschläge
       
       Der Bundeskanzler erntet bei den Gewerkschaften lautstarke Kritik für seine
       Reformagenda. Auch Arbeitsministerin Bas muss sich eine Mahnung anhören.
       
 (DIR) Awo-Chef über Sozialabbau: „Der Markt allein wird das nicht regeln“
       
       Überschuldete Kommunen seien ein Kernproblem für den Sozialstaat, sagt
       Michael Groß, Chef der Arbeiterwohlfahrt. In der SPD findet er kaum mehr
       Gehör.