# taz.de -- Konkurrenz im Fernverkehr: Bahn warnt vor Italo und Flixtrain
> Die Nervosität der Bahn wegen Konkurrenz im Fernverkehr steigt: Es
> drohten überfüllte Trassen und abgehängte Prärie. Fachleute fordern mehr
> Wettbewerb.
(IMG) Bild: Kommt Italo nach Deutschland?
62,1 Prozent im März, 64,4 Prozent im April – und im Mai erreichten nur
noch 61,3 Prozent der ICE- und Intercity-Züge der Bahn ihr Ziel
„pünktlich“. Laut Definition des bundeseigenen Konzerns ist das nicht mehr
als 6 Minuten zu spät. Weil das auch heißt, dass fast vier von zehn
Fernverkehrszügen nicht pünktlich sind und weil das nur eine der vielen
Schwächen des notorischen Problemkonzerns Bahn ist, begrüßen es viele
Expert*innen, dass mit Flixtrain und Italo nun gleich zwei Anbieter dem
schwächelnden Quasi-Monopolisten Paroli bieten wollen.
Aber: Geht das überhaupt? Die Chefs der Deutschen Bahn betonen dieser Tage
zwar stets, dass Wettbewerb gut sei, das Geschäft belebe und Innovationen
fördere. Aber dann folgen Warnungen: vor überlasteten Bahntrassen,
überbuchten Knotenpunkten und abgehängter Prärie.
Bahnchefin Evelyn Palla unkte am Montagabend gar gegenüber Journalisten in
Berlin, ein „ungesteuerter Wettbewerb“ könnte sich „am Ende womöglich für
die Mehrheit negativ auswirken“. Wenn Konkurrenten durch veränderte
Wettbewerbsregeln der Bahn lukrative Strecken wegschnappten, könne das zur
Folge haben, dass nicht so stark nachgefragte Fernverkehrsfahrten in die
Fläche wegfallen.
Noch hat der bundeseigene Konzern im Fernverkehr auf der Schiene einen
Marktanteil von rund 95 Prozent. Aber das soll sich ändern. So sollen Züge
des [1][Bahn- und Fernbusbetreibers Flix] auf der Strecke zwischen Berlin
und Hamburg ab 2027 bis zu zehnmal täglich im Zwei-Stunden-Takt fahren.
Auch die Zahl der wöchentlichen Flixtrain-Verbindungen zwischen Hamburg und
Köln sowie zwischen Berlin und Leipzig soll verdoppelt werden. Ab 2028
will das Unternehmen auch München ansteuern – und hat bereits 65 Züge beim
spanischen Hersteller Talgo bestellt.
Nachfrage soll um 40 Prozent wachsen
Auch das italienische Unternehmen Italo drängt ab dem Frühjahr 2028 auf den
deutschen Markt – und zwar offensiv als Bahn-Angreifer. Italo, mitgegründet
vom ehemaligen Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo, will die Strecken
München–Frankfurt–Köln–Dortmund im Stundentakt und München–Berlin–Hamburg
alle zwei Stunden fahren. Dafür will das Unternehmen 30
Hochgeschwindigkeitszüge für 56 tägliche Zugverbindungen auf die Gleise
schicken. „Wenn das Monopol der Deutschen Bahn fällt und wir hier einen
echten Wettbewerb schaffen, kann die Nachfrage um 40 Prozent wachsen –
mindestens“, frohlockt Italo.
[2][„Für uns als Infrastrukturbetreiber ist es völlig egal, welche Farbe
die Züge haben“], gibt sich auch der Chef der für die Netze zuständigen
Bahnsparte DB InfraGo, Philipp Nagl, gelassen. Um dann zu betonen: Die
neuen Wettbewerber würden „zu Chaos führen, besonders in Deutschland, wo
das Netz ohnehin an vielen Stellen am Limit ist und es zahlreiche Engpässe
gibt“.
„Eigentlich haben wir die Trassen nicht“, gibt ihm Bahnexperte Christian
Böttger recht, der an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft
lehrt. „Die Knoten im deutschen Bahnnetz sind überlastet“, meint Böttger.
„Also müsste man die Trassen entweder Betreibern wie der DB Fernverkehr
wegnehmen oder Trassen im Regionalverkehr streichen – da werden die Länder
Widerstand leisten“.
Grundsätzlich ist er trotzdem für mehr Wettbewerb: „So schlecht wie DB
Fernverkehr ist, würde etwas Konkurrenz guttun“, betont Böttger.
## „Politik muss sich zur Bahn bekennen“
„Konkurrenz ist gut, sie darf aber nicht zulasten der anderen
Verkehrsträger gehen“, sagt auch Alexander Kaas Elias, Bahnexperte beim
ökologisch orientierten Verkehrsclub VCD. Als Beispiel für die Folgen der
[3][Überlastung der Trassen] für die Bahnkund*innen nennt Kaas Elias
eine neue ICE-Verbindung, die aus Berlin kommend zwischen Nürnberg und
Stuttgart verläuft: Standzeiten gleich für mehrere Regionalzüge, die dem
ICE den Vortritt lassen müssen.
„Die Politik muss sich klar zur Bahn bekennen – und investieren“, betont
Kaas Elias. „Wenn bei der Straße ein paar Milliarden fehlen, wird das
finanziert, bei der Schiene aber nicht.“ Auch wenn es dauere, gehe kein Weg
am Aus- und Neubau von Trassen vorbei.
Der Einstieg von Italo ins deutsche Fernverkehrsnetz könne richtig
reguliert sinnvoll sein, meint Kaas Elias: „Wenn der Wille da ist, finden
sich bestimmt Wege, längerfristige Rahmenverträge auszugestalten.“
Die Angst der Bahn vor der neuen Konkurrenz ist möglicherweise berechtigt:
In den kommenden Wochen entscheidet die Bundesnetzagentur über einen Antrag
von Italo, sich die milliardenschwere Investition in 40
Hochgeschwindigkeitszüge mit mehrjährigen Garantien für bestimmte Trassen
absichern zu lassen.
Klar ist: Juristisch haben die Wettbewerber grundsätzlich das Recht, das
deutsche Schienennetz zu nutzen. Deshalb könnte die Bahn InfraGo dazu
gezwungen werden, den Anteil der Kapazitäten zu begrenzen, der von
einzelnen Unternehmen wie der DB Fernverkehr genutzt werden darf. Ob sich
Italo darauf einlässt, ist unklar.
2 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-Grossaktionaere-bei-Flix/!6021737
(DIR) [2] https://www.rnd.de/wirtschaft/uns-egal-welche-farbe-die-zuege-haben-doch-bei-italos-plaenen-wird-db-chef-kritisch-UJYS4XTXNNDYNGHS32MPIEJ3PI.html
(DIR) [3] https://www.lok-report.de/news/deutschland/verkehr/bundestag-standzeiten-im-regionalverkehr-durch-neue-ice-verbindung.html
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