# taz.de -- Bundesnetzagentur zu Italo-Einstieg: Deutsche Bahn muss Platz machen
       
       > Auf vielbefahrenen Strecken soll die DB in Zukunft Kapazitäten an die
       > Konkurrenz vergeben, sagt die Bundesnetzagentur. Das kommt nicht überall
       > gut an.
       
 (IMG) Bild: Hier gibt’s Platz für mehr Verkehr, Zug um Zug
       
       Wenn es nach der Bundesnetzagentur geht, muss die Deutsche Bahn auf
       wichtigen Strecken mehr Platz für Konkurrenz machen. In der Debatte über
       das italienische Bahnunternehmen Italo, das ab April 2028 im deutschen
       Fernverkehr auf der Schiene mitmischen will, erklärte die Bonner Behörde am
       Dienstag, dass die DB InfraGo nur 60 bis 75 Prozent der Kapazitäten auf
       hochausgelasteten Strecken an ein einziges Unternehmen vergeben darf. Im
       Umkehrschluss bedeutet das: Die DB InfraGo, Infrastrukturtochter der
       Deutschen Bahn, soll 25 bis 40 Prozent der Kapazitäten dort der
       DB-Konkurrenz zusprechen.
       
       „Wir stärken den Wettbewerb im Fernverkehr“, teilte Klaus Müller, Präsident
       der Bundesnetzagentur, am Dienstag mit. „Für Bahnkunden bedeutet Wettbewerb
       [1][bessere Qualität und niedrigere Preise].“ Zugstrecken werden in
       Deutschland bisher jedes Jahr aufs Neue vergeben – von der DB InfraGo unter
       Aufsicht der Bundesnetzagentur. Das erschwere DB-Wettbewerbern die Planung,
       sagte Müller. Die von der Bundesnetzagentur vorgeschlagene
       Wettbewerberklausel solle das ändern.
       
       Hintergrund der Empfehlung ist eine Beschwerde des italienischen
       Zugbetreibers darüber, dass die DB InfraGo den Fernverkehrsunternehmen
       keine Rahmenverträge anbietet, die Planungssicherheit liefern könnten. Laut
       Bundesnetzagentur muss die DB-Tochter das auch in Zukunft nicht tun –
       mindestens nicht bis 2031. Dann nämlich will die EU-Kommission die
       Streckenvergabe in Europa ohnehin neu regeln.
       
       Ob Wettbewerb den Fahrgästen zugutekommt, ist umstritten. Die DB selbst
       hatte in den vergangenen Wochen immer wieder damit gedroht, Verkehr auf
       weniger rentablen Strecken ausdünnen zu müssen, wenn andere Unternehmen auf
       die Hauptstrecken drängen.
       
       ## Grüne für Wettbewerb – und mehr Geld für die Schiene
       
       Mit diesem Argument lehnte die DB InfraGo auch am Dienstag die
       Quotenregelung für hochbelastete Strecken ab – sie wolle aber prüfen, „wie
       eine solche Regelung sinnvoll ausgestaltet werden kann“, heißt es in einer
       Mitteilung. Laut Bundesnetzagentur ist die DB InfraGo dafür verantwortlich,
       eine konkrete Quote im Rahmen der vorgeschlagenen 60 bis 75 Prozent
       festzulegen.
       
       Die Eisenbahngewerkschaft (EVG), die für Freitag [2][den Start einer
       Werbekampagne gegen den „ungeregelten Markeintritt“ von Italo angekündigt]
       hatte, schlägt ähnliche Töne wie die DB an. Ihr Vorschlag: sogenannte
       Paketlösungen bei der Trassenvergabe – also die Verpflichtung, auch
       Verbindungen in der Fläche zu übernehmen –, die „mehr Wettbewerb
       ermöglichen, ohne Regionen abzuhängen“.
       
       Die Bundesregierung müsse den [3][Aus- und Neubau der Schiene so
       finanzieren], dass mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert
       werden kann, findet Grünen-Politikerin Paula Piechotta. Und der Bund müsse
       den Wettbewerbern gleiche Chancen garantieren.
       
       Der Entschluss der Bundesnetzagentur soll noch heute an den
       Eisenbahninfrastrukturbeirat gehen, der in den kommenden zwei Wochen
       Rückmeldung geben soll. Parallel werden das Bundeskartellamt und die
       Monopolkommission angehört. Im Anschluss soll die Bundesnetzagentur eine
       finale Entscheidung treffen.
       
       30 Jun 2026
       
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