# taz.de -- AfD und CDU streichen Fördergelder: Landrätin will Bürger über AfD-Förderstopp abstimmen lassen
> „Demokratie leben“ förderte Projekte im Ilm-Kreis. Ein Antrag der AfD im
> Kreistag stoppt das. Landrätin Petra Enders setzt nun auf direkte
> Demokratie.
(IMG) Bild: Landrätin Petra Enders: „Der Förderstopp spart dem Landkreis keinen Cent Geld, aber stellt viele Projekte infrage“
Eine Sache ist Landrätin Petra Enders (parteilos) besonders im Gedächtnis
geblieben. „Es wurde geklatscht und gejohlt, als der Antrag der AfD
angenommen wurde.“ Darin hatte die AfD gefordert, kein Fördergeld mehr aus
dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ anzunehmen. Oder wie Enders es
gegenüber der taz beschreibt: Engagierten Menschen im Ilm-Kreis in
Thüringen Geld zu entziehen. Aber sie habe noch Hoffnung, dass
Bürger:innen den Kreistags-Beschluss überprüfen.
Am Mittwoch in der vergangenen Woche beriet der Kreistag des Ilm-Kreises
über den Finanzhaushalt für das Jahr 2026. Die AfD stellt dort zwar die
größte Fraktion, aber mit 13 von 45 Mitgliedern nicht die Mehrheit.
Trotzdem ging der Antrag gegen „Demokratie leben“ durch, weil Mitglieder
der CDU/FDP-Fraktion und der Freien Wähler dafür stimmten oder sich
enthielten.
Welche Folgen das hat? Auf Anfrage der taz erklärt Landrätin Enders: „Der
Ilm-Kreis spart durch diesen Stopp des Programms ‚Demokratie leben‘ keinen
einzigen Cent, da es komplett aus Bundes- und Landesmitteln finanziert
wird.“ Stattdessen verlören Jugendprojekte Unterstützung. „Leuchttürme
unserer Region wie die Internationale Woche der Studierenden in Ilmenau
werden beschädigt“, warnt sie.
Auch die AfD räumte in ihrem Antrag ein, dass es bei „Demokratie leben“ nur
um Geld geht, das vom Bund und dem Land Thüringen über den Kreis an
Projekte verteilt wird. Trotzdem handle es sich um Steuergeld, das „meist
ideologisch gebunden eingesetzt“ werde, behauptet die AfD. Tatsächlich
arbeitet sie bereits überregional daran, [1][Demokratieprojekten
systematisch die Gelder zu streichen].
## „Erschreckendes Signal“
Petra Enders ist seit 2012 Landrätin des Ilm-Kreises. Als solche leitet sie
die Verwaltung und es ist ihre Aufgabe, die Beschlüsse des Kreistags zu
vollziehen. Anders als etwa im Bundestag oder in Landtagen hat sie als
Chefin der Exekutive aber nicht unbedingt eine Mehrheit des „kleinen
Parlaments“ hinter sich. Nicht die Mitglieder des Kreistags wählen die
Landrät:innen, sondern in Thüringen übernehmen das die Bürger:innen des
Kreises alles sechs Jahre ganz unmittelbar bei einer Direktwahl.
Der Beschluss gegen „Demokratie leben“ sei ein „erschreckendes Signal“,
sagt Enders, da CDU, FDP und Freie Wähler der AfD zur Mehrheit verholfen
hätten. Die drei Parteien hätten sich damit „zu Steigbügelhaltern einer
Politik machen lassen, die unsere demokratischen Werte vom Grunde her
ablehnt“, kritisiert die Landrätin.
Mit dem Förderprogramm „Demokratie leben“ möchte die Bundesregierung nach
eigenen Angaben zu einem friedlichen und respektvollen Zusammenleben
beitragen. Geld über das Programm bekommen demnach Projekte, die
gesellschaftliche Teilhabe fördern und Arbeit gegen gruppenbezogene
Menschenfeindlichkeit leisten. Bundesweit waren dafür vergangenes Jahr 191
Millionen Euro vorgesehen.
Der Ilm-Kreis erhielt [2][140.000 Euro vom Bund] und als Kofinanzierung
[3][50.000 Euro vom Freistaat Thüringen]. In diesem Jahr sollte mit dem
Geld laut Enders etwa eine Diskussionsveranstaltung rund um das Thema
Erinnerungskultur oder ein Kinder- und Jugendfestival gefördert werden. Nun
müssen die Veranstalter:innen auf das Geld verzichten.
Lars Oschmann (CDU), Vorsitzender der CDU/FDP-Fraktion, sagt, einige seiner
Mitglieder wünschten sich mehr Transparenz bei der Vergabe der Mittel.
Bislang habe diese ein Extra-Ausschuss verteilt, der Kreistag hatte „kein
Mitbestimmungsrecht“, klagt Oschmann gegenüber der Tageszeitung [4][Freies
Wort]. Auf eine taz-Anfrage reagierte er nicht.
Enders entgegnet auf die Kritik, ein Begleitausschuss von Akteuren der
Zivilgesellschaft habe, wie vom Bund festgelegt, darüber entschieden, was
mit dem Geld passiere. „Auch das ist gelebte, direkte Demokratie“, findet
die Landrätin.
Zudem habe der Begleitausschuss den Sozialausschuss des Kreistags
regelmäßig über seine Entscheidungen informiert. Im Sozialausschuss des
Kreistags „wurden sowohl große als auch kleine Projekte von ‚Demokratie
leben‘ immer ausführlich und transparent vorgestellt, auch bezüglich der
Ziele und finanziellen Mittel“, sagt Enders.
Die Landrätin hege allerdings noch Hoffnung, dass die Bürger:innen des
Kreises „diese Entscheidung mit einem Bürgerentscheid überprüfen lassen“.
Das sei denkbar, weil dem Ilm-Kreis durch „Demokratie leben“ keine Kosten
entstünden.
Demokratiefördernde Projekte seien aktuell besonders wichtig, glaubt
Enders. „Wir haben in dieser Gesellschaft verlernt, wie politische
Auseinandersetzungen zu führen sind.“ Sachliche, konstruktive
Auseinandersetzungen seien kaum möglich. Stattdessen sei die Debatte
geprägt von persönlichen Verletzungen. „So funktioniert Demokratie nicht.“
2 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Rechtsextreme-gegen-Zivilgesellschaft/!6156330
(DIR) [2] https://www.demokratie-leben.de/resource/blob/286228/512869072b88664ce16f4473e7ca7551/260520-uebersicht-bewilligte-projekte-fp3-2026-data.pdf
(DIR) [3] https://denkbunt-thueringen.de/wp-content/uploads/2026/04/Bewilligungen-Landesprogramm-2025.pdf
(DIR) [4] https://www.insuedthueringen.de/inhalt.geld-gestrichen-warum-rettete-cdu-das-demokratieprojekt-nicht.4e8f36d6-9d8c-4fff-966e-7f07646e1608.html
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(DIR) David Muschenich
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