# taz.de -- AfD in Berlin: Spektakel ohne Machtoption
       
       > Beflügelt von einem Umfragehoch startet die Berliner AfD in den
       > Wahlkampf. Punkten will sie auch mit dem Thema Mieten – und fordert
       > „Remigration“.
       
 (IMG) Bild: Berlins AfD-Chefin Kristin Brinker bei Parteitag: mit Rassismus gegen die Wohnungskrise
       
       Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Berliner AfD das Thema Mieten
       für sich entdecken würde. Jetzt, gut drei Monate vor der [1][Wahl zum
       Abgeordnetenhaus,] ist es so weit. Die Wohnungsfrage sei nun mal „heiß
       umkämpft“, sagt Berlins AfD-Vorsitzende Kristin Brinker am Dienstag in
       einem Besprechungsraum im Parlament. Dort präsentiert sie die Ideen der AfD
       für die Vergabe von öffentlichem Wohnraum.
       
       Und die haben es in sich: „Wohnraum zuerst für Berliner“ heißt der Antrag,
       den die Fraktion an diesem Donnerstag ins Plenum des Abgeordnetenhauses
       einbringen möchte. Er sieht ein „Einheimischenmodell“ vor. Demnach sollen
       Menschen, die „etwas leisten“ und seit Langem in Berlin leben, bei der
       Vergabe bevorzugt werden. Zum Beispiel, sagt Brinker, „Busfahrer,
       Feuerwehrleute, Krankenpfleger oder der normale Taxifahrer“. Dafür hat man
       sich ein Punktesystem überlegt – „rechtssicher und ausgefeilt“, wie
       Fraktionsvize Alexander Bertram behauptet.
       
       Das darf getrost bezweifelt werden. Dennoch: Der Antrag ist der
       durchschaubare Versuch, die Frustration über die Wohnungskrise abzugreifen
       und [2][mithilfe von Rassismus in Wählerstimmen umzumünzen]. Das
       untermauert das Erklärvideo, das die AfD mitliefert. Darin suchen der
       fiktive Feuerwehrmann Lukas und seine Freundin Lina erfolglos eine Wohnung,
       weil Shisha-rauchende „Transferleistungsbezieher“ und vollverschleierte
       „Geflüchtete“ vor ihnen zum Zug kommen.
       
       Klassische AfD-Rhetorik also, mit der die Landespartei in den Wahlkampf
       startet. Die Wahl am 20. September gilt in der Partei als schwierigste in
       diesem Jahr. Während sich die rechtsextremen Parteifreunde in
       Sachsen-Anhalt [3][Hoffnungen auf die absolute Mehrheit machen] und man
       auch in Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft werden könnte, stellt Berlin
       als Großstadt mit starken Kontrasten zwischen den Bezirken die AfD
       traditionell vor Schwierigkeiten. Eigentlich.
       
       ## Eine Partei im Umfragehoch
       
       Denn auf einmal mischt man auch hier mit im Rennen um Platz eins. In
       jüngsten Umfragen [4][kommt die AfD auf 18 Prozent], nur knapp hinter CDU
       und teils gleichauf mit, teils gar vor Grünen und Linken. Bei der
       Wiederholungswahl 2023 hatte die Partei 9 Prozent der Stimmen erzielt.
       
       Entsprechend selbstbewusst gibt man sich inzwischen. Beim Landesparteitag
       am vergangenen Wochenende im Stahlpalast in Brandenburg an der Havel rief
       der Berliner Bundestagsabgeordnete Hannes Gnauck das Ziel Wahlsieg aus:
       „Unser Anspruch ist nicht Platz zwei!“ Die Ambitionen untermauert auch die
       Landesliste, die bereits im vergangenen Herbst nominiert wurde. 35
       Kandidat*innen schickt die AfD ins Rennen. Aktuell hat die Fraktion –
       die kleinste im Parlament – 16 Mitglieder.
       
       Die Liste zeigt auch: Die Zeiten, in denen die Berliner AfD als „gemäßigt“
       gelten durfte, sind längst vorbei. Parteichefin und Spitzenkandidatin
       Kristin Brinker sitzt [5][dank eines Pakts mit der
       völkisch-nationalistischen Strömung] fest im Sattel. Auf weiteren vorderen
       Listenplätzen stehen mit Alexander Bertram, Rolf Wiedenhaupt und Jeanette
       Auricht Politiker*innen, die dem offiziell aufgelösten völkischen „Flügel“
       nahestehen. Und mit den ehemaligen „Junge Alternative“-Funktionären Martin
       Kohler und Jan Streeck finden sich dort auch zwei Akteure aus dem
       Burschenschaftsmilieu mit scharfer „Remigrations“-Rhetorik.
       
       Beim Parteitag ließ sich Brinker, die bereits als Spitzenkandidatin
       feststand, noch zum – Achtung, Gendern ist tabu! – „offiziellen Kandidaten
       für das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin“ wählen. Für den
       Showeffekt geschah das per Akklamation, die Delegierten erhoben sich von
       ihren Plätzen für die Kür.
       
       Dabei ist trotz allen Spektakels recht klar, dass die AfD auch nach einem
       starken Abschneiden keine Machtoption hat. Niemand will mit ihr koalieren.
       Brinker bemühte sich in ihrer Rede zwar, daran Zweifel zu säen, und
       behauptete, in der CDU werde hinter den Kulissen über eine Zusammenarbeit
       mit der AfD gestritten. Doch die CDU dementierte umgehend: „Das ist
       Unsinn“, erklärte Generalsekretärin Ottilie Klein am Mittwoch gegenüber der
       taz. „Gespräche mit der AfD gab und gibt es nicht. Die CDU hat einen
       Unvereinbarkeitsbeschluss. Dieser gilt.“
       
       ## „Remigration“ und „chemische Kastration“
       
       Besonders anschlussfähig gibt sich die AfD mit ihrem Wahlprogramm ohnehin
       nicht. Darin setzt die Partei auf altbekannte Ausländer-raus-Politik, Law
       and Order, Disziplinierung an Schulen und einige abstruse Vorschläge. Der
       Verfassungsschutz, der den Berliner Landesverband [6][bislang nicht als
       „gesichert rechtsextremistisch“ führt], dürfte auch genau hinschauen.
       
       Ein Überblick: Die AfD fordert einen Aufnahmestopp für Asylsuchende und
       will ein „Landesamt für Einwanderung, Asyl und Remigration“ – mit „klarer
       Priorität auf Rückführungen“. Beim Thema Wohnen will man nicht nur wie
       beschrieben „Einheimische“ bevorzugen, sondern auch Eigentum begünstigen –
       indem die Besitzstände der landeseigenen Wohnungsunternehmen privatisiert
       werden und aus den Gewinnen Neubau gefördert wird.
       
       In „Problemvierteln“ sollen Polizeikontrollen ohne Anlass möglich sein,
       ebenso wie nächtliche Ausgangssperren für jugendliche Intensivtäter. Dafür
       soll die Polizei Verstärkung bekommen durch eine „Bezirkspolizei“, die
       Durchsuchungen und Personenkontrollen durchführen können soll. Zumindest
       dieser Vorschlag war beim Parteitag umstritten, erhielt aber eine Mehrheit.
       Außerdem will man „Aufklärung über die Möglichkeit der chemischen
       Kastration für Sexualstraftäter in den JVA“.
       
       An Schulen sollen Deutschlandfahnen wehen, geschlechtergerechte Sprache
       soll verboten werden ebenso wie Sexualerziehung „über Formen des
       Lustgewinns“. Dafür soll es mehr Fleisch in Schulkantinen geben sowie
       „Heimatkunde“ an Grundschulen.
       
       ## Extrem unbeliebt bei jungen Berliner*innen
       
       Beim Parteitag wurde außerdem [7][die neue Jugendorganisation Generation
       Deutschland (GD)] offiziell in die Satzung aufgenommen. Dem Parteinachwuchs
       dürfte im Wahlkampf eine wichtige Rolle zukommen, weil erstmals auch 16-
       und 17-Jährige auf Landesebene wahlberechtigt sind. Doch die AfD ist unter
       jungen Berliner*innen unbeliebt. Bei der U18-Bundestagswahl 2025
       [8][schnitt die AfD in Berlin von den im Parlament vertretenen Parteien am
       schlechtesten ab]. Eine „Jungwählerkampagne“ der GD soll es nun richten.
       
       Auch in den Bezirken hofft die AfD, nach den Wahlen besser dazustehen.
       Aktuell gibt es berlinweit nur einen AfD-Stadtrat. Das könnte sich ändern.
       Damit der Zugriff auf die Verwaltungen und Ämter dann nicht am Mangel an
       qualifiziertem Personal scheitert, hat die Partei schon Vorkehrungen
       getroffen: 2025 wurde der „Verein konservativer Bezirkspolitiker in Berlin“
       gegründet. Offiziell ist er überparteilich, aber im Vorstand sitzen
       Berliner AfD-Funktionäre wie Alexander Bertram. Der Verein bietet
       Schulungen und Fortbildungen zu kommunalpolitischen Themen an. Man will
       vorbereitet sein, sollte es irgendwie klappen mit dem Mitregieren.
       
       3 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [6] https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-senat-will-gesetz-andern-verfassungsschutz-soll-uber-extremismusverdacht-reden-durfen--auch-uber-die-afd-13716721.html
 (DIR) [7] /Berliner-AfD-Jugend/!6152244
 (DIR) [8] /U18-Wahl-in-Berlin-und-Brandenburg/!6066893
       
       ## AUTOREN
       
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