# taz.de -- Misshandlung von Aktivisten: „Das tat fürchterlich weh. Ich konnte nur noch hüpfen“
> Engin Dogan ist deutscher Staatsbürger und fuhr auf der Gaza-Flotilla
> mit. Gegen das israelische Militär erhebt er gegenüber der taz schwere
> Vorwürfe.
(IMG) Bild: Aktivisten der Global Sumud Flotilla, die von israelischen Streitkräften festgesetzt worden waren, bei ihrer Ankunft am Flughafen in Istanbul am 21. Mai
Auch der jüngste Versuch der Aktivisten der Global Sumud Flotilla (GSF),
Gaza auf dem Seeweg zu erreichen, scheiterte. [1][Die Hilfsmission] endete
für die Aktivisten in „Misshandlungen, Übergriffen und Folter“ durch
Soldaten der israelischen Streitkräfte. So lauten jedenfalls die Vorwürfe
der GSF-Organisatoren, die sie in diesen Tagen immer deutlicher gegen
Israel erheben.
Was ist passiert? Israels Außenministerium hatte in der Nacht auf den 20.
Mai offiziell mitgeteilt, es habe die aus 51 Booten bestehende
Gaza-Hilfsflotte vor Zypern „vollständig gestoppt“ und „alle 430 Aktivisten
auf israelische Schiffe verbracht“. Sie kämen nach Israel, „wo ihnen die
Möglichkeit gegeben wird, Kontakt zu konsularischen Vertretern
aufzunehmen“, hieß es dazu weiter. [2][Die GSF war zuvor von Marmaris in
der Türkei aus in See gestochen]. Seit der Machtübernahme durch die
militante Hamas 2007 gibt es eine anhaltende Seeblockade des
Küstenstreifens.
Mittlerweile sind alle GSF-Aktivisten aus verschiedenen Ländern aus Israel
ausgeflogen worden. Zunächst kamen sie nach Istanbul und berichteten
gleich, was ihnen auf einem der beiden israelischen Marineschiffe, die an
der Operation im östlichen Mittelmeer teilnahmen, und anschließend auf
israelischem Boden widerfahren ist: Gummigeschosse seien „aus nächster
Nähe“ auf sie abgefeuert worden. Soldaten hätten mit elektrischen Tasern in
die Gesichter von festgenommenen Aktivisten und auf deren Oberkörper
gezielt. Sie hätten außerdem Blendgranaten „in Gruppen von Gefangenen“
geworfen.
Stundenlang hätten die Aktivisten „Folterpositionen unter grellem Licht
einnehmen“ müssen. Obendrein seien [3][muslimischen Aktivistinnen gewaltsam
die Kopftücher abgenommen worden]. Ferner hätten die israelischen Soldaten
„verschiedene Formen sexueller Gewalt“ ausgeübt, darunter „demütigende
Leibesvisitationen, sexuelle Verspottung, Begrabschen und Ziehen an den
Genitalien sowie Vergewaltigung“. 67 Personen hätten so schwere
Verletzungen erlitten, dass sie weiterhin einer Behandlung im Krankenhaus
bedürften, so die GSF-Organisatoren.
## Bundesregierung: „Vorwürfe müssen aufgeklärt werden“
Insbesondere das israelische Marineschiff „INS Nahshon“ sei mit einem
provisorischen Gefängnis aus Stacheldraht und Metallcontainern ausgestattet
gewesen. Dort habe es intensive Gewalt gegeben, so die Vorwürfe der
Gaza-Aktivisten. Auf dem „Folterschiff“, wie die GSF das Schiff nennt,
seien die Aktivisten „registriert“ und in abgedunkelte Container gebracht
worden. Dort hätten israelische Soldaten dann Mitglieder der Flotte
misshandelt. Die Gewalt habe sich nach der Ankunft im Hafen der Stadt
Aschdod sowie in einem Gefängnis in Israel fortgesetzt, so GSF.
Für weltweite Empörung und Disput auf diplomatischer Ebene – unter anderem
zwischen Berlin und Tel Aviv – hatte jedenfalls ein Video mit Israels
rechtsradikalem Polizeiminister Itamar Ben-Gvir als Protagonist gesorgt.
Das besagte Video aus Aschdod zeigt Ben-Gvir, eine israelische Flagge
schwenkend, zwischen gefesselten und knienden GSF-Aktivisten.
[4][„Willkommen in Israel, wir sind hier die Hausherren“, ruft er in dem
Video.]
Das Auswärtige Amt erklärte dazu auf taz-Anfrage: „Zu den Vorgängen um die
Global Sumud Flotilla ist das Auswärtige Amt mit der israelischen Seite
weiter, auch hochrangig, in Kontakt. Es ist die klare Erwartung der
Bundesregierung, dass die teils erheblichen Vorwürfe aufgeklärt werden
müssen. Die menschenwürdige Behandlung unserer Staatsangehörigen hat für
uns oberste Priorität.“
Verletzungen an Fuß und Bein
Das betrifft zum Beispiel Engin Dogan. Er sei einer der Gaza-Aktivisten,
die in Aschdod vor Ben-Gvir knien mussten, sagt er. Er ist deutscher
Staatsbürger, Streetartkünstler aus dem bayrischen Aschaffenburg. Sein
Profilbild bei Instagram ist ein rotes Dreieck. [5][Den einen gilt es als
Hamas-Symbol, andere behaupten, es stelle lediglich das rote Dreieck auf
der palästinensischen Fahne dar.] Am 18. Mai, seinem 42. Geburtstag, sei er
auf einem Schiff der Flotte von „superschwer bewaffneten“ israelischen
Streitkräften festgenommen worden, sagt er der taz. Er sei dann auf die
„INS Nahshon“ gebracht worden.
„Ich war die Nummer 136. Diese Zahl werde ich niemals vergessen“, sagt er
der taz. Auf dem Schiff sei er in einen dunklen Container gebracht worden.
Dort hätten „fünf oder sechs israelische Soldaten“ die Aktivisten, auch
ihn, „mit Faustschlägen“ angegriffen und „mit ihren schweren
Militärstiefeln getreten“. Bis heute habe er davon Schmerzen. Zwei
„Horrortage“ habe er auf dem Folterschiff verbracht. „Die haben uns
fertiggemacht“, klagt er.
Sein linker Fuß sei von einem Gummigeschoss und sein rechtes Bein am
Schienbein von einer Schrotpatrone getroffen worden, sagt er. Die
verletzten Körperteile seien zudem mit Elektroschocks malträtiert worden,
immer wieder hätten die israelischen Soldaten gezielt auf die Wunden
getreten. „Das tat fürchterlich weh. Ich konnte nur noch hüpfen“, so Dogan
zur taz. Von Verletzungen an Fuß und Bein sendet er der taz Fotos.
## Gewalt auch an den Flughäfen in Bilbao und Wien
Glück im Unglück hatte der Flotilla-Aktivist Till-Mateo Schröder. Zwar
wurde der 25-jährige deutsche Staatsbürger ebenfalls von den israelischen
Streitkräften vor Zypern festgenommen. Der Düsseldorfer sei jedoch nicht
auf das nun berüchtigte Schiff „INS Nahshon“ gekommen, sondern auf das
zweite an der israelischen Operation teilnehmende, sagt er der taz. Er sei
unverletzt geblieben, fügt er hinzu. „Nur meine Handgelenke taten wegen der
Handschellen weh.“
Er habe sich, so Schröder weiter, wie andere Aktivisten aber „mehrmals vor
den israelischen Soldaten ausziehen“ müssen. Für Schröder reiner
Psychoterror. Die Gewalt, die gegen ihn und die weiteren Aktivisten verübt
worden sei, sei aber nicht „mit dem unermesslichen Leid“ der Palästinenser
zu vergleichen: Die würden „seit Jahrzehnten systematisch durch Israel
unterdrückt, gefoltert und sogar getötet. Wir leben.“
Zu Gewalt gegen die GSF-Aktivisten kam es auch bei deren Rückreise an den
Flughäfen im österreichischen Wien und spanischen Bilbao. Eine
Videoaufnahme zeigt, wie Polizisten mit Schlagstöcken auf bereits auf dem
Boden Liegende einschlagen, sie über den Boden schleifen. In Wien wurde ein
Aktivist von Polizisten überwältigt, fixiert und aus dem Terminal getragen.
28 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ferry Batzoglou
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