# taz.de -- „Waffenruhe“ im Gazastreifen: Netanjahu will 70 Prozent des Gazastreifens übernehmen
       
       > Israels Ministerpräsident plant, Israels militärische Kontrolle im
       > Gazastreifen auszuweiten. Die israelischen Angriffe dort gehen weiter.
       
 (IMG) Bild: Das Leid in Gaza geht weiter: Palästinenser drängen sich zum Opferfest an einem Verteilzentrum für gespendete Lebensmittel
       
       dpa/rtr | Israel will seine militärische Kontrolle über den Gazastreifen
       ausweiten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte laut einer von dem
       Sender Channel 12 mitgeschnittenen Rede, derzeit kontrolliere die Armee 60
       Prozent und seine Anweisung laute, auf 70 Prozent zu kommen.
       
       Auf den Zwischenruf eines Zuhörers, Israel solle 100 Prozent einnehmen,
       antwortete Netanjahu laut der Zeitung Times of Israel, man gehe „Schritt
       für Schritt“ vor – zuerst 70 Prozent, damit fange man an.
       
       Bei Inkrafttreten der [1][von den USA vermittelten Waffenruhe] im Oktober
       2025 lag der israelische Kontrollbereich noch bei 53 Prozent der Fläche.
       Das Palästinensergebiet umfasst eine Fläche von rund 365 Quadratkilometern
       und ist damit in etwa so groß wie München oder Bremen.
       
       ## Israelische Angriffe trotz „Waffenruhe“
       
       Israel und die islamistische Hamas werfen sich gegenseitig vor, die
       Waffenruhe zu verletzen. Erst am Mittwoch griff die israelische Armee nach
       eigenen Angaben im nördlichen Gazastreifen an. Die von der Hamas
       kontrollierte Gesundheitsbehörde teilte mit, mindestens fünf Menschen seien
       bei einem israelischen Luftangriff auf ein Haus in der Stadt Gaza getötet
       worden.
       
       Nach Angaben von Sanitätern gab es zudem 15 Verletzte. Den Behörden zufolge
       wurden seit der vereinbarten Waffenruhe mehr als 900 Menschen durch
       israelische Angriffe getötet. Die UN stuft diese Zahlen als zuverlässig
       ein. Im gleichen Zeitraum wurden nach ‌israelischen Angaben vier
       israelische Soldaten ‌getötet.
       
       Israel gab an, es habe am Mittwoch auf zwei ranghohe Mitglieder der
       islamistischen Terrororganisation Hamas gezielt. Kurz zuvor hatte die
       israelische Armee in Gaza nach eigenen Angaben den neuen militärischen
       Führer der Hamas im Gazastreifen bei einem Angriff getötet. Die Hamas
       bestätigte den Tod von Mohammed Odeh sowie von Mitgliedern seiner Familie.
       Mitte Mai hatte sie bereits [2][den Militärchef der Radikalislamisten,
       Essedin al-Haddad, mit einem Luftangriff getötet].
       
       ## Hamas stemmt sich gegen Entwaffnung
       
       Israel und die Hamas befinden sich weiter in einer Sackgasse bei den
       Verhandlungen über ⁠einen US-Plan für Gaza, der unter anderem den Rückzug
       israelischer Truppen und [3][die Entwaffnung der Hamas] vorsieht. Die Hamas
       fordert einen vollständigen Abzug der israelischen Armee aus dem
       Gazastreifen und weigert sich, einer überprüfbaren Entwaffnung zuzustimmen.
       Laut [4][Donald Trumps „Friedensplan“] ist das eine Voraussetzung, um einen
       zivilen Übergang in Gaza zu ermöglichen.
       
       [5][Nikolaj Mladenow,] Hoher Vertreter des von US-Präsident Donald Trump
       eingesetzten „Friedensrats“ für Gaza, warnte am vergangenen Donnerstag vor
       dem UN-Sicherheitsrat in New York, ohne eine Entwaffnung der Hamas und
       angesichts der anhaltenden Verletzungen der Waffenruhe drohe der „sich
       verschlechternde Zustand“ im Gazastreifen dauerhaft zu werden. Eine
       Finanzierung für den Wiederaufbau werde nicht kommen, solange die Waffen
       nicht niedergelegt seien.
       
       29 May 2026
       
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