# taz.de -- Global Sumud Flotilla: Libyen lässt vier Gaza-Aktivisten frei
> Vor knapp einem Monat wurde in Libyen ein Solidaritätskonvoi aufgehalten,
> der Richtung Gaza unterwegs war. Einige der Inhaftierten kommen jetzt
> frei.
(IMG) Bild: Noch sind nicht alle Gaza-Aktivisten frei: Aktion von Amnesty International in Rom am 18. Juni 2026
Einen Monat nach ihrer [1][Inhaftierung] haben die Behörden Ostlibyens am
Mittwoch vier Aktivisten der Global Sumud Flotilla freigelassen. Der
Tunesier Achraf Khoja, Matias Rodriguez aus Uruguay und Domenico Centrone
und Leonarda Alberizia aus Italien waren zusammen mit 230 anderen
Freiwilligen aus 20 Ländern im Juni von Tunesien aus in einem
Fahrzeugkonvoi in Richtung Gaza aufgebrochen.
Die in Algerien gestartete Initiative wollte Hilfsgüter an den
Grenzübergang Rafah bringen oder diese sogar in dem von israelischen
Sicherheitskräften abgeriegelten Gazastreifen verteilen.
Ähnlich wie der kurz zuvor gestartete Global-Sumud-Schiffs-Konvoi auf dem
Mittelmeer wurde die Aktion jedoch vor Ankunft gestoppt. Die 400
Freiwilligen auf den Schiffen waren von israelischen Kommandoeinheiten
verhaftet und nach Israel gebracht worden. Den Fahrzeugkonvoi umzingelten
Soldaten der libysch-arabischen Armee östlich der Hafenstadt Sirte. Das
Gebiet trennt die Machtbereiche Ost- und Westlibyens voneinander, nach dem
Bürgerkrieg von 2019 schweigen derzeit die Waffen.
Die Mehrheit des gestoppten Landkonvois kehrte nach Tripolis und Tunesien
zurück, doch einige Aktivisten wurden in die ostlibysche Provinzhauptstadt
Bengasi gebracht.
## In sozialen Medien als „Karneval“ verunglimpft
Offiziell wird den jetzt Freigelassenen und den sechs noch Inhaftierten
Sumud-Teilnehmern vorgeworfen, ohne die erforderliche militärische
Genehmigung in die Cyreneika-Provinz eingereist zu sein.
Doch in ostlibyschen und ägyptischen Medien wird eine andere Begründung
gegeben. Demnach seien die internationalen Teilnehmer wissentlich oder
unwissentlich Teil einer provokativen Mission der Muslimbrüderbewegung, die
von Algerien aus gesteuert worden sei.
Die Initiatoren hätten die Behörden in Ägypten und Ostlibyen gar nicht erst
kontaktiert und wollten diese nur bloßstellen. Weil einige der Teilnehmer
in Libyen unübliche kurze Hosen und „anzügliche“ Kleidung trugen, wird der
Konvoi in sozialen Medien oft als „Karneval“ verunglimpft.
Die Aktivisten weisen die Vorwürfe zurück, die Inhaftierten protestierten
mit einem Hungerstreik gegen die offenbar als Abschreckung gedachte Haft.
## Gaza-Solidarität im Spiel der ideologischen Konflikte
Sumud ist damit zwischen die Fronten des anhaltenden ideologischen
Konfliktes in Nordafrika geraten, der zunehmend auch die Solidarität mit
dem Schicksal der Palästinenser bestimmt.
Bengasi wird von [2][Feldmarschall Khalifa Haftar] kontrolliert, in
Westlibyen haben Milizen das Sagen, die mit dem international anerkannten
Premierminister Dabaiba verbündet sind.
Haftar ist unter anderem mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und
Ägypten verbündet, Tripolis sehen der 82-Jährige und seine Generäle als
Rückzugsort der Muslimbrüder und Islamisten. Sein 2019 begonnener
[3][Versuch, die Hauptstadt Tripolis zu erobern,] scheiterte an der zu
Hilfe gerufenen türkischen Armee.
Haftar pflegt mittlerweile auch gute geschäftliche Beziehungen zu Ankara
und hat selbst salafistische Einheiten in der von ihm und seinen Söhnen
befohlenen Armee. Den von seiner Armee aus Bengasi vertriebenen
islamistischen Milizen hatte sich auch palästinensische Freiwillige
angeschlossen. Die Solidaritätsaktion mit Gaza wird daher als Versuch der
Islamisten gesehen, wieder in Bengasi Fuß zu fassen.
26 Jun 2026
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