# taz.de -- Global Sumud Flotilla für Gaza: Aktivisten unter Verfolgungsdruck
       
       > Organisatoren der Global Sumud Flotilla für Gaza werden in Tunesien
       > verhaftet. Die Flotilla kann auf Solidarität in der Bevölkerung hoffen.
       
 (IMG) Bild: Solidaritätskundgebung für die Global Sumud Flotilla in Paris, Oktober 2025
       
       Auf dem Weg zum Hafen von Sidi Bou Saïd war die Stimmung am vergangenen
       Donnerstag noch gelassen. Das tunesische Organisationskomitee der Global
       Sumud Flotilla wollte zusammen mit Greta Thunberg und dem bekannten
       brasilianischen Menschenrechtsaktivisten Thiago Ávila den Helfern der
       Gaza-Solidaritätsaktion vom letzten Sommer danken.
       
       Doch das Treffen mit Hafenarbeitern in dem Vorort der tunesischen
       Hauptstadt endete für die Aktivisten mit einem Schock. Die Gruppe wurde von
       mit Helmen und Plastikschilden ausgerüsteten Polizeibeamten abgedrängt.
       Sechs tunesische Aktivisten wurden am nächsten Morgen verhaftet und sitzen
       seitdem in Untersuchungshaft.
       
       Am 31. August 2025 waren Dutzende Boote der [1][Global Sumud Flotilla] aus
       Barcelona in Richtung Gaza aufgebrochen. Aktivist:innen aus Italien und
       Tunesien schlossen sich der Aktion an, die weltweit für Aufsehen sorgte. In
       Thiago Avila wurden Medikamente und Lebensmittel für Gaza geladen.
       
       Tausende Tunesier strömten aus Solidarität mit der Zivilbevölkerung in Gaza
       in den kleinen Hafen.
       
       ## Die Flotilla schaffte es fast bis Gaza
       
       Doch kurz vor der Weiterfahrt brachen auf mehreren ankernden Schiffen Feuer
       und kleine Explosionen aus. Sie konnten schnell wieder gelöscht werden. Die
       Aktivisten machten Drohnenangriffe Israels dafür verantwortlich und
       forderten eine Antwort der Behörden. Die folgende Solidaritätsdemonstration
       in Zentrum von Tunis wurde als Wiedererstarken der tunesischen
       Zivilgesellschaft gefeiert, die in den Vormonaten durch Verhaftungen unter
       Druck geraten war.
       
       Die Behörden hatten die Vorbereitung der Flottilla stillschweigend
       unterstützt. Doch in einer ersten Stellungnahme bestritt das
       Innenministerium den Einsatz ausländischer Drohnen und machte Unachtsamkeit
       der Aktivisten für die Brände verantwortlich.
       
       Streit hatte es auch innerhalb der Bewegung zwischen liberalen und
       konservativen Teilnehmern gegeben. Doch das war alles vergessen, als es die
       internationale Grassrootsbewegung trotz weiterer Angriffe und Drohungen aus
       Israel tatsächlich fast bis Gaza schaffte, begleitet von mehreren
       europäischen Kriegsschiffen.
       
       Obwohl die Besatzungen schließlich [2][von der israelischen Armee
       festgesetzt] wurden, sahen die Organisatoren die Aktion als Erfolg. Ihre
       vorübergehende Inhaftierung in Israel und ihre Aussagen über die brutale
       Behandlung durch die Wärter schafften mediale Aufmerksamkeit für die
       katastrophale humanitäre Lage in Gaza. Das war das eigentliche Ziel der
       Aktion.
       
       ## Die nächste Flotilla soll noch größer werden
       
       Für Ende März ist eine noch größere Flotilla nach Gaza geplant. Von bis zu
       1.000 Freiwilligen ist in Kreisen der Aktivisten die Rede. Dass Sidi Bou
       Saïd auf dem Weg von Spanien nach Gaza diesmal wieder ein Zwischenstopp
       wird, soll offenbar verhindert werden.
       
       Die Organisatoren wären trotz eines behördlichen Verbots der Veranstaltung
       nach Sidi Bou Saïd gekommen, hieß es im Staatssender Watania am Freitag.
       Auch eine geplante Podiumsdiskussion mit Greta Thunberg und den anderen
       internationalen Gästen war untersagt worden.
       
       Unter den sechs verhafteten Organisatoren sind auch Jawaher Channa und Wael
       Naoura. Das Ehepaar hatte im Sommer auch ein Landkonvoi nach Gaza
       organisiert, der von ostlibyschen Behörden gestoppt wurde.
       
       Tunesische Medien berichten von finanziellen Unregelmäßigkeiten im Umgang
       mit den Spenden für die Global Sumud Flotilla als Grund für die
       Haftbefehle.
       
       ## Die Ziele der Ermittler bleiben unklar
       
       Mit Vorwürfen wie diesem und wegen Empfangs von Geldern aus dem Ausland
       sind zuletzt immer wieder Menschenrechtsaktivisten und Gründer von NGOs
       verhaftet worden. Oft sitzen die Angeklagten monatelang in
       Untersuchungshaft, bis konkrete Anklagen oder Beweise vorgelegt werden oder
       die Verfahren beginnen.
       
       Nach Meinung der Anwälte und Mitstreiter der Flotilla geht es den
       Ermittlern eher um die politischen Kontakte des Organisationskommittees.
       Kritiker der Global Sumud Flottilla werfen den Organisatoren Nähe zu den
       Muslimbrüdern vor, bisher, ohne dafür Beweise vorzulegen.
       
       Grund für das De-facto-Verbot der Solidaritätsaktion mit Gaza könnte auch
       ein für vergangenen Samstag geplanter Solidaritätsmarsch mit Iran sein.
       
       Nach einer gegen ihn gerichteten Kampagne in den sozialen Medien reiste der
       palästinensische Aktivist Seif Abu Kishk am Samstag aus Tunesien aus. Kishk
       hatte zuvor das Vorgehen der Sicherheitskräfte kritisiert. Der Brasilianer
       Thiago Ávila wurde nach seiner Ankunft in Brüssel aus bisher unbekannten
       Gründen am Samstag vorübergehend festgehalten.
       
       10 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Global-Sumud-Flotilla-fuer-Gaza-/!6109153
 (DIR) [2] /Was-von-der-Global-Sumud-Flotilla-bleibt/!6115496
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mirco Keilberth
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Gaza-Krieg
 (DIR) Tunesien
 (DIR) Palästina-Proteste
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Greta Thunberg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Aktivist:innen im Nahen Osten: Was von der Global-Sumud-Flotilla bleibt
       
       Israel deportiert die meisten der zuvor festgenommenen Aktivisten des
       Schiffskonvois. Ihr Ziel, den Gazastreifen, hatten sie nicht erreicht.
       
 (DIR) Gaza-Hilfsflottille: Die Untätigkeit der Bundesregierung
       
       Aktivisten der Gaza-Flottille berichten von „Folter“ im Gefängnis in
       Israel. Die Bundesrepublik habe sie widerrechtlich im Stich gelassen.
       
 (DIR) Massendemonstrationen in Italien: Für die Flotilla auf die Piazza
       
       Hunderttausende demonstrieren am Wochenende in Solidarität mit der
       Gaza-Flotilla – auch als Statement gegen die Positionierung der
       Meloni-Regierung.