# taz.de -- Rechtsradikaler israelischer Minister: Ben-Gvir sorgt für breite Empörung
       
       > Israels Polizeiminister postet Demütigung von Aktivisten der „Global
       > Sumud Flotilla“. Zuvor waren 430 Gaza-Aktivisten nach Israel verschleppt
       > worden.
       
 (IMG) Bild: Im Hafen von Aschdod, Israel, 20. Mai: Auf dem Armeeschiff sollen sich Aktivisten der „Global Sumud Flotilla“ befinden
       
       Nach einem Video [1][des israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir],
       das Gaza-Aktivisten auf demütigende Weise zeigt, hat das italienische
       Außenministerium den israelischen Botschafter einbestellt. „Das Video von
       Minister Ben-Gvir ist absolut inakzeptabel und verstößt gegen jeden
       elementaren Schutz der Menschenwürde“, schrieb Außenminister Antonio Tajani
       auf X.
       
       Auch der französische Außenminister Jean-Noël Barrot kündigte auf X die
       Einbestellung des israelischen Botschafters an, um die Entrüstung
       Frankreichs mitzuteilen und Erklärungen zu erhalten. Ben-Gvirs Verhalten
       sei nicht akzeptabel. Französische Teilnehmer der Gaza-Hilfsflotte müssten
       mit Respekt behandelt und so schnell wie möglich freigelassen werden,
       schrieb Barrot.
       
       Ben-Gvirs Video zeigt den Minister mit einer Gruppe Anhängern und eine
       israelische Flagge schwenkend zwischen gefesselten und knienden Aktivisten
       der internationalen Gaza-Hilfsflotte in der israelischen Hafenstadt
       Aschdod. „Willkommen in Israel, wir sind hier die Hausherren“, ruft er auf
       dem Video, auf dem er die Aktivisten auch verspottet.
       
       ## Israel stoppt insgesamt 51 Boote
       
       Israels Außenministerium hatte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch
       offiziell mitgeteilt, es habe die aus 51 Booten bestehende Gaza-Hilfsflotte
       vollständig gestoppt und „alle 430 Aktivisten auf israelische Schiffe
       verbracht“. Sie kämen nach Israel, „wo ihnen die Möglichkeit gegeben wird,
       Kontakt zu konsularischen Vertretern aufzunehmen“, hieß es. Das Ziel der
       „[2][Global Sumud Flotilla“] war es laut Organisatoren gewesen, „einen
       humanitären Korridor einzurichten und Israels illegale Blockade des
       Gazastreifens zu durchbrechen“.
       
       Ganze zwei Tage dauerte die Militäroperation im östlichen Mittelmeer. Sie
       hatte am Montag begonnen und fand am Dienstagabend etwa 80 Seemeilen vor
       der Küste Gazas ihren Abschluss. Informationen zufolge sollen israelische
       Soldaten Schüsse abgegeben haben. Dabei hätten sie zwei Schiffe ins Visier
       genommen. Unklar blieb zunächst, ob es Verletzte gab. Drei Schiffen sei es
       offenbar gelungen, den israelischen Streitkräften vorübergehend zu
       entkommen und weiter in Richtung Gaza zu fahren, sie wurden jedoch später
       gestoppt.
       
       Der Umgang mit den Aktivisten durch Ben-Gvir geht nun aber selbst manchen
       in der israelischen Regierung zu weit. Regierungschef Netanjahu schrieb,
       Ben-Gvirs Umgang mit den Aktivisten entspreche nicht „den Werten und Normen
       Israels“. Auch der israelische Außenminister Gideon Saar distanzierte sich
       auf X mit deutlichen Worten von seinem rechtsextremen Kabinettskollegen. Er
       habe „unserem Staat mit diesem beschämenden Auftritt wissentlich Schaden
       zugefügt – und das nicht zum ersten Mal“, schrieb Saar.
       
       ## „Offensichtliche Verstöße gegen das Völkerrecht“
       
       Das jüngste Vorgehen Israels hatte ohnehin schon heftige Reaktionen auf dem
       internationalen Parkett ausgelöst. Die Außenminister Spaniens, Jordaniens,
       Pakistans, Bangladeschs, Brasiliens, Indonesiens, Kolumbiens, Libyens, der
       Türkei sowie der Malediven verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung die
       Operation aufs Schärfste.
       
       Die Handlungen der israelischen Streitkräfte seien „offensichtliche
       Verstöße gegen das Völkerrecht“, so die Chefdiplomaten der zehn Länder.
       Auch Irland übte harsche Kritik. „Es ist inakzeptabel, dass irische
       Staatsbürger wegen einer Hilfsmission nach Gaza von Israel festgenommen
       werden“, sagte die irische Präsidentin Catherine Connolly. Ihre Schwester,
       die Ärztin Margaret Connolly, ist eine von zwölf irischen Staatsbürgern,
       die der IDF festgenommen hat.
       
       Das sehen die Regierungen der EU-Staaten Griechenland und Zypern offenbar
       anders: Sie schauten dem Treiben des IDF tatenlos zu. Und dies, obwohl sich
       die jüngste Mammutoperation in den für die Such- und Rettungsaktionen
       relevanten griechisch und zypriotisch kontrollierten Seeräumen, den
       sogenannten „Search and Rescue Areas“ (SAR), abspielten. Bereits am 30.
       April hatte der IDF vor Westkreta offenkundig nach Belieben in der
       griechischen Rettungszone agiert.
       
       ## Auch Deutsche unter den Aktivisten
       
       Mit beißender Ironie fragte die Initiative „March to Gaza Greece“ mit Blick
       auf die griechischen festgenommenen Aktivisten: „Braucht man als
       hellenischer Staatsbürger eine Erlaubnis von Israel, um von Hellas nach
       Zypern zu reisen? Gehört das Mittelmeer Israel?“ Diese Frage könnte auch
       die deutsche Bundesregierung an Tel Aviv stellen.
       
       Einer der deutschen Staatsbürger, die nun in Israel festgehalten werden,
       ist der Düsseldorfer Till-Mateo Schröder. Der 25-Jährige habe sich auf dem
       Schiff „Venus“ befunden, als die IDF angriff, wie sein Vater Hanns-Herweg
       Schröder der taz am Mittwoch sagte. „Unser letzter Kontakt war am
       Montagabend. Seither Funkstille. Wie kann es sein, dass der Staat Israel
       unbehelligt gegen meinen Sohn und alle anderen Aktivisten so vorgeht?“
       
       Die Flottille war am vorigen Donnerstag von Marmaris in der Türkei aus in
       See gestochen, um abermals zu versuchen, die seit 2007 andauernde Blockade
       von Gaza durch Israel zu durchbrechen. Nun ist also der dritte Versuch der
       Aktivisten gescheitert, Gaza zu erreichen.
       
       ## Der dritte gescheiterte Versuch
       
       Schon Ende 2025 wurde eine Hilfsflotte von der israelischen Marine
       gestoppt, damals war auch die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg
       an Bord.
       
       Zuletzt hatten in der Nacht auf den 30. April schwer bewaffnete
       Elitesoldaten rund 40 Seemeilen vor der Westküste Kretas 22
       Flottillen-Schiffe auf ihrer Fahrt nach Gaza geentert. 176 festgenommene
       Aktivisten wurden nach Kreta gebracht, darunter 31 Verletzte. Vom Flughafen
       Heraklion wurden sie in ihre Herkunftsländer zurückgeführt. Die Israelis
       hatten zudem zwei weitere Aktivisten zu [3][Befragungen nach Israel
       gebracht.]
       
       [4][Nur zehn Tage später] schob Israel den Spanier Saif Abu Keschek und den
       Brasilianer Thiago Ávila ab. Dies sei erst nach Abschluss der Ermittlungen
       gegen sie erfolgt, so das israelische Außenministerium. Israel werde
       „keinen Verstoß gegen die rechtmäßige Seeblockade des Gazastreifens
       zulassen“. (mit dpa)
       
       20 May 2026
       
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