# taz.de -- Landkonvoi für Gaza: Abgefangen in Zentrallibyen
> Pro-Palästina-Aktivisten, die auf dem Landweg nach Gaza wollten, werden
> in Libyen festgehalten. Sie sind auch Opfer des innerlibyschen
> Machtkampfes.
(IMG) Bild: Aktivist:innen der „Global Sumud Flotilla“ in der Nähe der libyschen Stadt Sirte, am 20. Mai 2026
Zehn in Richtung Gaza gestartete internationale Menschenrechtsaktivisten
bleiben nach der Entscheidung eines Gerichtes im libyschen Bengasi
weiterhin in Haft. Die mehrheitlich aus Europa und Südamerika kommenden
Teilnehmer des „Global Sumud“-Konvois waren zusammen mit 190 Mitstreitern
in einem Konvoi auf den Weg nach Gaza.
Die Lastwagen und Busse waren in Algerien gestartet und über Tunesien nach
Libyen gekommen. Ziel war der ägyptische Grenzort Rafah, wo bereits
tausende Tonnen Hilfsgüter von Organisationen lagern, denen die
israelischen Behörden die Erlaubnis entzogen hat, im Gazastreifen zu
arbeiten.
Zunächst hatte ein in Spanien gestarteter Schiffskonvoi versucht die
israelische Blockade zu brechen. Doch israelische Spezialeinheiten
[1][kaperten im Mai die mehr als 50 Boote], entführten die Besatzungen nach
Israel und deportieren sie nach [2][brutalen Verhören] nach Istanbul.
Gleichzeitig hatten die Planungen begonnen, auch mit einem Landkonvoi
mediale Aufmerksamkeit für die Lage in Gaza zu schaffen und zumindest
symbolische Hilfe für die Zivilbevölkerung zu leisten.
[3][Vor einem Jahr war dies in der geografischen Mitte des gespaltenen
Libyens bereits gescheitert]. Soldaten hatten damals den Konvoi auf offener
Landstraße festgesetzt und ihn schließlich zur Rückkehr nach Tunesien
gezwungen.
## Haftars Soldaten fangen den Konvoi ab
An fast derselben Stelle, östlich der Hafenstadt Sirte, tauchten am Montag
Uniformierte in Militärfahrzeugen auf, stoppten die „Global
Sumud“-Fahrzeuge und zerrten die Menschen auf die Landstraße.
Die unter dem Befehl von Ostlibyens Machthaber Khalifa Haftar stehenden
Soldaten zwangen einige Sumud-Teilnehmer auf die Ladeflächen ihrer
Pick-ups, andere mussten in ihren Fahrzeugen folgen oder in das Gebiet der
in Tripolis herrschenden Einheitsregierung zurückkehren. Die nun in Haft
sitzenden Teilnehmer sollen als „illegale Migranten“ abgeschoben werden,
ist aus Armeekreisen zu hören.
Libyen [4][ist derzeit zweigeteilt]. Im Westen regiert die international
anerkannte Regierung von Abdul Hamid Dabaiba, im Osten und Süden hat
Khalifa Haftar das letzte Wort, der in der Provinzhauptstadt Bengasi
jahrelang gegen den „Islamischen Staat“ und andere radikale Milizen
kämpfte. Seitdem sind Vertreter des politischen Islams in Ostlibyen
unerwünscht. Das gilt auch für die religiös-konservative Hamas.
„Libyen ist einer von vielen Beweisen dafür, dass Netanjahus Behauptung,
die gesamte arabische Welt stehe hinter Gruppen wie der Hamas, schlichtweg
falsch ist“, sagt Moutaz Mati, ein Journalist aus Tripolis.
## Libysche Medien warnten vor islamistischer Unterwanderung
Das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza sehen Libyer im ganzen Land als
Kriegsverbrechen. Doch nach dem Krieg in Bengasi und der anhaltenden
Herrschaft von Milizen in Tripolis sieht man auf den
israelisch-palästinensischen Konflikt mit Distanz. Zum Verhängnis wurde den
Sumud-Aktivisten, dass die humanitäre Lage in Gaza für den Machtkampf von
einigen der ehemaligen Kriegsparteien politisch missbraucht wird.
Radikale Gefolgsleute um den obersten Mufti, Sadiq Ghariani, hatten sich
dem diesjährigen Sumud-Konvoi angeschlossen und die internationalen
Teilnehmer im Mai motiviert, mit ihnen nach Bengasi und Ägypten zu reisen.
In libyschen Medien warnten die ostlibyschen Behörden bereits vor einer
„islamistischen Unterwanderung“ von Sumud.
Ghariani unterstellte daraufhin Haftar, mit Israel gemeinsame Sache zu
machen. „Die Grenze mit Israel verläuft nicht bei Tel Aviv, sondern Sirte“,
konterte Ghariani.
Der oberste Religionsführer aus Tripolis lehnt einen derzeit laufenden
US-amerikanischen Versuch, das Land wieder zu vereinen, strikt ab. Und
setzt auf Konfrontation mit Haftar, der mit den Vereinigten Arabischen
Emiraten verbündet ist.
„Den westlibyschen Organisatoren war klar, dass der Sumud-Konvoi in Sirte
gestoppt wird, und sie wollten es aus auch. Damit Haftar schlecht dasteht“,
sagte ein lieber anonym bleibender libyscher Journalist. „Nur die
internationalen Teilnehmer wussten dies nicht.“
4 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mirco Keilberth
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