# taz.de -- Suche nach exoplanetarem Leben: Was das Sternenlicht verrät
> Eine Heliumwolke, 50 Lichtjahre von der Erde entfernt, macht Hoffnung auf
> außerirdisches Leben. Aber wie entdeckt man so etwas überhaupt?
(IMG) Bild: Am Las-Campanas-Observatorium in Chile wurde die Entdeckung gemacht
Planeten jenseits unseres Sonnensystem zu beobachten ist ungefähr so, als
wollte man aus einigen Kilometern Entfernung erkennen, ob eine Mücke vor
einer Straßenlaterne vorbeifliegt. Die Astronomie muss dabei nur mit dem
Sternenlicht auskommen.
Schiebt sich ein Planet zwischen Stern und Teleskop, verändert es sich
kurz. Und auf genau diese Weise haben Astronom:innen jetzt eine
Heliumwolke entdeckt – jenes Gas, das Menschen piepsig klingen lässt, wenn
sie es aus einem Luftballon einatmen. Ein Lebenszeichen ist das nicht. Aber
die vielleicht beste Nachricht seit Jahren für alle, die eines suchen.
Veröffentlicht wurden die Erkenntnisse vergangene Woche im Fachmagazin
Science. Entdeckt wurde die Heliumwolke dank eines Observatoriums in Chile.
Das Gas umgibt den Planeten LHS 1140b, der in knapp 50 Lichtjahren
Entfernung einen roten Zwergstern umkreist. Das harvardgeführte
Forschungsteam [1][liest das entweichende Helium als oberste Schicht einer
Atmosphäre].
Es wäre die erste nachgewiesene Atmosphäre auf einem gemäßigten
Gesteinsplaneten außerhalb unseres Sonnensystems – also auf genau der Sorte
Welt, auf der Leben überhaupt denkbar ist.
Wie man eine Atmosphäre auf einem viele Lichtjahre entfernten Planeten
erkennen kann? Jedes Atom und Molekül schluckt bestimmte Wellenlängen des
Sternenlichts und hinterlässt dabei eine Art Fingerabdruck.
Astronom:innen sind die Detektive, die diese Abdrücke zuordnen.
Bei ihrer Spurensuche im Licht stießen die Forschenden auf Helium. Dieses
Gas ist für sich genommen kein Lebenszeichen. Sie fahnden jedoch nach
Biosignaturen, also nach Elementen, die eine Atmosphäre enthält, weil dort
etwas verstoffwechselt – und die Grundbedingung dafür ist, dass es
überhaupt eine Atmosphäre gibt. Ohne Atmosphäre trifft die hochenergetische
Strahlung des Sterns ungebremst auf die Oberfläche.
Erstmals entdeckt wurde die Heliumwolke 2024. Ein Jahr später war sie
verschwunden. Eine zweite Auswertungssoftware rechnete die Daten nach, doch
am Befund änderte sich nichts. Klarheit sollen Beobachtungen mit dem
James-Webb-Weltraumteleskop bringen. Gerade in der Alien-Suche wird
mitunter überenthusiastisch kommuniziert: Immer wieder dachten Forschende,
Signale gefunden zu haben, die auf Leben hindeuten – und die sich dann als
vieldeutig entpuppten.
Fände man auf einem Exoplaneten tatsächlich Leben, handelt es sich dabei
aller Wahrscheinlichkeit nach um Mikroorganismen. Komplexes Leben ist
dagegen ein evolutionärer Glücksfall, kein Automatismus.
„Wenn Sie mir eine einzelne Zelle geben und mich fragen, was in 4
Milliarden Jahren mit ihr geschehen wird, dann werde ich niemals in der
Lage sein, ein riesiges Kaninchen vorherzusagen“, sagte der Astrophysiker
Adam Frank einmal in [2][einem Interview mit der taz]. „Trotzdem sind
Kängurus entstanden.“
Bis dahin bleibt die Suche eine Frage der Größenordnung. „Stellt man sich
den Himmel als Ozean und die Außerirdischen als Fische vor, dann haben wir
bisher mit allen Aktionen zusammen nur eine Badewanne durchsucht“, sagte
Frank. Die Heliumspur ist, um im Bild zu bleiben, eine weitere Kelle aus
dieser Wanne. Und sie ist ein guter Grund, weiterzuschöpfen.
26 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.newscientist.com/article/2579909-weve-found-a-rocky-temperate-planets-atmosphere-for-the-first-time/
(DIR) [2] /Astrophysiker-ueber-Alien/!6004401
## AUTOREN
(DIR) Enno Schöningh
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