# taz.de -- Schwerer Vorwurf gegen Fondation Beyeler: Stellt das Museum NS-Raubkunst aus?
> Die Baseler Fondation Beyeler zeigt aktuell ein Aquarell von Paul
> Cezanne. Es gehörte einem jüdischen Sammler – bis zum Nazi-Einmarsch in
> Paris.
(IMG) Bild: Stellt dieses Museum NS-Raubkunst aus? Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel
Das Aquarell vom Sainte-Victoire kommt leicht daher. Mit wenigen Strichen
aus Wasserfarbe hat Paul Cezanne 1888 den Berg bei Aix-en-Provence aufs
Papier gebannt. Bis Sonntag war das Bild im Museum Fondation Beyeler in
Riehen bei Basel zu sehen – in einer großen Sonderausstellung, die rund 80
Werke des berühmten Franzosen (1839–1906) zeigt.
Doch jetzt werden schwere Vorwürfe gegen das renommierte Schweizer Museum
erhoben: Das Aquarell sei Fluchtgut, möglicherweise [1][Raubgut der
Nationalsozialisten,] sagt der Jurist, Historiker und Provenienzforscher
Willi Korte gegenüber der taz.
Das Museum selbst nennt in der Reihe der Besitzer des Cezanne-Aquarells an
achter Stelle Gustav Schweitzer aus Berlin. Danach folgt ohne Jahresnennung
eine Galerie in Los Angeles. Heute befindet sich das Bild demnach in
US-amerikanischem Privatbesitz. Aber wie kam das Bild dorthin? Forscher
Korte ist im Auftrag der Erben Schweitzers tätig. Der jüdische
Papiergroßhändler sammelte Kunst, insbesondere Impressionisten.
Nach der Machtübernahme der Nazis emigrierte er nach Frankreich. Sein
Cezanne ging 1936 auf Reisen. Ausgerechnet in Basel zeigte die Kunsthalle
zwei Cezannes aus der Sammlung Schweitzer, darunter auch die „Montagne
Sainte-Victoire“, wie die Korrespondenz zwischen Museum und Sammler belegt.
Die Briefe weisen den Besitz Schweitzers nach.
## Sammlung gilt als verschollen
1939 begab sich Gustav Schweitzer auf eine Geschäftsreise nach Südostasien.
Im November des gleichen Jahres starb er in Manila. Seine Sekretärin Käthe
Berliner versuchte offenbar, Frankreich noch vor dem Einmarsch der
Wehrmacht zu verlassen. Das gelang ihr nicht. Am 22. Juli 1942 wurde sie
vom Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Schweitzers Impressionisten-Sammlung ist seitdem verschollen, sagt Willi
Korte. Einige Bilder tauchten offenbar später beim Einsatzstab Reichsleiter
Rosenberg auf, einer Organisation unter Leitung des NS-Parteiideologen
[2][Alfred Rosenberg], die systematisch Gemälde in den deutsch besetzten
Ländern raubte.
Der Provenienzforscher erhebt schwere Vorwürfen gegen das Museum Fondation
Beyeler. „Schauen die denn nicht ins Werkverzeichnis, bevor sie so ein
Blatt in eine Ausstellung nehmen?“, fragt er. Korte wirft den
Museumsverantwortlichen „Versagen und Schlampigkeit“ vor.
Schon einmal ist ein Bild aus der Sammlung Schweitzer in der Schweiz
aufgetaucht. 2024 stieß Korte unter den Bildern des Zürcher Waffenhändlers
Emil Georg Bührle auf ein Porträt von Vincent van Gogh. Die Sammlung Bührle
steht unter Raubkunst-Verdacht.
## Das Museum antwortet nicht
Die Fondation Beyeler mochte auf Fragen der taz zum Fall Schweitzer nicht
antworten. Gegenüber dem Schweizer Fernsehen erklärte das Museum
schriftlich, dass „auch im vorliegenden Fall entsprechende Abklärungen
vorgenommen“ worden seien. Zum Zeitpunkt der Aufnahme des Werks hätten
keine Erkenntnisse vorgelegen, die einen Verdacht erbracht hätten.
Die Ehefrau Schweitzers und die zwei Kinder konnten vor dem Holocaust
rechtzeitig emigrieren. Mutter und Tochter lebten in den USA, der Sohn in
Großbritannien, wo er der britischen Armee beitrat. Die Familie war infolge
der judenfeindlichen Nazi-Gesetze offenbar verarmt. Ein Hinweis dafür ist,
dass die Ehefrau zum Begleichen der „Reichsfluchtsteuer“ ihren Schmuck
verkaufen musste.
[3][Ein Enkel] des Ehepaars Schweitzer lebt heute in Kalifornien. Peter
Schweitzer sagte der Schweizer Tagesschau: „Es wäre ein Akt der
Gerechtigkeit für meine Großeltern, wenn wir mehr über die Sammlung
erfahren und sie wieder zusammenführen könnten.“ Am Sonntag hat Korte die
Schweizer Kommission für historisch belastetes Kulturerbe eingeschaltet, um
zu verhindern, dass das Bild die Schweiz wieder in die USA zurückgeht. Das
Museum erklärte das für ausgeschlossen. Die Leihverträge würden dies
untersagen.
24 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Rueckgabe-von-NS-Raubkunst/!6081177
(DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Rosenberg
(DIR) [3] /Schiedsgerichte-bei-NS-Raubkunst-Faellen/!6153534
## AUTOREN
(DIR) Klaus Hillenbrand
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Antifa
(DIR) Schwerpunkt Zweiter Weltkrieg
(DIR) Schwerpunkt Nationalsozialismus
(DIR) Schwerpunkt Kunst und Kolonialismus
(DIR) NS-Raubkunst
(DIR) Raubkunst
(DIR) GNS
(DIR) Karneval der Kulturen
(DIR) Abgeordnetenhaus
(DIR) Bundesverwaltungsgericht
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Ausstellung zum Jubiläum: Ein Karneval, der sich selbst untersucht
Zum Jubiläum des Karnevals der Kulturen am Wochenende gibt es eine
Gruppenausstellung. Dabei geht es nicht nur um Pailletten, sondern auch um
Politik.
(DIR) Margot Friedländer bekommt einen Platz: „Eine kleine Frau, aber eine ganz große Persönlichkeit“
Der Vorplatz des Abgeordnetenhauses heißt nun Margot-Friedländer-Platz. Die
nach ihr benannte Stiftung kündigt an, sie mit einem Avatar zu verewigen.
(DIR) Verbot der „Artgemeinschaft“ bestätigt: Kein Christbaumschmuck mit Hakenkreuzen mehr
Ex-Innenministerin Faeser hatte die rechte Sekte „Artgemeinschaft“
verboten. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Entscheidung nun für
rechtmäßig erklärt.