# taz.de -- Margot Friedländer bekommt einen Platz: „Eine kleine Frau, aber eine ganz große Persönlichkeit“
       
       > Der Vorplatz des Abgeordnetenhauses heißt nun Margot-Friedländer-Platz.
       > Die nach ihr benannte Stiftung kündigt an, sie mit einem Avatar zu
       > verewigen.
       
 (IMG) Bild: Nach der Holocaust-Überlebenden und Berliner Ehrenbürgerin Margot Friedländer heißt jetzt der Platz vor dem Landesparlament
       
       Ihr Portrait als Ehrenbürgerin hängt schon ein paar Jahre im
       Abgeordnetenhaus, nahe am Büro der Parlamentspräsidentin. Nun erinnert auch
       der Vorplatz des Gebäudes, bislang schlicht „Niederkirchner Straße 5“,
       dauerhaft an die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer. Wie im November
       angekündigt, ist der Platz am Donnerstag fast genau ein Jahr [1][nach ihrem
       Tod am 9. Mai 2025] nach ihr benannt worden. Nur zwei Tage, bevor sie
       starb, war Friedländer noch im Roten Rathaus bei einer Feierstunde zum
       Weltkriegsende aufgetreten.
       
       Schon kurz nach Friedländers Tod hatte es Vorschläge gegeben, mit einem
       Straßen- oder Platznamen an sie zu erinnern, am Ku'damm etwa oder an der
       Skalitzer Straße, wo sie bis 1943 lebte. Den Vorplatz des
       Abgeordnetenhauses schlug dessen Präsidentin Cornelia Seibeld (CDU) vor und
       konnte sich damit durchsetzen. Der schwarz-rote Senat und der grün-geführte
       Bezirk Mitte einigten sich zügig darauf, dass anders als bei sonstigen
       Benennungen nicht die Regel gelten sollte, dass dieser Schritt erst fünf
       Jahre nach dem Tod erfolgen darf.
       
       Als Regierungschef Kai Wegner (CDU) diese Entscheidung im November mit
       Seibeld und Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) vorstellte,
       ließ es sich durchaus in Richtung extremistischer Kräfte interpretieren,
       als er sagte: Jeder Abgeordnete werde künftig ihren Namen – den Namen einer
       jüdischen Frau – auf seiner Visitenkarte haben. Am Donnerstag, in einer
       Feierstunde vor der regulären Sitzung des Parlaments, nennt Wegner sie
       „eine kleine Frau, aber eine ganz große Persönlichkeit“.
       
       Friedländer war 1943 in den Untergrund gegangen, nachdem ihre Mutter und
       ihr Bruder nach Auschwitz deportiert wurden, wo sie später ermordet wurden.
       Ein Jahr später wurde Friedländer selbst verhaftet und kam ins KZ
       Theresienstadt, überlebte aber und wanderte 1946 nach New York aus.
       Erstmals wieder nach Berlin kam sie 2003 auf Einladung des Senats – damals
       besuchsweise, 2010 mit inzwischen 88 Jahren aber dauerhaft.
       
       ## Drei Besuche in Schulen pro Woche
       
       Seither besuchte sie bis zu dreimal wöchentlich Schulklassen und berichtete
       von ihrem (Über-)Leben. Ihre zentrale Botschaft lautete stets „Seid
       Menschen“. Sie galt als Berlins wichtigste Zeitzeugin für die Verfolgung
       der Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus.
       
       Zu den Schulen, die sie dabei besuchte, gehört auch das
       Hans-Carossa-Gymnasium in Kladow im Bezirk Spandau – acht Mal soll sie in
       dieser Schule gewesen sein, [2][die künftig ebenfalls nach ihr heißen
       soll]. Gut 50 der dortigen Schülerinnen und Schüler singen am Donnerstag im
       Plenarsaal ihr Lieblingslied „Irgendwo auf der Welt“, in dem es unter
       anderem weiter heißt „… gibt's ein kleines Stückchen Glück“. Das habe schon
       Max Rabe bei ihrem letzten und 103. Geburtstag im November 2024 gesungen,
       sagt anschließend Wegner, der in den 80ern selbst Schüler der damaligen
       Carossa-Oberschule war.
       
       Parlamentspräsidentin Seibeld sieht diesen Donnerstag nicht nur als Blick
       in die Vergangenheit, sondern auch als Auftrag zur Verantwortung für die
       Zukunft. „Ihr Vermächtnis könnte an keinem Ort Berlins besser zum Ausdruck
       kommen als hier“, sagt sie. Margot Friedländer soll aber nicht nur durch
       das neue Vorplatz-Schild mit ihrem Namen öffentlich präsent sein. Der Chef
       der nach ihr benannten Stiftung, Karsten Dreinhöfer, kündigt an, dass man
       dabei sei, einen Margot-Friedländer-Avatar zu bauen, um sie auch für
       künftige Generationen zu erhalten.
       
       7 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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