# taz.de -- Ausstellung zum Jubiläum: Ein Karneval, der sich selbst untersucht
       
       > Zum Jubiläum des Karnevals der Kulturen am Wochenende gibt es eine
       > Gruppenausstellung. Dabei geht es nicht nur um Pailletten, sondern auch
       > um Politik.
       
 (IMG) Bild: Am Abend der Ausstellungseröffnung im Kunstquartier Bethanien
       
       Wer das Studio 1 im Kunstquartier Bethanien betritt, prallt erst einmal auf
       sich selbst. Statt bunter Federn oder geschnitzter Figuren bleiben viele
       Besucher vor einer wandfüllenden Spiegelinstallation stehen. Daneben
       fordert ein helles Banner über einem schwarz verhängten Torbogen auf
       Englisch dazu auf, den „Trick der Institution“ zu enthüllen.
       
       Erst wenn die Gäste sich vom Spiegel lösen und einen schwarzen Vorhang
       zurückziehen, gelangen sie in den eigentlichen Ausstellungssaal. Zum 30.
       Jubiläum des [1][Karnevals der Kulturen] behandelt die Schau Sichtbarkeit,
       koloniale Sichtweisen und postmigrantische Selbstermächtigung. Am
       Mariannenplatz, wo 1996 der erste Berliner Karneval der Kulturen endete,
       treffen 14 künstlerische Positionen aufeinander.
       
       Selbst von der oberen Galerie aus ist ein unprätentiöser Werktisch in der
       Mitte des Saals zu sehen. Zwischen Werkzeugen, Skizzen und Stoffbändern
       liegen drei augenlose Masken der bekannten Figur [2][„China Diabla“] des
       Künstlers Edmundo Torres. Zwei tragen noch ein menschliches Ebenbild, eine
       von ihnen bereits die üblichen dämonischen Züge. Chinas Diablas sind
       weibliche Teufel aus den Anden, die im Rahmen katholischer Feiern erwachen.
       Der Peruaner stellt nicht nur seine fertige Folklore aus, sondern zeigt die
       Werkstatt als offene Wunde seines kreativen Prozesses.
       
       Nicht weit davon entfernt bleiben einige Besucher lange vor einer
       Trommelsammlung stehen. An der Wand dahinter hängen Bilder von 2008, die
       den damaligen Umzug zeigen. Das Kollektiv Ikuku Berlin e. V. rollt die fast
       20 Jahre alte Geschichte seines Projekts „The Hidden Passport“ wieder auf.
       
       Damals brachten die Aktivisten eine monumentale, bunt verzierte
       [3][Ijele-Masquerade] der nigerianischen Igbo-Kultur nach Berlin. In einer
       feierlichen Zeremonie wurde das heilige Objekt damals symbolisch mit dem
       Ethnologischen Museum verheiratet und verschwand prompt in einem [4][Depot
       in Dahlem]. Einige Besucher diskutieren über Raubkunst, „unsere
       Verantwortung“ und die Exotisierung durch den Karneval der Kulturen.
       
       Den historischen und emotionalen Kreis der Ausstellung schließt Joaquín La
       Habana. Mit ihm blickt man tief in die Geschichte des Berliner Nachtlebens.
       Der Tänzer und Choreograf trat genau hier schon vor 40 Jahren auf: im
       Rahmen seines Festivals „Cubanische Rhapsodie“ für lyrische Salon- und
       afrokubanische Musik. Seine Performancekostüme stellt er am Treppenaufgang
       zur Galerie aus. Die Pailletten und bunten Stoffe erzählen von den Anfängen
       queerer Aktivisten, die den Karneval der Kulturen von Beginn an geprägt
       haben.
       
       Eine blonde Frau steht allein vor einer Regenbogenmaske, unter der ein
       gleichfarbiges Outfit befestigt ist. Der Rock reicht aufgefächert fast bis
       an den Fuß des ersten Treppenabsatzes. Sie schaut sich um, streckt die Hand
       aus. Die unteren Rockschichten funkeln bei jedem Lichteinschlag in einem
       anderen Metallicton. Eine Fingerspitze berührt den Stoff, zieht sich
       schnell wieder zurück. „Ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe“, gibt
       sie leise zu und lacht. „Darf ich das?“
       
       Die Ausstellung ist bis 26. Mai zu sehen, Mo.–Fr. 14–20 Uhr, Sa./So. 12–20
       Uhr, Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2.
       
       21 May 2026
       
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 (DIR) [3] https://ich.unesco.org/en/RL/ijele-masquerade-00194
 (DIR) [4] https://kulturinsz.de/cms/aktuelles/das-ethnologische-museum-in-dahlem/
       
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 (DIR) Pauline Cruse
       
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