# taz.de -- Bundestag debattiert über Arbeitszeit: Achtstundentag noch nicht ganz abgeschrieben
> Bevor die Regierung ihre Reform des Arbeitszeitgesetzes vorlegt, ist
> diese am Freitag Thema im Bundestag. Die SPD tritt auf die Bremse.
(IMG) Bild: Der hart erkämpfte Achtstundentag könnte bald an den Nagel gehängt werden: eine Uhr und Kleiderbügel
Seit über 100 Jahren gilt in Deutschland der Achtstundentag. Im Moment
steht seine Abschaffung im Raum: Im Koalitionsvertrag haben sich die
Regierungsparteien das vorgenommen. Für Juni ist ein Gesetzesentwurf
angekündigt, schon am Freitag waren die möglichen Änderungen aber Thema im
Bundestag – auf Antrag von Grünen und Linken.
Anlass dafür waren unter anderem Äußerungen von SPD-Arbeitsministerin
Bärbel Bas vor einer Woche beim [1][DGB-Bundeskongress]: „Wenn es nach der
SPD und mir persönlich geht, fassen wir das Thema gar nicht erst an.“
Allerdings schob sie hinterher: „Aber es steht im Koalitionsvertrag.“
Ihr Parteikollege Jan Dieren schlug am Freitag einen anderen Ton an. „Ich
möchte einmal kurz klarstellen, dass im Koalitionsvertrag nicht vereinbart
ist, den Achtstundentag abzuschaffen“, sagte der SPD-Abgeordnete. Die
Partei tue gut daran, „ihn nicht leichtfertig aufzugeben“.
Tatsächlich ist im Koalitionsvertrag vereinbart, man wolle „im Einklang mit
der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen
anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen“. Damit würde der
gesetzlich geschützte Feierabend nach acht Arbeitsstunden – oder nach zehn
Stunden mit anschließendem Ausgleich – wegfallen.
Die EU-Richtlinie sieht eine Höchstgrenze von 48 Stunden pro Woche vor, ein
Tageslimit gibt es nicht. Zwischen zwei Arbeitstagen müssen nach EU-Recht
allerdings mindestens elf Stunden Ruhezeit liegen.
Die Union verspricht sich von der geplanten Gesetzesänderung vor allem mehr
Flexibilität. Arbeitgeber:innen sollen Schichten flexibler
organisieren dürfen, [2][Arbeitnehmer:innen sollen Beruf, Familie und
Freizeit leichter miteinander vereinbaren können.] Dabei gehe es der Union
nicht darum, dass insgesamt mehr gearbeitet werde, betonte der
CDU-Abgeordnete Wilfried Oellers am Freitag im Bundestag. Es solle
lediglich mehr Entscheidungsfreiraum geschaffen werden, um die Arbeitszeit
auf die einzelnen Wochentage zu verteilen.
## Opposition beklagt Gesundheitsfolgen
Eine Abschaffung des Achtstundentags sei [3][ein Gesundheitsrisko für
Beschäftigte], argumentierten hingegen Grüne und Linke. Arbeitstage von
zwölf oder dreizehn Stunden, wie sie durch eine Änderung des
Arbeitszeitgesetzes möglich würden, seien eine Belastung für Körper und
Psyche, gegen die sich Arbeitnehmer:innen dann nicht mehr wehren
könnten. Besonders betroffen seien diejenigen, „die sowieso schon wenig
selbstbestimmt arbeiten“, sagte Linkenpolitikerin Anne Zerr und verwies
etwa auf Gastronomie und Pflege.
Auch bei der SPD zieht das Flexibilitäts-Argument nicht. „Das funktioniert
ja jetzt schon“, sagte der Abgeordnete Bernd Rützel. 2024 wurden laut dem
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 1,2 Milliarden
Überstunden geleistet – mehr als die Hälfte davon unbezahlt.
Auch viele Tarifverträge beinhalten bereits flexible Arbeitszeitmodelle.
„Flexibilität, die Druck auf Beschäftigte erhöht, ist nicht sozial und
nicht modern“, fügte Parteikollegin Angelika Glöckner hinzu. Es sei
außerdem nicht wirtschaftlich, denn bei zu langen Arbeitstagen lasse die
Leistungsfähigkeit nach.
Laut einer aktuellen Forsa-Befragung sprechen sich rund zwei Drittel der
abhängig Beschäftigten dafür aus, statt einer Höchstarbeitszeit pro Tag
eine Höchstarbeitszeit pro Woche einzuführen. Dagegen steht eine Umfrage
des DGB aus dem Juli 2025, wonach [4][98 Prozent der Beschäftigten nicht
länger als zehn Stunden pro Tag arbeiten möchten.]
Die Debatte wird nun in der Regierungskoalition ausgefochten. Noch vor der
parlamentarischen Sommerpause könnte der Bundestag dann wieder über das
Thema diskutieren – wenn der Gesetzentwurf von Bärbel Bas da ist und das
Kabinett passiert hat.
22 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jule Frank
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