# taz.de -- AfD-Mann im Heimatmuseum: Vogelschiss im Geschichtsverein
       
       > Die Gemeinde Biebesheim entsendet ein AfD-Mitglied in den Vorstand des
       > Heimatmuseums. Die Zusammenarbeit mit Rechten war im Ort schon zuvor ein
       > Thema.
       
 (IMG) Bild: Noch wird hier Juden gedacht: Erinnerungssteine, abgebildet auf der Website des Heimatmuseums Biebesheim
       
       Norbert Hefermehl steht im Heimatmuseum Biebesheim am Rhein, als er am
       Telefon von einer Tafel vorliest: „Bei den Reichstagswahlen 1932 und 1933
       gewannen in Biebesheim, anders als im gesamten Volksstaat Hessen, die
       Nationalsozialisten die absolute Mehrheit.“ Hefermehl ist Vorsitzender des
       Heimat- und Geschichtsvereins (HGV), der auch Träger des Museums ist.
       Anfang der Woche informierte die Gemeinde Biebesheim, in Südhessen bei
       Darmstadt gelegen, den Verein über ihr neues Vorstandsmitglied: Bernd
       Kahnert von der AfD.
       
       Hefermehl und der HGV fordern nun den Gemeindevorstand in einem Schreiben
       auf, stattdessen ein anderes Mitglied auszuwählen, denn „eine
       Zusammenarbeit mit einem Mitglied dieser Partei, die deutsche Geschichte
       teilweise ignoriert oder verfälscht und deren Ehrenvorsitzender die NS-Zeit
       als ‚Vogelschiss der Geschichte‘ bezeichnet, können wir nicht akzeptieren“.
       
       Die Themen NS-Zeit und Judentum seien im Museum dauerhaft präsent, so
       Hefermehl. [1][Auf der Website des Heimatmuseums] sind auch zwei Steine
       abfotografiert, auf einem steht „Die Gemeinde Biebesheim gedenkt ihrer
       heimatvertriebenen jüdischen Mitbürger“, auf dem anderen „Jüdische
       Familien, die 1935–1938 Biebesheim verlassen mussten“. Noch habe er auf
       sein Schreiben keine Reaktion erhalten, sagt Hefermehl der taz.
       
       Nach den [2][Kommunalwahlen] im März konstituierten sich in den vergangenen
       Wochen Gemeindevorstände und Gemeindevertretungen in ganz Hessen neu. In
       einer Gemeindevertretung sitzen die gewählten Kommunalpolitiker, diese
       beschließen beispielsweise den Haushalt der Gemeinde. Außerdem wählen sie
       Beigeordnete für den Gemeindevorstand, die sich zusammen mit dem
       Bürgermeister um die Verwaltung kümmern.
       
       Auch in Biebesheim mit seinen rund 6.500 Einwohner*innen konstituierten
       sich die Gremien neu. In der Gemeinde war die AfD erstmals bei der
       Kommunalwahl angetreten, sie holte 20,1 Prozent der Stimmen. Der Streit um
       den Heimatverein fällt in eine größere Debatte über den Umgang mit der AfD
       im Ort.
       
       ## Erinnerungskultur mit der AfD?
       
       Ein Anruf bei Bürgermeister Marcus Rahner von der CDU. Eigentlich müsste er
       laut Satzung des HGV im Vorstand des Museums und des Heimatvereins sitzen,
       hätte dort eine Stimme, wie alle anderen Mitglieder auch, und träte bei
       öffentlichen Veranstaltungen auf – zum Beispiel, wenn Ausstellungen
       eröffnet werden.
       
       Rahner hat jedoch seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren diese
       Aufgabe an andere Vertreter aus dem Gemeindevorstand delegiert. Er habe
       zwar großen Respekt vor der Arbeit des Vereins, sehe seine Rolle jedoch
       nicht in dessen Vorstand, sagte er der taz.
       
       Warum übernimmt aber ausgerechnet der AfD-Beigeordnete Kahnert jetzt diese
       Rolle? Dazu könne Rahner nichts sagen, weil das der Gemeindevorstand in
       einer nichtöffentlichen Sitzung entschieden habe. Dort sitzen neben dem
       Bürgermeister auch Beigeordnete der CDU, der AfD, der Freien Wähler sowie
       SPD und Grünen.
       
       ## Bürgermeister will AfD-Mann nichts unterstellen
       
       Dass das AfD-Mitglied im Vorstand die Arbeit des Vereins behindern würde,
       diese Sorge teilt Rahner nicht. Zum einen seien Nationalsozialismus und
       Judentum Teil der Arbeit, allerdings nicht der Schwerpunkt des Vereins. Zum
       anderen wolle er dem AfD-Beigeordneten kein rechtsextremistisches
       Gedankengut unterstellen, dieser wohne schon sein Leben lang in Biebesheim.
       Außerdem sagt Rahner: „Ich darf nicht vergessen, dass im Ort jeder Fünfte
       die AfD gewählt hat.“ Allerdings werde man sich in den kommenden Tagen in
       der Gemeindevertretung noch mal mit dem Thema befassen.
       
       Die taz hat auch mit dem AfD-Beigeordneten Bernd Kahnert gesprochen. Am
       Telefon beantwortet er zunächst alle Fragen, forderte im Nachhinein jedoch,
       keine seiner Aussagen zu zitieren. Aus dem Gespräch wird allerdings
       deutlich: [3][Mit den erinnerungspolitischen Positionen seiner Partei]
       scheint Kahnert sich wenig beschäftigt zu haben.
       
       ## Eine gemeinsame Liste von CDU und AfD
       
       Es ist nicht das erste Mal, dass Bernd Kahnert in die Presse gelangt. Im
       April zog er als ehrenamtlicher Beigeordneter in den Gemeindevorstand ein –
       auf einer gemeinsamen Liste von CDU und AfD. Der CDU-Kreisverband
       Groß-Gerau sah darin einen Verstoß gegen den [4][Unvereinbarkeitsbeschluss
       der CDU]. Jetzt droht den Mitgliedern, die an der Liste beteiligt waren,
       der Parteiausschluss. Über den aktuellen Stand äußert sich der Kreisverband
       Groß-Gerau auf Anfrage nicht.
       
       Seit dem Vorfall fanden bereits mehrere Sitzungen der Gemeindevertretung
       statt. „Die CDU zeigte gegenüber der AfD einen auffallend vertraulichen
       Umgang“, teilte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ursula Hammann, der
       taz mit. Auch Thomas Schelln (SPD), Mitglied der Gemeindevertretung, sagte
       nach der Gemeindesitzung am Dienstag: „Man normalisiert, dass eine
       gemeinsame Abstimmung erfolgt, oder nimmt es billigend in Kauf“.
       
       Dem widerspricht Bürgermeister Rahner. Er hatte sich bereits im April von
       den CDU-Mitgliedern distanziert, die gemeinsam mit der AfD die Liste
       gestellt hatten. „Die Brandmauer ist für mich klar gesetzt und ich stehe
       aus Überzeugung dazu“, sagte er der taz. Eine Zusammenarbeit mit der AfD
       sei ausgeschlossen, das betonte er mehrmals. Zudem seien ihm keine
       Absprachen bekannt.
       
       Den Mitgliedern des Heimatvereins hilft das aber erst mal wenig: Bis auf
       Weiteres haben sie die AfD im Vorstand sitzen.
       
       24 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.heimatmuseum-biebesheim.de/index.html
 (DIR) [2] /21-Niederlagen/!6177179/
 (DIR) [3] /AfD-und-Erinnerungskultur/!6058203
 (DIR) [4] /Debatte-um-Oeffnung-der-CDU-zur-AfD/!6130459
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jana Laborenz
       
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