# taz.de -- Kommunalwahlen in Hessen: Ueberau bleibt rot
> Nach dem vorläufigen Endergebnis legt die CDU landesweit zu, ebenso AfD
> und Linke. SPD und Grüne haben Verluste. Aber was ist mit der DKP?
(IMG) Bild: Ueberau bleibt stabil, Aufnahme beim Hochwasser im Februar 2026
Laut einem bekannten Fernsehphilosophen kam Lenin nur bis Lüdenscheid. Aber
zumindest einen Abstecher muss der russische Revolutionär auch ins
südhessische Ueberau gemacht haben. Jedenfalls hat er in dem kleinen Ort
mit seinen rund 2.130 Einwohner:innen offenkundig einen nachhaltigen
Eindruck hinterlassen. Hier gewann schon die KPD in der Weimarer Republik
und in der Bundesrepublik bis zu ihrem Verbot 1956 Mehrheiten. Und die
Vorliebe fürs Rote ist in der einst selbstständigen Gemeinde, die seit 1977
nur noch ein Stadtteil von Reinheim ist, [1][bis heute geblieben].
So musste sich die DKP bei der Ortsbeiratswahl in Ueberau am vergangenen
Sonntag mit 35,6 Prozent nur knapp der SPD geschlagen geben, die auf 38,1
Prozent kam. Damit haben die beiden roten Parteien im neuen Ortsbeirat je
zwei Sitze. Für die DKP ist auch der inzwischen 88-jährige Walter Eckert
wieder mit dabei, seit 2015 Ueberaus Ortsvorsteher. Zünglein an der Waage
sind die Grünen, die mit 17,1 Prozent den noch verbliebenen fünften Sitz im
Ortsbeirat ergattern konnten. Mit nur knapp 9,2 Prozent ging die CDU
hingegen leer aus.
So ganz repräsentativ für die hessischen Kommunalwahlen ist Ueberau
allerdings nicht. Nach dem vorläufigen Endergebnis schafften es
DKPler:innen außer in der im Landkreis Darmstadt-Dieburg gelegenen Stadt
Reinheim (8,4 Prozent) und in Mörfelden-Walldorf im Kreis Groß-Gerau (4,7
Prozent) ansonsten nur noch über kleine Bündnislisten in den
Universitätsstädten Marburg (Marburger Linke 4,5 Prozent) und Gießen
(Gießen – sozial und friedenstüchtig 1,2 Prozent) in die städtischen
Vertretungen. Landesweit holte hingegen die CDU mit Abstand die meisten
Stimmen.
In den meisten Landkreisen ging sie als Erste durchs Ziel – und auch in
sechs der zehn größten hessischen Städte: in Frankfurt am Main (25
Prozent), Wiesbaden (26,5), Gießen (21,8), Marburg (23,0), Fulda (37,9) und
der Opel-Stadt Rüsselsheim (26,4). Ihren größten Vorsprung hatte sie dabei
in Fulda, wo die CDU ganze 17,8 Prozentpunkte vor der zweitplatzierten AfD
landete. Diese erzielte in der osthessischen Bistumsstadt 20,1 Prozent.
## AfD verschlechtert sich gegenüber dem Trendergebnis
Keinen Stich konnte die AfD hingegen in Offenbach machen. Hier kam die
extrem rechte Partei nur noch auf 3,4 Prozent, nicht einmal halb so viel
als noch vor 5 Jahren. Allerdings täuscht das Ergebnis etwas. Denn aufgrund
interner Streitigkeiten hatte die stramme Rechtsaußenpartei nur eine
7-köpfige Notliste hinbekommen. Damit jedoch konnte sie ihr
Stimmenpotential nicht voll ausschöpfen. Würde man nur die Stimmzettel
zusammenzählen, die unverändert für sie abgegeben wurden, käme sie auf ein
besseres Ergebnis. Aber auch dann landet sie immer noch nur an fünfter
Stelle hinter SPD, CDU, Grünen und Linken.
Während die AfD auch in Frankfurt (8,2 Prozent), Hanau (9,4), Darmstadt
(8,6), Marburg (7,8) und Gießen (7,6) unter der 10-Prozent-Marke blieb,
punktete sie hingegen im ländlichen Raum und kam in mehreren Landkreisen zu
Ergebnissen von um die 20 Prozent. Insgesamt gewann die AfD im Vergleich zu
den Wahlen 2021 deutlich hinzu.
Bei den Trendergebnissen vom Sonntag hatte die AfD vielerorts noch etwas
besser gelegen. Aber das berücksichtigte nur die Listenstimmen. Nun sind
auch die Personenstimmen ausgezählt. Danach ist die AfD auch in den
Gemeinden Biebesheim im Kreis Groß-Gerau, Büdingen im Wetteraukreis und
Erlensee im Main-Kinzig-Kreis, in denen sie nach dem Trend noch als
stärkste Partei erschien, hinter die CDU, die SPD oder beide
zurückgefallen.
Nach dem hessischen Wahlrecht kann nicht nur eine Partei gewählt werden,
sondern es ist möglich, Kandidat:innen verschiedener Parteien zu wählen
und einzelnen Kandidat:innen bis zu drei Stimmen zu geben. Insgesamt
konnten so viele Kreuze gemacht werden, wie es Sitze in einem Kreistag,
einem Stadtrat oder einer Gemeindevertretung gibt. Das macht die Auszählung
etwas komplizierter und langwieriger.
## Frankfurts Ex-OB Feldmann verpasst sein Comeback
In Frankfurt, der größten Stadt Hessens, führte dieses Wahlverfahren [2][zu
einem 144 x 60 Zentimeter großen Stimmzettel] mit mehr als 1.100
Kandidat:innen. Die 93 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung verteilen
sich auf 17 verschiedene Parteien und Wähler:innengruppen – wobei 10
Listen mit jeweils nur einer oder einem Vertreter:in der Sprung ins
Parlament gelang.
Mit dabei ist auch wieder Jutta Ditfurth. Da ihre ÖkoLinX-Antirassistische
Liste jedoch von 1,8 auf 0,7 Prozent abrutschte, verlor Lebenspartner
Manfred Zieran seinen Sitz. Die heute 74-jährige Ditfurth zog erstmals 1981
für die Grünen in den Frankfurter Römer ein. Seit 2001 wurde die
[3][einstige Grünen-Bundessprecherin] durchgängig für ÖkoLinX ins
Stadtparlament gewählt. Diesmal jedoch nur noch sehr knapp.
Nicht geschafft hat es hingegen Frankfurts 2022 [4][abgewählter
Oberbürgermeister Peter Feldmann]. 2023 aus der SPD ausgetreten, hatte er
zunächst vergeblich versucht, [5][bei der Linkspartei Unterschlupf] zu
finden. Ende vergangenen Jahres kündigte er dann an, mit einer eigenen
Liste zur Kommunalwahl anzutreten. Doch das Wahlbündnis Frankfurt-Sozial!
scheiterte mit 0,4 Prozent fulminant und vermasselte ihm ein Comeback. Mit
welcher Koalition Feldmanns sozialdemokratischer OB-Nachfolger Mike Josef
künftig regieren wird, ist derzeit noch unklar.
Die große Wahlgewinnerin in Frankfurts armer Nachbarstadt Offenbach ist die
SPD, die mit 35 Prozent nunmehr stolze 16,3 Prozentpunkte vor der
zweitplatzierten CDU rangiert. Stärkste Partei wurde die SPD auch noch in
Hanau (31,1 Prozent), in Fulda holte sie dagegen nur 9,2 Prozent. Im
Vergleich zu ihrem 5,5-Prozent-Desaster bei der Landtagswahl in
Baden-Württemberg stehen die hessischen Sozialdemokrat:innen
insgesamt trotzdem noch ganz gut da.
Die Grünen liegen hingegen in Kassel (22,3 Prozent), wo sie seit 2023 auch
den Oberbürgermeister stellen, und in Darmstadt (22,8) vorne. In Hanau
schnitten sie mit 10,4 Prozent am schlechtesten ab. In Frankfurt blieben
sie mit 20,8 Prozent zweitstärkste Kraft. Landesweit verschlechterten sich
die Grünen gegenüber ihrem Ergebnis von 2021. Ob sie ihren dritten Platz
vor der AfD behaupten können, wird sich erst am Freitag zeigen. Dann will
das Statistische Landesamt das vorläufige Landesergebnis veröffentlichen.
In den Trendzahlen lagen die Grünen knapp hinter der AfD.
## Linkspartei punktet in Großstädten
Die Linkspartei konnte immerhin in der Hälfte der 10 größten hessischen
Städte zweistellig werden: in Kassel (15 Prozent), Darmstadt (10,2),
Offenbach (12), Gießen (14,2) und Marburg (12,7). Mit 9,2 Prozent fuhr die
Linke auch in Frankfurt ein gutes Ergebnis ein, in Wiesbaden mit 7,8
Prozent ein ordentliches. In Fulda (5,2) und Rüsselsheim (5,3) sowie in
Hanau (5,0) dürfte sich der Jubel eher in Grenzen halten.
Größere Probleme hat die Linke in den ländlicheren Gebieten. So kam sie in
den Landkreisen Bergstraße, Hersfeld-Rotenburg und Waldeck-Frankenberg nur
auf Ergebnisse zwischen 3,2 und 3,5 Prozent, im Landkreis Fulda sogar nur
auf 2,9 Prozent. Mit flächendeckendem Zugewinn und landesweit klar über 5
Prozent kann sie trotzdem die Kommunalwahlen insgesamt als Erfolg
verbuchen.
Für die FDP gilt das nicht. In den größeren Städten schaffte sie bloß in
Offenbach (5,6 Prozent), Wiesbaden (5,0) und Frankfurt (4,6) mehr als 4
Prozent. Am Schlimmsten erwischte es die [6][um ihr politisches Überleben
kämpfende] rechtsliberale Truppe mit 1,9 Prozent in Rüsselsheim. Die
Linksliberalen von Volt kamen hingegen immerhin 6-mal über die 4 Prozent:
außer in Darmstadt, wo sie mit 9,9 Prozent glänzend abschnitten, auch noch
in Frankfurt (4,8), Wiesbaden (4,4), Gießen (4,5), Marburg (4,5) und Fulda
(4,2).
Mit Ergebnissen zwischen 1,2 Prozent (Frankfurt) und 3,3 (Kassel) kräftig
abgeschmiert ist das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Damit setzt sich für
die Linken-Abspaltung der [7][negative Trend der vergangenen Wahlen]
ungebrochen fort. Da es bei den Kommunalwahlen keine 5-Prozent-Hürde gibt,
werden BSW-Vertreter:innen zwar mancherorts als Einzelkämpfer:innen in
die Kreistage oder Stadtverordnetenversammlungen einziehen. Das war’s dann
aber auch schon.
18 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /In-Ueberau-wird-noch-DKP-gewaehlt/!5047832
(DIR) [2] https://www.hessenschau.de/videos/kurzvideos/frankfurter-wahlzettel-ueberfordert-den-eigenen-ob-mike-josef,kommunalwahl-hessen-2026-mike-josef-mit-frankfurter-wahlzettel-ueberfordert-102.html
(DIR) [3] /Ditfurth-warnt-vor-Stroemungskampf/!1829477
(DIR) [4] /Frankfurts-OB-Feldmann-ueber-seine-Abwahl/!5889399
(DIR) [5] https://www.nd-aktuell.de/artikel/1177025.linkspartei-linke-vorbehalte-gegen-feldmanns-beitrittswunsch.html
(DIR) [6] /Niedergang-der-FDP/!6161275
(DIR) [7] /BSW-Wahldebakel-in-Baden-Wuerttemberg/!6161086
## AUTOREN
(DIR) Pascal Beucker
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