# taz.de -- Fluxusfragen: Hat Ben Patterson die Welt verändert?
> Die Kunst der Avantgarden. Wer die Welt wirklich zum Besseren
> beeinflussen möchte, verweigert sich Propaganda und autoritären
> Bildsprachen.
(IMG) Bild: Benjamin Patterson, „Ben’s Bar, Why People Attend Bars: To Be Heard, To Be Seen, To Be There“
Wie besorgt sind Sie über die aktuelle Weltlage? Verfolgen Sie täglich die
Nachrichten? Ben Patterson stellt diese Fragen, und er stellte sie schon
2012, anlässlich des 50. Fluxus-Jubiläums im Nassauischen Kunstverein
Wiesbaden.
Dort wurden 1962 die „Ersten Fluxusfestspiele Neuester Musik“ aufgeführt,
an denen der US-Amerikaner seinerzeit teilnahm, bevor er viel später ganz
in die Hessische Landeshauptstadt zog, was heute noch irgendwie kurios,
aber auch passend erscheint, und von dort aus kann man auch die Fragen des
Fluxuskünstlers beantworten, als habe er sie uns gerade eben erst gestellt.
Was nicht falsch ist, denn Pattersons Arbeit „Did Fluxus Change the World?“
lässt sich als dauerhafte Installation auf der Website des Nassauischen
Kunstvereins anschauen und beantworten. Es ist nicht die einzige, die Ben
Patterson der Stadt hinterlässt.
[1][Fluxus, das hatte gleich dieses Einladende], ohne das Pathos, mit dem
einladende, respektive, partizipative Kunst heute so beworben wird. Weil
die im Zweifel auch so beabsichtigt ist. Während Fluxus ja den Unsinn und
das Sonderbare voranstellt, und ergo auch gar nicht davon ausgeht, dass ein
Kunstwerk schon per se zugerichtet sein sollte auf gewisse Zwecke.
## Unendliches Spiel
Auch Ben Pattersons bzw. „Ben’s Bar“ ist gar nicht wirklich darauf
ausgerichtet, eine Bar zu sein (wenngleich sie dafür zu besonderen Anlässen
schon genutzt, Jargon: aktiviert wurde). Sie schaut anziehend einladend
aus, ist aber eher die Idee einer Bar, wie es sie so nicht gibt und auch
nie gegeben hat.
Ein Konglomerat aus Rokoko-Mobiliar, zusammengesucht in den
Antiquitätenläden der Canal Street, einem angedeuteten Tresen aus
Walnussholz, das der Künstler auf dem Hof seines Freundes Bob Watts in
Pennsylvania fand, und zahlreichen Ergänzungen, die nach und nach
hinzukamen. Wie der Leuchtschriftzug, der ACME-Fisch oder das Klavier, das
Patterson erst für den Nassauischen Kunstverein hinzufügte.
1990 erstmals präsentiert, ist die Installation heute dauerhaft in dessen
dritter Etage zu sehen. Der volle Name der Arbeit lautet „Why People Attend
Bars: To Be Seen, To Be Heard, To Be There“, und der letzte Part befindet
sich als Schriftzug auf den Spiegeln. Gesehen zu werden, gehört zu werden,
da zu sein, eine Antwort auf die Frage des Warum, die der Privatmann Ben
Patterson als damals aktiver Bar- oder Kneipengänger an sich selbst
stellte.
Apropos Zwecklosigkeit und gute Absichten: Neben der Sache mit der Weltlage
und den Nachrichten erscheint noch ein anderer Aspekt in „Did Fluxus Change
the World?“ tagesaktuell. Die Frage nämlich, ob Kunst die Welt verändern
könne – und wer überhaupt ein Interesse daran hat, dies immer wieder zu
behaupten.
## Boss oder Diener?
In der Einleitung zu seiner Fragebogen-Installation notiert Patterson mit
Skepsis, es gebe Anlass zu glauben, dass, seit der Dämmerung der Menschheit
und der „Erfindung von Kunst“, prinzipielles Anliegen des Künstlers bzw.
seiner Patrone sei, die „Welt zu ändern“. Und weiter, „als
Propagandawerkzeug hat Kunst oft denen gedient, die sich wünschten, die
‚Welt zu ändern‘“.
Man muss nicht zustimmen, kann im Fragebogen sogar aktiv anderer Meinung
sein. Aber Patterson ist hier so klar wie jemand, der sich ungern abhängig
machte. Vielleicht hat er auch deshalb eher weniger Kunst produziert.
Auf den Seiten des Nassauischen Kunstvereins wird das so kess und klar
zusammengefasst: „Was Benjamin Pattersons Beitrag zur zeitgenössischen
Kunst an Menge fehlt, macht er an Einfluss wett.“
Ob der Künstler das selbst so sehen würde, hätte man mit ihm gern
diskutiert.
2 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Katharina J. Cichosch
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