# taz.de -- Eskalierende Angriffe im Ukrainekrieg: Ukrainische Drohnen erreichen Moskau
> Die Sorgen vor einer weiteren russischen Eskalation wachsen, nachdem die
> Ukraine erstmals große Treffer im Umland der russischen Hauptstadt
> erzielte.
(IMG) Bild: Krasnogorsk, nahe Moskau, 17. Mai: Ein Wohnhaus wurde durch eine ukrainische Drohne beschädigt
Russlands Krieg in der Ukraine eskaliert: Beide Länder überziehen sich mit
den aktuell schwersten Angriffen. In der Nacht zum Sonntag führte die
ukrainische Armee die bislang größte Attacke auf die Region Moskau seit
Kriegsbeginn durch. Der Schlag kam eine Woche nach Auslaufen der von
US-Präsident Donald Trump vermittelten Waffenruhe zum Tag der
[1][kümmerlichen Parade in Moskau] zum Jahrestag des Sieges über den
Hitlerfaschismus. Und nachdem Russland Tage zuvor einen der [2][schwersten
Luftangriffe auf die Ukraine] durchgeführt hatte. [3][Allein in Kyjiw waren
in einem getroffenen Wohnhochhaus 24 Menschen getötet worden.]
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte daraufhin Vergeltung
angekündigt. Zugleich wachsen die Sorgen vor einer weiteren russischen
Eskalation.
Am frühen Sonntagmorgen wurde der Technopark Elma in Selenograd bei Moskau
attackiert, wo ein Unternehmen der Elektronik- und Optikindustrie sitzt.
Ebenso wurde die Entwicklungsfirma für Flügelraketen, MKB Raduga, in Dubna
getroffen. In Brand geriet ein großes Öllager für die Hauptstadt im Dorf
Durykino und eine der drei Startbahnen des Moskauer Flughafens
Scheremetjewo. Das belegen Satelliten-Aufnahmen. Hunderte Flüge aus Moskau
mussten abgesagt oder umgeleitet werden.
Nach russischen Angaben wurden drei Arbeiter am Eingang zur Moskauer
Ölraffinerie in Kapotna getötet, als eine Drohne abgeschossen wurde. Das
russische Verteidigungsministerium meldete die „Zerstörung“ von 556 Drohnen
über 14 Regionen, darunter die Gebiete Belgorod, Kaluga, Kursk, Brjansk,
Woronesch, Tula, Smolensk, Lipezk, Twer, Rostow, Krasnodar, Moskau und die
annektierte Krim.
## Moskau „ist kein unerreichbares Ziel mehr“
Bei Drohnenabschüssen wurden in Moskau und Städten des Umlands der
russischen Hauptstadt Wohnhäuser durch herabstürzende Trümmer beschädigt,
zum Teil schwer. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Krieg unsere Stadt
Selenograd (etwa 20 Kilometer nördlich von Moskau) treffen würde“, sagte
eine Frau in einem Video auf Telegram, das nach dem Angriff aufgenommen
wurde. Menschen in der Region Moskau beklagten, dass die Warnsirenen keinen
bevorstehenden Angriff angekündigt hätten und die Notrufnummer 112 nicht
erreichbar gewesen sei.
Präsident Selenskyj nannte den Angriff auf das 500 Kilometer von der
ukrainischen Grenze entfernte Moskau „völlig gerechtfertigt“. Er sei
„unsere Reaktion auf die russische Verzögerungstaktik im Krieg und die
Angriffe auf unsere Städte und Gemeinden. Diesmal haben die weitreichenden
Sanktionen der Ukraine die Region Moskau erreicht, und wir sagen den Russen
ganz klar: Ihr Staat muss diesen Krieg beenden“, schrieb der ukrainische
Präsident in den sozialen Medien.
Moskau sei nun „kein unerreichbares Ziel mehr“, unterstrich der Kommandeur
der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi. Auf einige der in die
russische Hauptstadt geschickten Kampfdrohnen hatte er „Moscow never
sleeps“ gemalt, zeigte er auf einem Video.
Im April hatte die russische Armee zivile Ziele mit 6.722 Flugkörpern
angegriffen – „der höchste Wert seit Beginn der Vollinvasion im Februar
2022“, wie der „Monitor Luftkrieg Ukraine“ der deutschen
Nichtregierungsregierungsorganisation Kyjiwer Gespräche ermittelte. 6.583
davon waren Langstreckendrohnen, 91 Marschflugkörper und 48 ballistische
Raketen.
Und allein in der vorigen Woche haben russische Soldaten nach ukrainischen
Zählungen mehr als 3.170 Kampfdrohnen, über 1.300 Lenkbomben und 74 zumeist
ballistische Raketen auf die Ukraine abgefeuert.
Der russische Machthaber Wladimir Putin lässt nach Angaben des ukrainischen
Geheimdienstes inzwischen massenhaft russische Pässe in [4][Transnistrien]
ausgeben: Damit sollen in diesem russlandtreuen, abtrünnigen Teil Moldaus
Männer für Angriffe auf die Ukraine rekrutiert werden, hieß es. Zugleich
werde aus Belarus, Russlands engstem Verbündeten, ein Angriff auf die
Ukraine vorbereitet. Ob Putin darüber bei seinem Staatsbesuch bei Chinas
Staats- und Parteichef Xi Jinping in dieser Woche spreche, sei unklar.
17 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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