# taz.de -- Landesparteitag der CDU in MV: Wo Merz noch willkommen ist
> Im mecklenburgischen Linstow trifft sich die Landes-CDU. Die Chancen für
> die Landtagswahl sind mau. Der Auftritt des Kanzlers kann auch nicht
> schaden.
(IMG) Bild: Blumenkanzler Friedrich Merz mit CDU-Landeschef Daniel Peters (l.) und Staatssekretär Philipp Amthor (M.) in Linstow
Einen „familienfreundlichen Urlaubs- und Erlebnisort“ mit tropischem
Spaßbad und komfortablen Zimmern hat sich die CDU in Mecklenburg-Vorpommern
für ihren Landesparteitag ausgesucht. So wirbt das Van der Valk Resort in
Linstow für sich. Die Christdemokraten halten es mit dem Grundsatz: Wenn
die Umfragen schon so schlecht sind, dass die Gefahr der Einstelligkeit
droht, sorgen wir eben selbst für etwas Wellness.
Dass die CDU in Mecklenburg-Vorpommern im September den Ministerpräsidenten
stellt, glauben selbst die größten Optimisten im Konferenzsaal nicht,
insofern gibt es wenig zu verlieren. Und wohl auch keinen Grund, die Spitze
der Bundespartei und den Kanzler auszuladen, [1][wie es die Parteifreunde
in Sachsen-Anhalt in dieser Woche taten].
Mit rhythmischem Klatschen und poppiger Musik empfangen die rund 140
anwesenden Delegierten Friedrich Merz am Samstagvormittag, man freue sich
„wahnsinnig“ auf seine Rede, sagt [2][der Landesvorsitzende und
Spitzenkandidat Daniel Peters]. Kein Zweifel, hier in Linstow ist Merz
willkommen.
Gerüchten um einen Kanzlertausch hatte Peters zuvor eine „glasklare“ Absage
erteilt. Stattdessen forderte er den Kopf von Bärbel Bas: „Diese Frau ist
nicht ministrabel.“ Die SPD-Bundesvorsitzende und Bundesarbeitsministerin
ist aus Sicht der mecklenburg-vorpommerschen CDU offenbar leichter
abzulösen als die hiesige SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
## Kampf um die Mitte
Zwischen der im Nordosten regierenden SPD und der extrem rechten AfD, die
seit Monaten die Umfragen führt, drohe man zerrieben zu werden, fürchtet
Peters. Sein Anspruch: Die CDU müsse sich um die verwaiste politische Mitte
kümmern.
Auch der Kanzler sorgt sich um diese demokratische Mitte, sieht sie unter
Beschuss von links und von rechts. Von links durch die SED-Nachfolgepartei,
die in Putin einen verlässlichen Partner sehe. Namen nennt Merz nicht,
gemeint sein kann aber eigentlich nur das BSW, gegründet von
Ex-SED-Mitglied Sahra Wagenknecht. Oder doch die in Mecklenburg-Vorpommern
zusammen mit der SPD regierende Linke?
Welche Partei die Demokratie von rechts bedroht, ist dagegen unzweifelhaft:
die AfD, die so Merz einen Grünen zitierend, Deutschland in die Zeit vor
Adenauer führen will. „Wir haben mit Konrad Adenauer den Nationalismus
hinter uns gelassen und wollen nie wieder dahin zurück, und deshalb
überlassen wir unser Land nicht den Extremisten“, ruft Merz unter kräftigem
und ehrlichem Applaus.
In diesem Punkt herrscht Einigkeit. Auch Daniel Peters, der auf dem
Parteitag mit 97 Prozent als Landesvorsitzender wiedergewählt wird, hatte
sich klar von den „ganz Rechten“, von den „Wichtigtuern“ abgegrenzt:
Remigration zu fordern, sei weder christlich noch förderlich und schon gar
nicht sozial.
## Neue Töne in der Migrationspolitik
Die CDU will erkennbar einen Haken an das Thema illegale Migration machen,
Merz probiert es in Linstow gar mit einem neuen Zungenschlag: „Wir brauchen
Migration in unseren Arbeitsmarkt“, betont der Kanzler. Man heiße Menschen,
die zum Arbeiten nach Deutschland kommen, willkommen. „Das ist unsere
Vorstellung von einem offenen, liberalen Land – und nicht Abschottung und
Diffamierung.“ Hört, hört.
Vielleicht hat Merz nun gedämmert, dass der Bevölkerungsschwund auch den
wirtschaftlichen Wohlstand bedroht, als er durch die Weiten
Mecklenburg-Vorpommern brauste, ein Land in dem nur noch etwas mehr als 1,5
Millionen Menschen wohnen und [3][die Bevölkerung seit Jahrzehnten
schrumpft]. Ohne Menschen mit Migrationshintergrund würde das
Krankenhaussystem gar nicht mehr funktionieren, darauf hatte auch
Landeschef Peters hingewiesen.
Die schlechte Wirtschaftslage und der drohende Abschwung haben das Thema
Migration [4][auch in bundesweiten Umfragen als wichtigstes Thema
abgelöst]. Merz versucht, Zuversicht zu verbreiten, es hieße jetzt, die
„Ärmel aufkrempeln und nach vorn gehen“. Auch die anstehenden
Sozialreformen werde man hinkriegen, „wir schaffen das“. Merz klingt hier
schon fast wie eine ehemalige Kanzlerin, deren Namen er freilich nicht
nannte. Die schwarz-rote Koalition habe – trotz aller Unterschiede – die
notwendige Kraft und Entschlossenheit für Reformen, versuchte Merz
Trennungsgerüchte zu zerstreuen.
Am Mittwoch trifft sich der Koalitionsausschuss im Kanzleramt mit jeweils
vier Vertreter:innen von Gewerkschaften und Arbeitgebern, um
auszuloten, was man sich gemeinsam vorstellen kann, spricht Merz die
nächsten Schritte an. Eine Art konzertierte Aktion also, die aber nicht so
heißen darf, und überhaupt hatte sich der Kanzler lange gegen ein solches
Format gesträubt. Merz fordert in Linstow beide Seiten auf, vorab
gemeinsame Vorschläge vorzulegen, die die Regierung gemeinsam beraten
werde.
## Kein „Big Bang“ der Reformen
Ebenfalls im Juni, nämlich „in wenigen Tagen“, will die Rentenkommission
ihre Vorschläge vorlegen, verspricht Merz und versucht im Vorfeld, schon
mal Befürchtungen zu zerstreuen: „Es wird keine Kürzungen von Renten
geben.“ Und die gesetzliche Rente bleibe die wichtigste Säule des Systems.
Im April hatte Merz [5][auf einem Empfang von Banken] noch anders
geklungen.
Die Erwartungen an das Treffen mit den Sozialpartnern und auch an den
letzten Koalitionsausschuss vor der Sommerpause am 1. Juli versucht Merz,
der einstige Ankündigungsweltmeister, nun herunterzudimmen. Man solle jetzt
nicht auf den großen Tag, auf den „Big Bang“, hoffen, sondern „wir müssen
einfach unsere Arbeit machen.“
Sollten die Reformen allerdings nicht kommen, dann drohe die Gefahr eines
Big Bang, so der Kanzler. Denn bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und
Mecklenburg-Vorpommern stehe mehr auf dem Spiel, nämlich ob die politische
Mitte noch die Kraft habe, die politischen Probleme zu lösen.
In beiden Ländern führt die AfD die Umfragen an. Harry Glawe, CDU-Urgestein
und Mitglied des Landesvorstands, sagt der taz: „Eine Tolerierung der AfD
kommt nicht infrage.“ Das sei Konsens in der Breite der Partei. Alles
andere würde die CDU wohl zerreißen. Und das weiß ganz sicher auch Merz.
6 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wegen-Unbeliebtheit-von-Kanzler-Merz/!6184784
(DIR) [2] /CDU-Chef-Daniel-Peters-Die-Linkspartei-ist-ein-Fall-fuer-den-Verfassungsschutz/!6180502
(DIR) [3] https://www.demografie-portal.de/DE/Fakten/bevoelkerungszahl-mecklenburg-vorpommern.html
(DIR) [4] https://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend/deutschlandtrend-juni-100.html
(DIR) [5] /Allenfalls-noch-Basisabsicherung/!6172741
## AUTOREN
(DIR) Anna Lehmann
## TAGS
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
(DIR) Reformen
(DIR) Landesparteitag
(DIR) Mecklenburg-Vorpommern
(DIR) GNS
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
(DIR) AfD Mecklenburg-Vorpommern
(DIR) Friedrich Merz
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) CDU-Landeschef Peters über MV-Wahlen: „Die Linkspartei ist ein Fall für den Verfassungsschutz“
Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters steht auf
Kriegsfuß mit der Linken und der SPD. Mit der AfD will er „eher nicht“. Was
will er dann?
(DIR) AfD in Mecklenburg-Vorpommern: Nette Fassade, völkischer Kern
In Mecklenburg-Vorpommern setzt die AfD vor der Landtagswahl auf moderates
Spitzenpersonal – und auf zutiefst völkisch-nationalistische Politik.
(DIR) Rente nur noch als Basisabsicherung: IG Metall meutert gegen Renten-Merz
Die Gewerkschaft kündigt Proteste an, sollten Renten gekürzt werden.
SPD-Chefin Bas hat Merz’ Gerede von der „Basisabsicherung“ nicht
verstanden.