# taz.de -- Gutachten von Wissenschaftlern: Tierhaltungskennzeichnung darf auch für Importfleisch gelten
> Agrarminister Rainer will die geplante verpflichtende
> Haltungskennzeichnung von Fleisch auf Importe ausweiten. Experten halten
> das für zulässig.
(IMG) Bild: Dass dieses Schwein im Stall gehalten wurde, soll beim Kauf seines Fleisches gleich erkennbar sein
Eine obligatorische Tierhaltungskennzeichnung von [1][Fleisch] darf
Wissenschaftlern zufolge auch Importe erfassen. „Die Einbeziehung
ausländischer Lebensmittel in die staatliche Tierhaltungskennzeichnung ist
rechtlich grundsätzlich tragfähig“, heißt es in einem Gutachten der
AgrarökonomInnen Jasmin Zöllmer, Achim Spiller, Harald Grethe und des
Juristen José Martínez.
Die Kennzeichnung der Haltungsbedingungen sei mit den Vorschriften der
Europäischen Union und der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar, wenn
sie Einfuhren nicht diskriminiere. Dafür solle das Bundesagrarministerium
in seinem [2][Referentenentwurf] für das entsprechende Gesetz ausdrücklich
klarstellen, dass „gleichwertige ausländische Haltungs-, Kontroll- und
Zertifizierungssysteme anerkannt werden“, heißt es in der Expertise, die
die Tierschutzbeauftragte und das Agrarministerium von Niedersachsen in
Auftrag gegeben haben.
Das schwarz-weiße Label sieht fünf Stufen von „Stall“ über „Auslauf/Weide“
bis „Bio“ vor. Ziel der Kennzeichnung ist, dass die Konsumenten leichter
tierfreundlichere Produkte auswählen können, dieses Fleisch deshalb öfter
gekauft wird und am Ende mehr Tiere artgerechter gehalten werden.
Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) hat den Start der von der
Ampelkoalition initiierten Kennzeichnung, die zunächst nur für
Schweinefleisch gelten soll, aber verschoben. Er will sie nun auch für
ausländische Ware und die Gastronomie vorschreiben.
## Unkompliziert in die niedrigste Stufe
Gerade letzteres wäre ein Vorteil gegenüber der [3][privaten
„Haltungsform“-Kennzeichnung] in Supermärkten. Bei den höheren Stufen
müssten ebenfalls die Ferkel nach deutschen Standards „erzeugt“ worden
sein: Zum Beispiel dürften sie nur unter Betäubung kastriert und die Sauen
nur einige Tage in engen Einzelkäfigen untergebracht werden. Zudem sollen
neben unverarbeiteten „frischem“ Fleisch insbesondere bestimmte
verarbeitete Produkte mit einem hohen Fleischanteil einbezogen werden.
Rainer wartet derzeit darauf, dass die EU-Kommission seinem Entwurf
bescheinigt, den freien Warenverkehr in der Europäischen Union nicht
unverhältnismäßig zu beschränken. „Für die Verhältnismäßigkeit spricht
insbesondere, dass die Auffangstufe ‚Stall‘ einen niedrigschwelligen
Marktzugang eröffnet und höhere Stufen nicht zwingend in Anspruch genommen
werden müssen“, schreiben die WissenschaftlerInnen. Sprich: Ausländisches
Fleisch könnte ohne großen Aufwand in der niedrigsten Stufe auf den
deutschen Markt kommen.
12 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Fleisch/!t5016412
(DIR) [2] https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Glaeserne-Gesetze/Referentenentwuerfe/21-WP/3-AeTierHaltKennzG.pdf?__blob=publicationFile&v=2
(DIR) [3] /Kennzeichnung-der-Haltungsform/!6146028
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
## TAGS
(DIR) Landwirtschaft
(DIR) Alois Rainer Landwirtschaftsminister
(DIR) Tierhaltung
(DIR) Fleisch
(DIR) Europäische Union
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Vegetarismus
(DIR) Landwirtschaft
(DIR) Landwirtschaft
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) EU findet Kompromiss im Benennungsstreit: Veggie-Wurst bleibt, veganer Speck nicht
Im Streit um die Namen für vegetarische und vegane Ersatzprodukte haben die
EU-Gremien einen Kompromiss gefunden. Er sieht auch Verbote vor.
(DIR) Kennzeichnung der Haltungsform: Mehr Fleisch aus besseren Ställen
Der Anteil von Fleisch aus den höheren „Haltungsform“-Stufen in
Supermärkten steigt. Besonders bei einer Tierart verbessern sich die
Haltungsbedingungen.
(DIR) Fleisch im Supermarkt: Koalition will Tierhaltungs-Kennzeichnung verschieben
Die Regierungsfraktionen wollen das staatliche Tierhaltungslabel später
vorschreiben als derzeit geplant. Die Union will es komplett überarbeiten.