# taz.de -- Kritik an Fleisch-Kampagne: Tiere essen, ohne nachzudenken
       
       > „Iss was dir schmeckt“ appelliert eine Kampagne von Fleischindustrie und
       > Bauernverband. Sie lenke ab von Problemen der Tierhaltung, sagen
       > Kritiker.
       
 (IMG) Bild: „Iss, was dem Planeten schadet, das würde als Slogan besser passen“, sagt der Tierschutzbund – ein typischer Grill in Deutschland
       
       Die Grünen, die Ernährungsbewegung Slow Food und der [1][Deutsche
       Tierschutzbund] kritisieren die Pro-Fleisch-Kampagne „Iss was dir
       schmeckt“. „Die Kampagne der ‚Initiative Fleisch‘ ist eine perfide
       Täuschung“, sagte der taz Zoe Mayer, tierschutzpolitische Sprecherin der
       Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Den Verbraucher*innen werde
       durch Begriffe wie „Vielfalt“ und „Respekt“ Neutralität vorgegaukelt. „In
       Wirklichkeit promotet sie hauptsächlich Fleischkonsum ohne Nachdenken über
       die Folgen für Umwelt und Tiere.“ Plakate und Werbespots verschwiegen, dass
       hinter ihnen der Verband der Fleischwirtschaft und der Deutsche
       Bauernverband stünden, so die Abgeordnete aus Karlsruhe.
       
       Zweck der Initiative Fleisch GmbH ist laut deren Gründungsvertrag die
       „Imageverbesserung von Fleisch“. Beide Branchenverbände halten demnach
       jeweils die Hälfte des Stammkapitals. Der aktuelle Spot auf der
       [2][Internetseite der Kampagne] stellt die Auswahl von Lebensmitteln
       ausschließlich als Frage des Geschmacks dar. Man solle nicht andere von der
       eigenen Meinung überzeugen, sagt die Sprecherin im Off. Vielmehr gehe es
       darum, „zu akzeptieren, dass jeder von uns anders ist – und ja, auch was
       anderes isst“. Im Bild sind neben einigen Nudeln oder Maiskolben vor allem
       Mettigel, Steak und Kotelett zu sehen.
       
       „Seit ihrem Start im April 2025 hat die Kampagne rund 400 Millionen
       Kontakte erzielt“, teilte die Firma der taz mit. „Damit hat sie eine große
       Reichweite erreicht“. Bei ihrer Aktion „[3][Das große Angrillen]“
       kooperierte die Initiative zum Beispiel mit der Bild-Zeitung und bekannten
       Influencern in „sozialen“ Medien.
       
       „Der Claim ‚Iss was dir schmeckt‘ spielt mit dem vor allem in rechten und
       konservativen Kreisen verbreiteten Kulturkampf-Mantra, dass es aufgrund
       angeblicher linker Verbotskultur nicht möglich sei, sich frei und
       uneingeschränkt zu ernähren“, kritisierte Mayer. „Das ist natürlich
       keineswegs der Fall.“ Allerdings werde heutzutage offener über Probleme für
       Gesundheit, Klima, Umwelt und Tier gesprochen, die übermäßiger
       Fleischkonsum verursache. „Über all dies geht die Kampagne wohlfeil
       hinweg.“
       
       ## Qualvolle Betäubung, Knochenbrüche
       
       Rupert Ebner, Vorsitzender von Slow Food Deutschland, sagte, die Initiative
       Fleisch lenke „vom eigentlichen Thema ab, denn gerade Tierwohl, nachhaltige
       Landwirtschaft und handwerkliche Verarbeitung machen gutes Fleisch zu einem
       besonderen Genuss“. Wenn beispielsweise ein großer Teil der Masthähnchen
       Knochenbrüche habe und Schweine bei der Schlachtung einer äußerst
       schmerzhaften „CO₂-Betäubung bis zum Ersticken“ unterzogen würden, könne
       man dieses Fleisch nicht mit Genuss essen.
       
       „Wer in einem Kampagnenfilm den Mettigel als Symbolbild nutzt, der belegt
       nur, dass er in den 70er Jahren stehen geblieben ist“, ergänzte Thomas
       Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbunds. „Hauptsache Fleisch,
       egal, was das für Tier und Umwelt bedeutet: Das ist die Hauptbotschaft
       dieser Kampagne. Iss, was dem Planeten schadet, das würde als Slogan besser
       passen.“
       
       In den Texten auf der Internetseite der Kampagne fand sich bis
       Redaktionsschluss kein Hinweis zum Beispiel darauf, dass in Deutschland,
       dem bundeseigenen Thünen-Agrarforschungsinstitut zufolge, circa 10 Prozent
       der Treibhausgasemissionen auf die Tierhaltung zurückgeführt werden –
       inklusive etwa des Ausstoßes durch die tierische Verdauung, die Fütterung
       und der Flächennutzung. Der Futteranbau trägt unter anderem durch Pestizide
       und Dünger dazu bei, dass wilde Pflanzen- und Tierarten aussterben sowie
       Wasser verschmutzt wird.
       
       ## Kein Anspruch auf Vollständigkeit
       
       Die Initiative wies die Kritik zurück. „‚Iss was dir schmeckt‘ erhebt nicht
       den Anspruch, sämtliche Aspekte von Ernährung in einem Kampagnenformat zu
       verhandeln“, schrieb Geschäftsführerin Kirsten Otto der taz. Die Kampagne
       plädiere „für selbstbestimmte Entscheidungen und einen respektvollen Umgang
       mit unterschiedlichen Essgewohnheiten“. Gleichzeitig gehe die Initiative
       auf Fragen wie „Herkunft, Transparenz, Nachhaltigkeit und Qualität in der
       Fleischerzeugung“ in Formaten wie „[4][Wissen was schmeckt]“ auf ihrer
       Internetseite ein. Das wolle die Firma in diesem Jahr weiter ausbauen.
       
       „Der Vorwurf mangelnder Transparenz bei der Absenderschaft trifft nicht
       zu“, fügte Otto hinzu. Die Initiative Fleisch und der Deutsche
       Bauernverband seien als Absender der Kampagne ausgewiesen. Dass auf
       einzelnen Werbemitteln „nicht sämtliche Hintergründe zur Finanzierung im
       Detail“ dargestellt würden, entspreche der üblichen und rechtlich
       zulässigen Praxis in der Werbung.
       
       23 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Deutscher-Tierschutzbund/!t5036408
 (DIR) [2] https://iss-was-dir-schmeckt.de/
 (DIR) [3] https://www.v-d-f.de/der-verband/presse-positionen/initiative-fleisch-eroeffnet-grillsaison
 (DIR) [4] https://initiative-fleisch.de/wissen-was-schmeckt/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
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