# taz.de -- EU findet Kompromiss im Benennungsstreit: Veggie-Wurst bleibt, veganer Speck nicht
       
       > Im Streit um die Namen für vegetarische und vegane Ersatzprodukte haben
       > die EU-Gremien einen Kompromiss gefunden. Er sieht auch Verbote vor.
       
 (IMG) Bild: Geht auch in vegan – hier mit Patty aus Kidneybohnen
       
       dpa/taz | Die Bezeichnungen „Veggie-Burger“ und „Tofu-Wurst“ müssen nicht
       von Speisekarten und Produktverpackungen in der EU verschwinden. Darauf
       einigten sich Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments in
       Brüssel, wie Verhandlungsteilnehmer der Deutschen Presse-Agentur
       bestätigten. Andere vegetarischen Produkte dürfen aber künftig nicht mehr
       etwa als „Veggie-Hühnchen“ oder „Tofu-Rippchen“ bezeichnet werden.
       
       Der Kompromiss muss noch formell vom Europaparlament und den europäischen
       Staaten angenommen werden. Er ist das Ergebnis langer Verhandlungen.
       Europäische Abgeordnete hatten im vergangenen Jahr ein Verbot von Begriffen
       wie „Tofu-Wurst“, „Soja-Schnitzel“ oder „Veggie-Burger“ für vegetarische
       Produkte ins Spiel gebracht. Das wurde mit dem Schutz von Verbrauchern und
       Landwirten begründet.
       
       Die Verbraucherschutz-NGO kritisierte die Entscheidung: „Die ‚Lösung‘ der
       EU für ein vermeintliches Problem, das in der Realität gar nicht existiert,
       schafft im Supermarkt nicht mehr Klarheit, sondern mehr Verwirrung – und
       macht Veggie-Produzenten unnötig das Leben schwer“, sagte
       foodwatch-Geschäftsführer Chris Methmann.
       
       ## Ende für vegetarischen Speck, Rippchen und Kotelett
       
       Bislang dürfen typische Bezeichnungen für Fleischprodukte auch für
       pflanzliche Alternativen verwendet werden. Das soll nach der Einigung nun
       auch weiter grundsätzlich möglich sein. Untersagt werden sollen laut
       Vertretern des Parlaments Bezeichnungen, die sich auf Tier- beziehungsweise
       Fleischarten und einzelne Teilstücke („Cuts“) beziehen: zum Beispiel
       Geflügel, Rindfleisch, Rippchen, Schulter, Kotelett oder Speck.
       
       Der Kompromiss greift damit den ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission
       wieder auf, den das Europaparlament deutlich verschärft hatte. Letzteres
       sah vor, dass Begriffe wie „Steak“, „Schnitzel“, „Burger“ und „Wurst“ nur
       noch für Tierprodukte verwendet werden dürfen. Die EVP-Fraktion, zu der
       auch CDU und CSU gehören, hatte den Vorstoß im EU-Parlament eingebracht.
       Federführend verantwortlich war die französische Abgeordnete Céline Imart.
       
       Deutsche Unionsabgeordnete stimmten in einer ersten Verhandlungsrunde mit
       wenigen Ausnahmen zwar gegen ein solches Verbot – eine ausreichende
       Mehrheit im Parlament gab es trotzdem. Die Ja-Stimmen kamen vor allem von
       Fraktionen rechts der Mitte. Damit die Vorgaben in Kraft treten können, ist
       eine Mehrheit auch unter den EU-Staaten nötig. Die fehlte.
       
       ## Deutschland gegen Verbot
       
       Deutschland hatte sich gegen ein „Veggie-Burger“-Verbot ausgesprochen.
       Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) sagte im Oktober, ein Verbot würde
       „unglaublich hohe Kosten für die Wirtschaft“ sowie Bürokratie verursachen.
       „Ich stehe für Bürokratieabbau, deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag
       nicht.“ Wer ein Veggie-Schnitzel kaufe, wisse, dass es nicht aus Fleisch
       ist.
       
       Auch Verbraucherschützer und Wirtschaftsvertreter lehnen das Vorhaben ab.
       Deutschland ist nach Angaben von Wirtschaftsvertretern der größte Markt für
       pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Firmen müssten Produkte
       umbenennen.
       
       Die Produktion von vegetarischen oder veganen Fleischalternativen stieg in
       Deutschland in den vergangenen Jahren nach Angaben des Statistischen
       Bundesamtes (Destatis) auf 126.500 Tonnen im Jahr 2024 (jüngste verfügbare
       Jahreszahlen). Das war mehr als doppelt so viel wie fünf Jahre zuvor. Der
       Wert der Fleischproduktion war dennoch vielfach so hoch (Fleisch und
       Fleischerzeugnisse: 44,3 Milliarden Euro, Fleischalternativen: 647,1
       Millionen Euro).
       
       ## Verband befürchtet bei Verbot Millionenschaden
       
       Mehrere Handelsunternehmen, darunter Aldi Süd, Lidl und Burger King,
       warnten im vergangenen Jahr in einem gemeinsamen Brief ebenfalls vor
       wirtschaftlichen Schäden. Die vertrauten Begriffe böten Orientierung und
       ermöglichten bewusste Kaufentscheidungen, heißt es darin. Ein Verbot würde
       den Verkauf erschweren.
       
       Der Bundesverband für Alternative Proteinquellen (BALPro) rechnete für den
       Fall von Namensverboten mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen für
       Hersteller von Fleischersatzprodukten. „Auf Basis interner Schätzungen und
       Rückmeldungen zahlreicher betroffener Unternehmen ist von einem
       Gesamtschaden in Höhe von rund 250 Millionen Euro auszugehen“, teilte der
       Lobby- und Branchenverband im Januar mit. Kosten entstünden demnach vor
       allem, weil Verpackungen neugestaltet und bisherige vernichtet werden
       müssten, Marketing und Kommunikation verändert werden müssten und den
       Unternehmen Umsätze entgehen würden.
       
       Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese kommentierte: „Wenn auf einem Produkt
       ‚vegetarisch‘ oder ‚vegan‘ steht, dann weiß jeder halbwegs intelligente
       Mensch, dass es sich nicht um Fleischprodukte handelt.“ Die an den
       Verhandlungen beteiligte niederländische Volt-Abgeordnete Anna Strolenberg
       bedauerte, wie viel Zeit für die Namensdebatte aufgewendet wurde – und dass
       nun zwar nicht der Begriff „Veggie-Burger“, aber zahlreiche andere Wörter
       auf der schwarzen Liste landen. „Das ist schade, denn Europa sollte
       innovative Unternehmer unterstützen, anstatt ihnen neue Hindernisse in den
       Weg zu legen.“
       
       6 Mar 2026
       
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