# taz.de -- Veröffentlichung von Weimers Gedichten: „Kopfpilz“ für alle
       
       > Die Aktivistin Martha Root hat Wolfram Weimers Frühwerk frei verfügbar
       > gemacht – in der Bibliothek, deren Ausbau der Kulturstaatsminister
       > stoppen will.
       
 (IMG) Bild: Die Hackerin und Aktivistin Martha Root übergibt „Kopfpilz“ der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig
       
       Es ist Ironie, die beinahe wehtut – ausgerechnet in der Deutschen
       Nationalbibliothek, deren lang geplanten Erweiterungsbau
       Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im März stoppte, übergibt die Hackerin
       und Aktivistin Martha Root sein bislang vergriffenes Erstlingswerk
       „Kopfpilz“. Der Lyrikband, den Weimer 1986 als Anfang 20-Jähriger im
       Eigenverlag herausbracht, soll damit frei verfügbar werden.
       
       Gefilmt hat die zwecks Anonymisierung als pinker Power-Ranger verkleidete
       Root die Szene bereits Anfang Mai. Nur hat es eine Weile gedauert, bis der
       Band in den offiziellen Katalog aufgenommen wurde, deswegen habe man mit
       der Veröffentlichung gewartet, sagt Root der taz.
       
       Damit der Band wirklich für alle verfügbar ist, hat die Aktivistin
       „Kopfpilz“ digitalisiert und auf der Website Archive.org [1][zum
       kostenlosen Download] angeboten. Ein weiterer Seitenhieb auf Weimer, der
       die Absage des Erweiterungsbaus damit [2][begründete, dass die Sammlung
       gedruckter Medien angesichts der Digitalisierung nicht mehr zeitgemäß sei.]
       Inzwischen ist Weimers Haus zurückgerudert und spricht nur noch von einem
       „Moratorium“.
       
       Weimer selbst dürfte wenig begeistert sein von der Aktion. Der schmale,
       42-Seitige Band ist ein Sammelsurium lyrischer Peinlichkeiten. Es sind
       meist kurze, derbe Gedichte, die in ihrer geschmacklosen Art an
       Rammstein-Texte erinnern.
       
       ## Rape Culture
       
       „Morgen, Rentner, wirds was geben / Morgen kommt der Sensenmann / Morgen,
       Rentner, stirbt das Leben / Morgen, Alter, bist du dran“, heißt es etwa in
       dem dreistrophigen „Vorfreude“.
       
       Als Satiriker Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royal im November über den
       Gedichtband berichtete, bekam er prompt Post vom berüchtigten Medienanwalt
       Christian Schertz. „Weimer scheint das Buch aus guten Gründen peinlich zu
       sein“, sagt Root der taz.
       
       Viel zitiert wurde bereits das mit „Unglück“ betitelte Gedicht:
       „überwuchert mit Eiterbeueln / nötigt er die Schwangere / zum Fleischreiben
       / sein Pech / dass sein Schwanz platzt / ihr Pech / dass warmer Eiter ihren
       Unterleib / überflutet / und das Kind ersäuft.“
       
       Aktivistin Root kritisiert Gedichte wie diese als „Rape Culture“, Fantasien
       von sexualisierter Gewalt gegen Frauen, die sich hinter Kunst versteckt.
       Gerade in seiner Funktion als Kulturstaatssekretär, der über die Förderung
       von Kunst und Kultur entscheidet, sieht Root die fehlende
       Auseinandersetzung Weimers mit seinem Frühwerk kritisch.
       
       ## Keine „persönliche Attacke“
       
       „Ich finde, man sollte die kulturellen Maßstäbe eines Kulturstaatsministers
       auch an seinen eigenen Werken messen können“, sagt Root der taz. Das sei
       keine Privatangelegenheit, sondern Teil einer öffentlichen Debatte. „Wenn
       jemand über Kulturpolitik entscheidet, sollte man auch nachvollziehen
       können, welche Vorstellungen von Kultur er selbst vertritt.“ Die Aktivistin
       sehe sich als Archivarin, die Dinge sichert, bevor sie „bequem“
       verschwinden.
       
       Root betont, bei der Aktion handele es sich nicht um eine „persönliche
       Attacke“. Doch in dem Video, mit dem die Hackerin ihre Aktion öffentlich
       macht, holt sie zum Rundumschlag gegen den Staatsminister aus.
       
       Da wäre der Ausschluss [3][drei linker Buchläden von einer Preisverleihung]
       aufgrund angeblich „verfassungsschutzrechtlicher Bedenken“ im März. Dann
       kritisiert Root die möglichen Klüngel des „Unternehmers und Lobbyakteurs“
       zwischen seinem ehemaligen Unternehmen und seinem Staatsamt.
       
       Recherchen der taz ergaben, dass sich die Pressestellen der mittlerweile
       von seiner Frau geführten Weimer Media Group mit denen des Hauses des
       Kulturstaatssekretärs absprachen, um koordiniert auf kritische
       Berichterstattung zu reagieren. Die Weimer Media Group organisierte mit dem
       „Ludwig-Erhard-Gipfel“ ein elitäres Treffen von „Entscheidungsträgern“, das
       dazu noch großzügig von der Staatskasse gefördert wurde.
       
       ## Hardcopy kann ersteigert werden
       
       Root selbst ist kein unbeschriebenes Blatt. Ende vergangen Jahres sorgte
       die Aktivistin, die stets in dem pinkem Kostüm auftritt, auf dem Chaos
       Communication Congress für Aufsehen, [4][indem sie die rechte
       Datingplattform White Date unterwanderte.]
       
       Laut Root stellt die Veröffentlichung des Gedichtbandes den Auftakt für
       weitere Aktionen dar. Unter anderem plant die Aktivistin die Versteigerung
       eines physischen Exemplars von „Kopfpilz“. Die Erlöse sollen der Initiative
       „Lesen hilft“ zugutekommen, die sich in der Folge von Weimers Angriff auf
       die linken Buchläden gegründet hat. „Das Buch dient damit vor allem als
       Anlass für eine gemeinschaftliche Spendenaktion“, erklärt Root.
       
       13 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://pinkpower.lol/weimer
 (DIR) [2] /Weimer-und-die-Nationalbibliothek/!6163620
 (DIR) [3] /Wolfram-Weimer-und-die-Buchbranche/!6157097
 (DIR) [4] /Rechtsextremes-Datingportal/!6144953
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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