# taz.de -- Eurovision Song Contest 2026: Neue Regeln wegen Israel
> Im letzten Jahr war der Wettbewerb von Manipulationsvorwürfen
> überschattet, Israels Teilnahme bleibt umstritten. Die wichtigsten Fragen
> und Antworten.
(IMG) Bild: Gewann im letzten Jahr überraschend die ESC-Publikumsabstimmung: der israelische Beitrag von Yuval Raphael
afp | Der Eurovision Song Contest (ESC) wird anders sein als in den letzten
Jahren, und das aus mehreren Gründen: Statt einer Rekordteilnehmerzahl, wie
sie der gastgebende österreichische Fernsehsender ORF noch im Herbst zum
70. Jubiläum in der Hauptstadt Wien erwartete, wird er nur 35 Starter zum
weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerb begrüßen – so wenige wie
seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. [1][Spanien, Irland, die Niederlande,
Island und Slowenien sind aus Protest gegen Israels Teilnahme nicht mehr
dabei]. Das Motto „United By Music“, vereint durch Musik, klingt deshalb
etwas hohl.
Und noch etwas ist anders, auch wegen Israel. Der Eurovision Song Contest
(ESC) zieht Konsequenzen aus dessen Überraschungserfolg vor einem Jahr:
Weil Israel im vergangenen Jahr völlig unerwartet mit großem Vorsprung die
Publikumsabstimmung gewann und [2][Manipulationsvorwürfe laut wurden], hat
sich der Wettbewerb in diesem Jahr neue Abstimmungsregeln gegeben. Der ESC
will damit bei der 70. Ausgabe Vertrauen zurückgewinnen.
Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Regeln des ESC 2026:
## Warum wurden die Regeln überarbeitet?
2025 warb Israel mit einer massiven Kampagne in sozialen Netzwerken für
seine Teilnehmerin, die Sängerin Yuval Raphael. Eine direkte Manipulation
der Abstimmung konnte dem Land nicht nachgewiesen werden – der israelische
Sieg bei der Publikumswahl widersprach aber allen Erwartungen und auch der
Stimmung der Fans. Neben der [3][Kritik an Israel wegen des Vorgehens der
Regierung im Gazastreifen] führte die Werbekampagne zu schweren
Verwerfungen unter den ESC-Teilnehmerländern bis hin zu zahlreichen
Forderungen, Israel auszuschließen. Dies wurde letztlich verhindert.
Allerdings verzichten mit Irland, Spanien, den Niederlanden, Island und
Slowenien gleich fünf Länder auf eine Teilnahme.
## Was wurde geändert?
Die Zahl der Zuschauerstimmen wird von 20 auf zehn pro Bezahlart – SMS,
Anruf, Onlineabstimmung mit Kreditkarte – halbiert. Fans sollen außerdem
aktiv ermutigt werden, für mehrere Beiträge abzustimmen. In den beiden
Halbfinals gibt es nach der reinen Publikumsentscheidung in den Jahren 2023
bis 2025 nun auch wieder eine Juryabstimmung. Dies soll dafür sorgen, dass
neben Publikumslieblingen auch Beiträge mit einem hohen künstlerischen
Anspruch bessere Chancen haben – im Finale gibt es ebenfalls die Jury- und
die Zuschauerabstimmung.
## Wie setzen sich die Jurys zusammen?
Mit der Rückkehr zur Juryabstimmung in den Halbfinals wurde auch die Zahl
der Jurymitglieder von fünf auf sieben erhöht. In die nationalen Jurys der
35 Teilnehmerländer dürfen nun auch neue Berufsfelder berufen werden – dazu
zählen Musikjournalisten und -kritiker, Musiklehrer oder Choreografen.
Außerdem müssen mindestens zwei Juroren in der Altersspanne zwischen 18 und
25 Jahren sein – dies soll die Attraktivität des Wettbewerbs beim jüngeren
Publikum erhalten.
## Entscheiden die Juroren unabhängig?
Die Unabhängigkeit soll durch eine formelle Erklärung betont werden, die
jedes Jurymitglied unterzeichnen muss. Die Erklärung beinhaltet die
Zusicherung, unabhängig und unparteiisch zu entscheiden. Außerdem
versprechen Juroren Zurückhaltung bei ihren Social-Media-Aktivitäten.
## Was ist mit technischen Manipulationen?
Israels Abschneiden 2025 weckte den Verdacht einer technischen
Manipulation, der aber nie bestätigt wurde. Trotzdem versprach die für die
Sicherheitsmaßnahmen zuständige deutsche Firma Once Germany, ihre Systeme
weiter zu stärken.
## Kann durch Werbung weiter beeinflusst werden?
Auch für Werbekampagnen wurden die Vorgaben verschärft. Die Teilnehmer und
ihre Lieder dürfen beworben werden, unverhältnismäßige Werbekampagnen
insbesondere auch durch Dritte wie Regierungen oder Behörden soll es aber
nicht mehr geben. 2025 soll die israelische Regierung hinter der
PR-Kampagne gestanden haben. Eine unzulässige Beeinflussung soll durch die
Europäische Rundfunkunion EBU sanktioniert werden können.
## Wie sind die Flaggenregeln?
Die beim ESC auftretenden Künstlerinnen und Künstler dürfen wie erstmals im
vergangenen Jahr vorgeschrieben nur mit ihrer Landesflagge auftreten. Damit
sollen politische Statements auf der Bühne unterbunden werden. Die Fans
haben Freiheit bei der Flaggenwahl, allerdings müssen diese nach einem
neuen Standard zertifiziert sein. Als Grund werden verschärfte
Brandschutzbestimmungen nach dem tragischen Feuer in einem Klub im
schweizerischen Crans-Montana zum Jahreswechsel angegeben. Zertifizierte
Flaggen gibt es im Onlineshop des ESC und vor Ort.
## Wie läuft die Punktevergabe?
Hier gab es keine Veränderung. Weiterhin bekommen bei der Abstimmung durch
Jury und Publikum Länder zwölf, zehn, acht und dann herabzählend bis eins
Punkte. Dabei können nur jeweils zehn Länder Punkte erhalten. Im ESC-Finale
werden zuerst die Jurypunkte verteilt. Bei den Publikumspunkten fängt die
Vergabe dann bei dem Land mit den wenigsten Jurypunkten an. Damit steht
auch erst am Ende der ESC-Gewinner fest.
## Welche weiteren Regeln sind zentral?
Für die Show gibt es klare Vorgaben. Lieder dürfen höchstens drei Minuten
lang sein und müssen unpolitisch sein. Sängerinnen und Sänger müssen
mindestens 16 Jahre alt sein, es dürfen nicht mehr als sechs Bandmitglieder
auf der Bühne sein. Und während die Musik vom Band kommt, müssen zumindest
die Leadsänger live singen. Die Wahl der Sprache ist frei – während
Deutschlands Sarah Engels auf Englisch singt, ist bei Großbritannien der
Liedtitel mit „Eins, zwei, drei“ Deutsch.
8 May 2026
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