# taz.de -- ESC-Teilnehmer Akylas: „Ich passe mit meiner Musik in keine Schublade“
       
       > Der griechische Künstler Akylas gilt als einer der Favoriten beim ESC in
       > Wien. Er erzählt, wie schrille Elektro-Beats, Computerspiel-Ästethik und
       > die Kritik an Konsum zusammenpassen.
       
 (IMG) Bild: Der griechische Musiker Akylas bei den Kostümproben zu seinem Song „Ferto“
       
       taz: Akylas, Griechenland gilt dieses Jahr für viele Fans als Geheimfavorit
       beim Eurovision. Warum glaubst du, dass „Ferto“ bei so vielen Menschen
       hängen bleibt? 
       
       Akylas: Leute lieben es zu tanzen, und ich wollte unbedingt einen Song
       produzieren, der traditionelle Elemente aus dem griechischen Folk-Pop-Genre
       Laïkó mit modernen Technobeats verbindet. Gleichzeitig steckt aber viel
       mehr dahinter als nur ein Partytrack. Für mich ist „Ferto“ auch politisch
       und persönlich. Ich glaube, die Leute spüren diese Energie und Ehrlichkeit.
       
       taz: Wie gehst du persönlich mit den hohen Erwartungen um? 
       
       Akylas: Ich versuche ehrlich gesagt, gar nicht an einen möglichen Gewinn zu
       denken. Ich möchte einfach die Zeit beim Eurovision genießen. Die Fans
       treffen, die Proben erleben und bei jeder einzelnen Show Spaß haben. Vor
       ein paar Monaten habe ich noch Straßenmusik in Athen gemacht, um Geld zu
       verdienen. Jetzt auf einer internationalen Bühne zu stehen und dort tanzen,
       singen und performen zu dürfen, fühlt sich an wie ein Traum.
       
       taz: Euer Auftritt ist sehr bunt, überdreht und verspielt. Du setzt dabei
       auch auf eine pixelige Retro-Gaming-Ästhetik. Wie ist dieser Look
       entstanden? 
       
       Akylas: Es gibt diesen typischen Moment in Computerspielen: dieses
       „dururu“, wenn man stirbt, und dann erscheint der Button „Versuch es noch
       mal“. Genau dieses Gefühl wollte ich vermitteln. Es ist nie zu spät, Dinge
       nochmal zu versuchen, mutig zu sein und sich neu zu erfinden. Die
       Retro-Gaming-Welt löst bei vielen Menschen Nostalgie aus,
       generationsübergreifend.
       
       taz: Viele sehen „Ferto“ zuerst als einen der diesjährigen Spaßbeiträge.
       Gleichzeitig steckt im Song aber Kritik an Überkonsum und diesem ständigen
       Wunsch nach „mehr“. Warum war dir wichtig, dieses Thema ausgerechnet über
       so eine schrille Performance zu erzählen? 
       
       Akylas: Der Wunsch nach mehr Konsum, mehr Reichtum und mehr Macht ist tief
       in unserer Gesellschaft verankert. Gleichzeitig komme ich aus einer
       Generation, die die Finanzkrise, Arbeitslosigkeit und Sparmaßnahmen erlebt
       hat. Viele von uns hatten gar nicht die Möglichkeit, sich etwas zu gönnen.
       Wir konnten von diesem „Mehr“ nur träumen. Das alles wollte ich verbinden,
       ohne zu negativ zu werden.
       
       taz: Wie persönlich ist „Ferto“ am Ende eigentlich für dich? 
       
       Akylas: Sehr persönlich. Meine Mutter hat mich und meine Schwester alleine
       großgezogen. Mit diesem Song wollte ich ihr danken. Sie ist meine Heldin.
       In der Bridge verlasse ich diesen verrückten Charakter und spreche sie
       direkt an. Ich sage ihr dort, dass ich für sie und für uns beide ein
       besseres Leben aufbauen möchte.
       
       taz: Deine Outfits und dein Styling fallen extrem auf und wirken sehr frei
       und extravagant. Welche Bedeutung hat Mode mittlerweile für dich
       persönlich? 
       
       Akylas: Ich kann endlich so sein, wie ich bin und das tragen, was ich
       tragen möchte. Als queeres Kind aus einem kleinen griechischen Dorf habe
       ich mich nicht getraut, meine extravaganten Outfits zu tragen und wollte
       weniger auffallen, doch seit meiner ESC-Teilnahme genieße ich es, mit
       meinem Stylisten an bunten Outfits zu arbeiten. Die größte Inspiration ist
       Lady Gaga. Ich liebe ihre Extravaganz.
       
       taz: Eurovision soll Menschen verbinden, gleichzeitig gibt es jedes Jahr
       Debatten und Spannungen rund um den Wettbewerb. Spürt man diese besondere
       Stimmung als Artist vor Ort? 
       
       Akylas: Natürlich spürt man manchmal die Diskussionen oder Spannungen rund
       um den Wettbewerb. Aber vor Ort fühlt sich Eurovision trotzdem vor allem
       wie ein riesiges Treffen von Menschen an, die Musik lieben. Künstler aus
       komplett unterschiedlichen Ländern verbringen Zeit miteinander, feiern
       zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Diese Verbindung ist stärker
       als alles andere.
       
       taz: Der Eurovision Song Contest hat in Griechenland eine riesige
       Bedeutung. Wie erlebt man den ESC dort? 
       
       Akylas: Seitdem 2005 Helena Paparizou für Griechenland gewonnen hat, sind
       wir verrückt nach dem ESC und warten auf den nächsten Sieg. Es ist normal,
       sich am Abend vom ESC mit Freunden zu treffen, Partys zu veranstalten und
       die Beiträge zu schauen.
       
       taz: Manche ESC-Beiträge werden schnell als „Spaßbeitrag“ abgestempelt. Was
       würdest du Menschen sagen, die „Ferto“ genau so sehen? 
       
       Akylas: Ich kenne die Kritik, dass Balladen anspruchsvoller sind. Aber
       Musik ist alles, was wir haben, um uns auszudrücken. Ich passe mit meiner
       Musik in keine Schublade und das ist gut so. Der Song ist tanzbar, aber
       auch ernst. Wir sollten nicht immer die gleichen Rezepte wiederholen, nur
       weil es den Leuten gefällt, das wäre doch langweilig.
       
       15 May 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anastasia Zejneli
       
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