# taz.de -- Streit um Israels Teilnahme am ESC: Mehr als ein Boykott
       
       > Heute startet der Eurovision Song Contest mit dem ersten Halbfinale. Doch
       > Spanien, Irland und Slowenien wollen den Wettbewerb nicht übertragen.
       
 (IMG) Bild: Spanien, Slowenien und Irland klagen Israels Genozid durch ihren Boykott an
       
       afp / taz | Es ist der größte Boykott in der Geschichte des Wettbewerbs:
       Spanien, Irland, die Niederlande, Slowenien und Island nehmen [1][in diesem
       Jahr nicht am Eurovision Song Contest teil]. Teilweise wird die Sendung
       dort nicht einmal ausgestrahlt. Stattdessen wird der spanische Sender RTVE
       ein eigenes Musik-Special zeigen, während die Zuschauer in Irland die
       animierte Familienkomödie „Mummies“ zu sehen bekommen und diejenigen in
       Slowenien eine Reihe von Sendungen über Palästina.
       
       Die 70. Ausgabe des ESC in Wien beginnt am Dienstag mit dem ersten
       Halbfinale, das zweite Halbfinale ist am Donnerstag. Das Finale findet am
       Samstag statt. Doch mit 35 Beiträgen nehmen [2][so wenig Länder an dem
       Wettbewerb teil wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr]. Auch mehr als
       tausend Künstler wie Peter Gabriel und Bands wie Massive Attack rufen zum
       Boykott auf. Begründet wird dies mit Israels brutalem Vorgehen im
       Gazastreifen nach dem Überfall der radikalislamischen Hamas am 7. Oktober
       2023, das viele Kritiker als Genozid bezeichnen. Der Krieg forderte nach
       Schätzungen über 70.000 Opfer.
       
       Wenige Wochen vor dem Finale unterzeichneten [3][mehr als 1.100
       Kulturschaffende und Musiker den Boykottaufruf]. Zu den prominentesten
       Namen zählen Björk, Brian Eno und Paul Weller sowie Sigur Rós, Mogwai,
       Primal Scream, Hot Chip und Kneecap. Der offene Brief richtet sich nicht
       nur an die European Broadcasting Union EBU, sondern auch an
       öffentlich-rechtliche Sender, Künstler und Fans. Darin erklären die
       Unterzeichner ihre Unterstützung für internationale Boykottaufrufe und
       fordern, den ESC so lange zu boykottieren, bis Israel vom Wettbewerb
       ausgeschlossen wird.
       
       Gleichzeitig begrüßen sie ausdrücklich, dass mehrere Länder ihre Teilnahme
       bereits abgesagt haben. Neben internationalen Stars haben auch ehemalige
       ESC-Teilnehmer den Aufruf unterschrieben, darunter auch die Sängerin
       Emmelie de Forest, die 2013 für Dänemark gewann. Nemo, der ESC-Gewinner von
       2024, gab aus Protest gegen die Teilnahme Israels [4][seine Siegertrophäe
       zurück].
       
       ## New York Times deckt Kampagne auf
       
       Die Kampagne „[5][No Music For Genocide]“ fordert, den israelischen Sender
       Kan vom Wettbewerb auszuschließen. Sie wirft ihm sowie dem Staat Israel,
       den er vertritt, eine Mitverantwortung für schwere
       Menschenrechtsverletzungen im Gazastreifen, im Westjordanland und im
       Libanon vor.
       
       Die Initiatoren kritisieren die EBU scharf und sprechen von „Heuchelei“:
       Während Russland nach dem Angriff auf die Ukraine ausgeschlossen wurde,
       dürfe Israel weiterhin teilnehmen. Der ESC werde, so der Vorwurf, zur
       politischen Imagepflege genutzt. Darüber hinaus rufe die Kampagne Musiker
       dazu auf, ihre Musik in Israel nicht mehr verfügbar zu machen, etwa durch
       Geoblocking auf Streaming-Plattformen.
       
       Die New York Times hat [6][in einer aufwendigen Recherche], die sie am
       Montag veröffentlichte, aufgedeckt, dass die israelische Regierung im
       vergangenen Jahr über eine Million Euro ausgeben haben soll, um die
       Eurovision-Abstimmung zu beeinflussen. Israelische Botschaften und
       gesponserte Kampagnen riefen dazu auf, bis zu 20 Mal für die israelische
       Kandidatin zu stimmen, die durch das Publikumsvoting am Ende überraschend
       auf Platz zwei landete. In diesem Jahr wurden deshalb [7][die Regeln
       geändert].
       
       Mehrere Kundgebungen in Wien geplant 
       
       Rund um den Wettbewerb sind in Wien sowohl propalästinensische als auch
       proisraelische Demonstrationen geplant. Am Sonntag fand unter starken
       Sicherheitsvorkehrungen eine erste Demo gegen die Teilnahme Israels statt.
       Hunderte Polizisten sollen bis zum ESC-Finale am kommenden Samstag für
       Sicherheit sorgen.
       
       Vergangenes Jahr hatte der österreichische Countertenor JJ mit seinem Song
       „Wasted Love“ den ESC gewonnen und den diesjährigen Wettbewerb damit in die
       Alpenrepublik geholt. Für Deutschland tritt Sarah Engels mit ihrem Song
       „Fire“ an. Die 33-Jährige wurde 2011 als Zweitplatzierte der
       RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt.
       
       12 May 2026
       
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 (DIR) [5] https://nomusicforgenocide.org/
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