# taz.de -- Israel und der ESC: Keine Lust mehr auf Kulturkampf
       
       > Die Bulgarin Dara gewinnt mit einem überzeugenden Popsong. Doch dass
       > Israel Platz zwei holte und Publikumsliebling war, ist die eigentliche
       > Sensation.
       
 (IMG) Bild: Vom Publikum an die Spitze gewählt: der israelische Sänger Noam Bettan
       
       Dass es in der frühen Sonntagnacht in der Wiener Stadthalle über alle
       international geschalteten Mikrofone zu deutlich hörbaren „Bulgaria,
       Bulgaria“-Rufen kam, ist nicht als antiisraelisch zu werten. Es ging nur
       noch darum, ob die aus Varna stammende Popchanteuse Dara den [1][70.
       Eurovision Song Contest] gewinnt – oder der Israeli Noam Bettan. Dieser lag
       bis zur allerletzten Wertung auf dem ersten Platz: Würde sie, die erst in
       der Probenwoche von Wien anzeigte, wie hungrig sie mit ihrem Lied
       „Bangaranga“ auf einen der allerersten Plätze war, gar gewinnen?
       
       Sie tat es – und bekam auch vom Televoting, der Publikumsabstimmung in den
       35 Teilnahmeländern, [2][die allermeisten Punkte]: Erstmals seit 2017 gab
       es also eine ESC-Siegerin, die sowohl die Jurys als auch das Publikum am
       stärksten überzeugte.
       
       Was das Live-Publikum in Wien allerdings auch zeigte: Man hatte die Nase
       voll von einem [3][politisch-kulturellen Konflikt], der eben politisch
       auszutragen ist, nicht über einen Popwettbewerb mit 180 Millionen
       Zuschauer:innen auf allen Kanälen, TV, Social Media, Livestreams. Die
       einen, wenige, buhten Israel noch während des Vortrags seines Liedes
       „Michelle“ aus, die anderen, weil sie nicht Objekte politischer Kampagnen
       sein wollten, überwiegend antijüdisch gesinnter Kampagnen. Bulgarien sollte
       es also werden, und so geschah’s, und das war auch in popästhetischer
       Hinsicht nur zu gerecht.
       
       Israels TV-Verantwortliche des Senders KAN zeigten zu Recht sich erfreut
       über dieses Ergebnis: Noam Bettan hatte den zweiten Platz erreicht, bei den
       Jurys langte es nur zum achten, beim eurovisionären Publikum zu einem
       beachtlichen dritten Rang. Gewinnen habe man ohnehin nicht gewollt, der
       militärischen Lage wegen – aber ein zweiter Platz zeige an, dass die
       Boykottkampagnen wider die Künstler:innen des Landes, ja selbst die
       Versuche, Noam Bettan zur Marionette jüdischer Weltüberwölbung zu
       stilisieren, scheiterten.
       
       Mit dem sehr guten Ergebnis sind auch Ideen der Netanjahu-Regierung, sich
       aus der Eurovisionskette und damit aus diesem Popfestival zurückzuziehen,
       ins Aussichtslose gedrängt worden. KAN kann weiter unabhängiger,
       staatsdistanzierter Sender bleiben und muss nicht regierungshörig werden.
       
       17 May 2026
       
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 (DIR) Jan Feddersen
       
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