# taz.de -- Linkspartei gegen Sozialabbau: Schwerdtner ruft auf die Barrikaden
> Gegen die Angriffe der Bundesregierung auf den Sozialstaat plant die
> Linke bundesweit Demos. Sie sollen im Juni beginnen und ein Ventil für
> Wut sein.
(IMG) Bild: „Wir wollen eine kraftvolle Welle des Protests aufbauen“, Ines Schwerdtner im Bundestag
Die Linkspartei tut, was von einer linken Partei erwartet wird: Sie erhebt
die Stimme gegen Sozialabbau und kündigt – erstmals seit Langem – große
Proteste an. Parteichefin Ines Schwerdtner verspricht gar eine
„Protestkaskade“, um gegen [1][die Kürzungen der schwarz-roten
Bundesregierung] mobil zu machen.
„Wir wollen eine kraftvolle Welle des Protests aufbauen, die im Juni die
Straßen erreicht und so groß wird, dass Merz sie nicht ignorieren kann“,
sagte die Linken-Vorsitzende am Freitag in Berlin. Dabei will die Partei an
die Montagsdemos anknüpfen, bei denen ab 2004 gegen die Hartz-Reformen der
Regierung von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) aufbegehrt wurde. Diese
Proteste waren ein Schlüsselmoment für die Gründung der heutigen
Linkspartei.
Konkret fordert die Partei nun einen Stopp aller Reformen, die Armut
verschärfen; die Sicherung von Lohn, Gesundheitsversorgung und Rente; die
[2][Verteidigung des Acht-Stunden-Tags]; höhere Abgaben für Milliardäre;
und einen Spritpreisdeckel, „um die Abzocke der Konzerne zu beenden“.
## Frust als Treibstoff
Organisieren wolle die Linke den Protest in „lokalen Bündnissen“ zusammen
mit Betroffenen. Als Beispiele nennt der Parteivorstandsbeschluss, der der
taz vorliegt, „hart arbeitende Menschen, Mieter, Eltern und Rentner“. „Wenn
wir uns zusammenschließen, können wir den organisierten Sozialraub
verhindern“, hofft Linken-Chefin Schwerdtner. Welche weiteren Akteure dabei
sein werden, konnte der Parteisprecher auf Nachfrage der taz noch nicht
sagen. Man sei noch „im Prozess“, und dies könne lokal unterschiedlich
sein.
Auf die Frage, ob die Leute im Land bereit sind, in Massen auf die Straße
zu gehen, sagt Schwerdtner der taz: „Die Menschen sind wütend“. Und: „Der
Frust kann der entscheidende Treibstoff sein, um die Politik der sozialen
Kälte zu stoppen.“ Dafür will die Linkspartei ein Ventil schaffen. In den
letzten Jahren waren [3][Sozialproteste in Deutschland] trotz aller
Belastungen – etwa während der Coronapandemie – eher klein geblieben.
In der ersten Phase der „Protestkaskade“ soll es „Sozial-Ratschläge“ geben.
Gemeint sind damit Planungstreffen vor Ort. Für das Ruhrgebiet habe dies
bereits online stattgefunden, teilte ein Parteisprecher der taz mit.
Aktionen werde es voraussichtlich auch in München, Köln, Erfurt, Passau und
Hannover geben. In Berlin findet an diesem Sonntag ein Treffen statt.
Die zweite Phase soll im Juni beginnen: mit bundesweiten Demonstrationen,
die alle Menschen auf die Straße bringen, die von Kürzungen bedroht sind.
## Merz’ Attacken auf die Armen
Schon seit Monaten [4][attackiert Friedrich Merz verbal und mit seinen
politischen Vorstößen die Armen,] und schon länger stehen schwerwiegende
Kürzungen im Raum – sei es im [5][Gesundheitssystem], der [6][Jugendhilfe],
beim Wohnen oder der [7][Integration.] Für einige davon hat der Kanzler
sogar [8][Kritik aus den eigenen Reihen geerntet.]
Die Liste der Grausamkeiten, die Bund und Kommunen laut einem Papier
planen, ist lang: Der [9][Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende] soll
begrenzt, minderjährige Geflüchtete ab 16 Jahren sollen in schlechtere
Unterkünfte gesteckt und [10][Hilfen für junge Erwachsene], die in Heimen
aufgewachsen sind, sollen gekürzt werden.
## „Die unfähigste Bundesregierung aller Zeiten“
Zugleich gelingt es der Bundesregierung nicht, Menschen mit geringen
Einkommen effektiv zu unterstützen: So ist der Gesetzentwurf für
steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu 1.000 Euro [11][am Freitag vom
Bundesrat gestoppt worden.]
„Es ist wirklich die unfähigste Bundesregierung aller Zeiten“, sagt
Schwerdtner dazu. „Eine Regierung, die ständig an der eigenen Abstimmung
und an handwerklichen Fehlern scheitert, verspielt das Vertrauen der
Menschen im Land“. Sie spricht von „unausgereiften Ankündigungen“ und
„immer neuen Enttäuschungen“.
Angesichts der Tatsache, dass zum brutalen Kahlschlag der Bundesregierung
weder von Gewerkschaften noch von linksradikalen Gruppen bislang viel
kommt, müsste die Mehrheit der Menschen im Land der Linkspartei dankbar
sein, dass sie endlich etwas unternimmt.
8 May 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Lotte Laloire
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