# taz.de -- Linksfraktion streitet über ihre Diäten: Völlig entfremdet von der Arbeiterklasse
       
       > Einige Linken-Abgeordnete verweigern eine Begrenzung ihrer Diäten. Dabei
       > ist diese dringend notwendig, um glaubwürdig zu sein.
       
 (IMG) Bild: Prominentester Gegner ist Bodo Ramelow
       
       Ein Gehalt von 2.850 Euro netto plus 350 Euro pro zu pflegendem Angehörigen
       oder Kind – viele Arbeitnehmer:innen in Deutschland würden sich
       darüber freuen. Für einige Linken-Abgeordnete scheint das allerdings eine
       Zumutung zu sein: Kurz vor dem Parteitag im Juni mehrt sich der Widerstand
       gegen einen Antrag des Parteivorstands, die [1][Diäten der
       Linken-Abgeordneten in Höhe des Durchschnittslohns] deutscher
       Arbeitnehmer:innen zu deckeln und den Rest zu spenden.
       
       Prominentester Gegner ist Bodo Ramelow. Der scheint trotz seiner
       vergangenen Einnahmen als Ministerpräsident Thüringens in Höhe von
       monatlich rund 16.000 Euro auf die derzeit 11.833 Euro Abgeordnetendiät
       angewiesen zu sein: Per Eilantrag hat er die Schiedskommission der Partei
       aufgefordert, den Antrag umgehend aufzuheben. Sein Kollege Michael Moses
       Arndt, der das Vorhaben per Gutachten stoppen will, wähnt sich mit dem
       Durchschnittslohn schon am Existenzminimum – das liegt derzeit bei rund
       1.000 Euro.
       
       Diese abgehobenen Reaktionen zeigen, wie wichtig und richtig eine Deckelung
       der Abgeordnetengehälter wäre. Die steigen in der Regel Jahr um Jahr
       automatisch an – zum 1. Juli um knapp 500 Euro auf 12.330 Euro plus
       steuerfreie Aufwandspauschale von rund 5.500 Euro –, Einkünfte aus
       Nebentätigkeiten nicht mitgerechnet. Während die arbeitende Klasse
       wochenlange Tarifkämpfe führen muss, um läppische 2,5 Prozent Lohnerhöhung
       durchzusetzen, die die [2][Preissteigerungen nicht ansatzweise
       ausgleichen].
       
       Für die Linkspartei geht es hier um ihre Glaubwürdigkeit: Will sie die
       arbeitende Klasse vertreten, sollte sie auch ihre Realität kennen. Wer sich
       jedoch in einer Limousine kutschieren lässt, statt Öffis zu fahren, in
       einer Villa wohnt statt zur Miete und dazu noch privat versichert ist, kann
       die Sorgen und [3][Nöte der großen Mehrheit der Bevölkerung] schwer
       nachempfinden.
       
       Das zeigen auch die Argumente der Deckelungs-Gegner:innen: Das Gehalt von
       Abgeordneten müsse der Bedeutung des Amtes und der anstrengenden Arbeit
       gerecht werden, heißt es. Das trifft allerdings auch auf
       Krankenpfleger:innen, Reinigungskräfte oder Busfahrer:innen zu. Wer
       glaubt, besser als sie zu sein, hat in der Linken nichts verloren.
       
       11 May 2026
       
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